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Taktik-Revolution in der Bundesliga – Warum plötzlich alle auf Dreierkette setzen und welche Teams damit scheitern

6 Min. Lesezeit

Die vermeintliche Revolution entpuppt sich als Trugschluss

Wer in den vergangenen Wochen die taktischen Diskussionen rund um die Bundesliga verfolgt hat, könnte meinen, dass eine flächendeckende Umstellung auf die Dreierkette stattfindet. Die Realität sieht anders aus. Was medial als Revolution verkauft wird, erweist sich bei genauerer Analyse als selektiver Trend einzelner Trainer, während sich parallel ein interessanter Gegentrend abzeichnet. Tatsächlich kehren mehrere Top-Teams zur klassischen Viererkette zurück – mit guten Gründen.

Die vermeintliche Dominanz der Dreierkette basiert primär auf prominenten Einzelfällen. Doch gerade diese Beispiele zeigen, dass die Formation keineswegs der taktische Heilsbringer ist, als der sie teilweise dargestellt wird. Wir haben uns die aktuelle Lage genau angeschaut und analysiert, welche Teams mit der Dreierkette experimentieren, wo die Formation scheitert und warum die Viererkette ihre Renaissance erlebt.

Taktikboard mit Dreierkette-Formation in der Bundesliga-Analyse

Borussia Dortmund und Kovac als prominentes Beispiel

Niko Kovac hat bei Borussia Dortmund tatsächlich die Dreierkette als Grundformation etabliert. Seine taktische Philosophie unterscheidet sich fundamental von seinem Vorgänger: Statt Ballbesitzfußball setzt Kovac auf hohe Physikalität und schnelles Umschalten. Die Dreierkette dient dabei als Basis für aggressive Vertikalstöße und direkte Konter.

Die Formation beim BVB sieht typischerweise so aus: Drei zentrale Innenverteidiger bilden die Abwehrkette, während zwei Wingbacks die Außenbahnen besetzen. Im Mittelfeld agieren meist zwei Sechser als Absicherung, darüber zwei offensive Achter oder Zehner, die Räume zwischen den Linien besetzen sollen. Die Sturmspitze bleibt häufig isoliert, was schnelle Umschaltmomente ermöglicht.

Kovacs Ansatz hatte initial Erfolg. Die mannschaftliche Kompaktheit verbesserte sich, die Gegentorquote sank in den ersten Wochen. Doch bereits nach wenigen Spieltagen zeigten sich die strukturellen Probleme dieser Ausrichtung. Gegen pressingstarke Mannschaften geriet der BVB regelmäßig unter Druck, weil das Mittelfeld numerisch unterlegen war. Die Wingbacks mussten enorme Laufwege absolvieren und konnten weder defensiv noch offensiv die notwendige Durchschlagskraft entwickeln.

Die strukturellen Schwächen der Dreierkette werden unterschätzt

Die taktischen Probleme der Dreierkette sind nicht neu, werden aber häufig ignoriert oder unterschätzt. Das zentrale Problem liegt in der numerischen Unterlegenheit im Mittelfeld. Während eine Viererkette mit zwei Sechsern und zwei Achtorn ein Mittelfeld-Quadrat bildet, fehlt bei der Dreierkette ein Spieler in dieser Zone. Dieser wird für die dritte Position in der Abwehr benötigt.

Unterzahlsituationen im Zentrum: Gegen Teams, die mit drei zentralen Mittelfeldspielern agieren, entsteht automatisch eine 2-gegen-3-Situation. Das bedeutet permanenten Druck auf die beiden Sechser, die kaum Zeit am Ball haben und ständig überspielt werden können. Die Absicherung funktioniert nur dann, wenn mindestens ein offensiver Spieler permanent zurückfällt – was die Offensivkraft erheblich schwächt.

Die Wingback-Problematik: Die Dreierkette steht und fällt mit der Qualität der Wingbacks. Diese Spieler müssen außergewöhnliche Fähigkeiten vereinen: Sprint-Schnelligkeit für 60-70 Meter Laufwege in beide Richtungen, technische Sauberkeit für präzise Flanken unter Druck, taktische Disziplin für das richtige Timing beim Aufrücken und defensive Robustheit gegen schnelle Flügelspieler. In der Bundesliga gibt es schlichtweg nicht genug Spieler, die all diese Anforderungen erfüllen.

Drei Innenverteidiger in Dreierkette-Aufstellung bei Bundesliga-Spiel

Aufbauprobleme bei Ballbesitz: Drei zentrale Innenverteidiger stehen sich bei eigenem Ballbesitz häufig gegenseitig im Weg. Ohne klaren Aufbauplan entstehen redundante Passwege, die Breite fehlt und die Angriffsbemühungen bleiben vorhersehbar. Eine Viererkette schafft durch die breitere Staffelung automatisch mehr Optionen und klarere Passwege in die Tiefe.

