Warum das neue Pressing-System von RB Leipzig die Art und Weise wie Sie Fußball analysieren verändern wird
6 Min. LesezeitDie Art und Weise, wie wir Fußballspiele betrachten, hat sich in den letzten Jahren drastisch gewandelt. Früher reichte ein Blick auf die Aufstellung und die Laufbereitschaft aus, um die Dominanz einer Mannschaft zu bewerten. Doch wer heute die Spiele von RB Leipzig verfolgt, merkt schnell, dass herkömmliche Analysemethoden an ihre Grenzen stoßen. Das neue Pressing-System der Sachsen ist kein bloßes „Anrennen“ mehr; es ist eine hochkomplexe, datengesteuerte Choreografie, die das Verständnis von Raum und Zeit auf dem Spielfeld neu definiert. Für Analysten und Fans bedeutet dies ein Umdenken: Weg von statischen Formationen, hin zu fluiden, ereignisbasierten Strukturen.
Die Evolution der Aggressivität am Cottaweg:
RB Leipzig war schon immer für sein intensives Spiel gegen den Ball bekannt. Unter der aktuellen sportlichen Leitung hat sich dieser Ansatz jedoch von einem rein physischen zu einem kognitiven Prozess entwickelt. Wir beobachten heute nicht mehr nur, dass Spieler den Gegner jagen, sobald dieser den Ball hat. Stattdessen basiert das System auf einer vorausschauenden Raumkontrolle. Das Ziel ist es nicht primär, den Ball sofort zu gewinnen, sondern den Gegner in Zonen zu lenken, in denen ein Ballverlust statistisch am wahrscheinlichsten und für Leipzig am profitabelsten ist.
Diese strategische Ausrichtung erfordert von uns als Analysten, dass wir nicht mehr nur zählen, wie viele Zweikämpfe gewonnen wurden. Wir müssen bewerten, wie effektiv die „Pressing-Fallen“ zugeschnappt sind. Ein erfolgreiches Pressing wird heute nicht mehr nur durch einen direkten Ballgewinn definiert, sondern durch die erzwungene Spielverzögerung oder den langen Ball des Gegners, der postwendend in den eigenen Reihen landet. Diese Nuancen entscheiden oft über den Erfolg komplexer Strategien im Bereich der sportwetten und erfordern eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den Daten hinter dem Spiel.
Die Abkehr von der statischen Grundordnung:
Einer der faszinierendsten Aspekte des neuen Leipziger Systems ist die Variabilität der Positionen während der Pressingphasen. Während ein Team auf dem Papier in einem 4-2-2-2 oder 4-4-2 startet, löst sich diese Struktur in der Defensive oft komplett auf. Wir sehen Außenverteidiger, die plötzlich tief in einer Dreierkette absichern, während ein Sechser weit nach vorne rückt, um den gegnerischen Spielaufbau direkt an der Wurzel zu kappen.

Diese adaptive Struktur stellt die klassische Analyse vor eine Herausforderung. Wer ist für welchen Raum zuständig? In Leipzig lautet die Antwort: Jeder für den Raum, der gerade am kritischsten ist. Diese fluide Rollenverteilung macht das Team für den Gegner unberechenbar. Analysten müssen daher beginnen, Spielerprofile nicht mehr nach festen Positionen, sondern nach Funktionsclustern zu bewerten. Ein Spieler ist nicht mehr „linker Verteidiger“, sondern „Raumsicherer in der Transitionsphase“.
Datengestützte Trigger als Schlüssel zum Erfolg:
Hinter der scheinbaren Hektik auf dem Platz steckt eine präzise mathematische Logik. RB Leipzig nutzt modernste Tracking-Technologien und Real-Time-GPS-Daten, um die idealen Pressing-Trigger zu identifizieren. Ein Trigger ist ein spezifisches Ereignis – etwa ein unsauberer Pass, eine offene Körperstellung des Gegners oder das Anspielen eines bestimmten Spielertyps –, das das kollektive Vorrücken auslöst.
Wir können diesen Prozess in drei wesentliche Phasen unterteilen:
| Phase | Aktion | Zielsetzung |
|---|---|---|
| Identifikation | Datengestützte Erkennung von Schwachstellen beim Gegner | Auswahl des optimalen Pressing-Zeitpunkts |
| Kompression | Kollektives Einrücken in den aktiven Spielraum | Minimierung der Anspielstationen für den Ballführenden |
| Execution | Aggressiver Zugriff durch den am nächsten postierten Spieler | Erzwingen eines Fehlers oder direkter Ballgewinn |
Diese methodische Herangehensweise bedeutet, dass wir Fußball nicht mehr als eine Abfolge von Zufällen betrachten dürfen. Jeder Sprint bei RB Leipzig hat eine datenbasierte Begründung. Für die Analyse bedeutet das: Wir müssen die Trigger verstehen, um das Spiel lesen zu können. Wenn ein Fan sieht, dass Leipzig plötzlich kollektiv attackiert, sieht der Analyst den zuvor identifizierten statistischen Trigger, der diesen Mechanismus in Gang gesetzt hat.
Die Verschmelzung von Ballbesitz und Gegenpressing:
Ein weiterer entscheidender Punkt, der die moderne Analyse verändert, ist die untrennbare Verzahnung von eigenem Ballbesitz und dem Verhalten bei Ballverlust. Bei Leipzig wird der Angriff bereits so strukturiert, dass die Spieler beim Moment des Ballverlustes ideal stehen, um sofort ins Gegenpressing zu gehen. Man spricht hier von der „Restverteidigung“, doch in Leipzig ist dies eher eine „offensive Absicherung“.

Das bedeutet, dass wir eine Mannschaft nicht mehr isoliert in der Offensive und Defensive bewerten können. Das eine bedingt das andere. Eine hohe Ballbesitzquote ohne die richtige Positionierung für das Gegenpressing ist im modernen Fußball ein enormes Risiko. Leipzig minimiert dieses Risiko durch eine extrem enge Staffelung im letzten Drittel. Dies führt dazu, dass sie nach Ballverlusten oft innerhalb von drei bis fünf Sekunden den Ball zurückerobern. Diese Kennzahl – die Zeit bis zur Rückeroberung – wird in der modernen sportwetten Analyse immer gewichtiger als die reine Ballbesitzzeit.
Neue Metriken für eine neue Ära der Analyse:
Um das System von RB Leipzig wirklich zu verstehen, müssen wir uns von alten Statistiken verabschieden. Die Anzahl der Fouls oder die Laufdistanz allein sagen wenig aus. Stattdessen rücken fortgeschrittene Metriken in den Fokus:
PPDA (Passes Per Defensive Action): Diese Metrik gibt an, wie viele Pässe der Gegner spielen darf, bevor eine Verteidigungsaktion erfolgt. Ein niedriger Wert deutet auf ein sehr intensives Pressing hin. Leipzig rangiert hier konstant in der Spitzengruppe, was ihre aggressive Grundausrichtung untermauert.
xG Against per Sequence: Hierbei wird analysiert, wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Gegentores ist, nachdem der Gegner eine bestimmte Ballbesitzphase gestartet hat. Leipzigs System zielt darauf ab, diese Sequenzen so kurz wie möglich zu halten und den xG-Wert pro gegnerischem Angriff drastisch zu senken.
Field Tilt: Diese Metrik misst den Anteil der Ballkontakte im Angriffsdrittel im Vergleich zum Gegner. Durch das effektive Pressing hält Leipzig das Geschehen weit vom eigenen Tor fern, was sich in einem hohen Field Tilt widerspiegelt, selbst wenn die absolute Ballbesitzquote gar nicht so dominant erscheint.
Warum dies Ihre Sicht auf den Fußball verändern wird:
Wenn Sie das nächste Mal ein Spiel von RB Leipzig verfolgen, achten Sie nicht auf den Ball. Achten Sie auf die Spieler, die weit weg vom Geschehen stehen. Beobachten Sie, wie sich die Kette verschiebt, sobald ein gegnerischer Innenverteidiger den Kopf senkt. Das ist die wahre Kunst des modernen Fußballs. Die Analyse wird dadurch komplexer, aber auch weitaus spannender. Wir lernen zu verstehen, dass Fußball ein Spiel der Räume ist, die durch kluges Pressing manipuliert werden.

Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die Bewertung von Spielerleistungen. Ein Stürmer, der kein Tor schießt, aber durch sein intelligentes Anlaufverhalten fünf Ballgewinne im Mittelfeld ermöglicht, ist für das System Leipzig wertvoller als ein Knipser, der sich nicht am Pressing beteiligt. In der Welt der sportwetten und der professionellen Spielanalyse führt diese Erkenntnis zu einer weitaus präziseren Einschätzung von Teamstärken und Spielausgängen.
Zusammenfassung der analytischen Takeaways:
Das neue Pressing-System von RB Leipzig ist ein Vorbote für die Zukunft der Bundesliga und des internationalen Fußballs. Die Integration von Echtzeitdaten in taktische Abläufe schafft ein Spielniveau, das mit herkömmlichen Augen kaum noch zu erfassen ist. Wir müssen lernen, Fußball als ein integriertes System zu sehen, in dem jede Bewegung eine mathematische Komponente hat.
Wer die Mechanismen hinter den Pressing-Triggern und der fluiden Raumaufteilung versteht, wird nicht nur die Spiele von RB Leipzig besser interpretieren können, sondern ein tieferes Verständnis für die taktische Evolution des gesamten Sports gewinnen. Die Ära der statischen Formationen ist endgültig vorbei – willkommen in der Ära der dynamischen Raumkontrolle.