Welche Teams mit der Dreierkette scheitern

Die Analyse der aktuellen Saison zeigt deutlich, welche Teams mit der Dreierkette Probleme haben. Wir haben die wichtigsten Schwachstellen zusammengetragen:

Team Hauptproblem Auswirkung Tendenz
Borussia Dortmund Numerische Unterlegenheit im Mittelfeld Kontrollverlust gegen pressing-starke Teams Diskussion um Rückkehr zur Viererkette
VfB Stuttgart (phasenweise) Mangelnde Wingback-Qualität Defensive Instabilität über die Flügel Wechsel zwischen Systemen
1. FC Köln (Testphase) Fehlende technische Qualität im Aufbau Ballverluste in gefährlichen Zonen Rückkehr zur Viererkette
SC Freiburg (gelegentlich) Zu wenig offensive Durchschlagskraft Probleme bei der Chancenkreierung Situativ, kein Standard-System

Das zentrale Problem zeigt sich über alle Teams hinweg: Die Bundesliga verfügt nicht über ausreichend Spielertypen, die als Wingbacks funktionieren. Zu viele Außenverteidiger sind primär defensiv geschult, zu viele Flügelspieler defensiv zu anfällig. Die wenigen echten Hybrid-Spieler sind entsprechend begehrt und teuer.

Hinzu kommt die taktische Lernkurve der Gegner. Teams haben gelernt, gegen die Dreierkette mit hohem Pressing zu agieren und die numerische Überlegenheit im Mittelfeld auszunutzen. Die anfängliche Überraschungswirkung ist verpufft, die strukturellen Schwächen werden systematisch ausgenutzt.

Der Gegentrend erklärt die Rückkehr zur Viererkette

Während einzelne Teams mit der Dreierkette experimentieren, vollziehen mehrere Top-Mannschaften den umgekehrten Weg. Die Viererkette erlebt ihre Renaissance – und das aus nachvollziehbaren Gründen.

Strukturelle Vorteile: Eine Viererkette bietet automatisch mehr Breite in der Defensive, ohne dass diese Breite durch permanente Laufwege der Wingbacks erkauft werden muss. Die beiden Außenverteidiger können situativ aufrücken, haben aber drei zentrale Spieler hinter sich als Absicherung – die beiden Innenverteidiger und mindestens einen Sechser.

Mittelfeld-Dominanz: Mit einem Spieler mehr in der Mittelfeld-Zone können Teams besser pressen, besser den Ball zirkulieren und besser auf unterschiedliche gegnerische Formationen reagieren. Die Flexibilität steigt erheblich. Gegen ein 4-3-3 kann man mit einem 4-3-3 auf Augenhöhe agieren, gegen ein 4-2-3-1 mit eigenem 4-2-3-1 kontern.

Vergleich Dreierkette versus Viererkette auf dem Fußballfeld

Klarere Rollen: In der Viererkette sind die Positionen und Aufgaben eindeutiger definiert. Außenverteidiger wissen, wann sie aufrücken können und wann nicht. Innenverteidiger haben klarere Zuständigkeiten für zentrale Angreifer. Im Mittelfeld entstehen keine Verwirrungen darüber, wer welche Zone absichert.

Die Daten sprechen eine deutliche Sprache: Teams mit stabiler Viererkette kassieren im Schnitt weniger Gegentore und haben eine höhere Ballbesitzquote als Teams mit Dreierkette. Die Ausnahmen bestätigen die Regel – und diese Ausnahmen verfügen meist über außergewöhnliche Individual-Qualität auf den Wingback-Positionen.

Taktische Flexibilität als Schlüssel zum Erfolg

Die erfolgreichsten Bundesliga-Teams der aktuellen Saison zeichnet nicht die strikte Treue zu einem System aus, sondern die Fähigkeit zur Anpassung. Bayer Leverkusen beispielsweise wechselt situativ zwischen Vierer- und Dreierkette, abhängig von Gegner und Spielverlauf. Diese Flexibilität erfordert allerdings einen Kader mit entsprechender Tiefe und Vielseitigkeit.

Für die meisten Teams gilt: Die Viererkette bietet die stabilere Basis. Sie verzeiht individuelle Fehler eher, kompensiert technische Defizite besser und ermöglicht klarere taktische Strukturen. Die Dreierkette bleibt ein interessantes taktisches Mittel für spezifische Situationen – als Standard-Formation taugt sie für die wenigsten Bundesliga-Mannschaften.

Warum die vermeintliche Revolution ausbleibt: Die Dreierkette erfordert Spielertypen, die in der Bundesliga rar sind. Sie schafft strukturelle Probleme im Mittelfeld, die nur mit außergewöhnlicher Individual-Qualität kompensiert werden können. Und sie bietet letztlich keine Vorteile, die die Nachteile aufwiegen würden – zumindest nicht für die Mehrheit der Teams.

Die taktische Entwicklung zeigt eher in Richtung hybrider Systeme, die zwischen den Formationen wechseln können. Teams, die sich dogmatisch auf die Dreierkette festlegen, werden mittelfristig Probleme bekommen. Die erfolgreichsten Mannschaften nutzen die Viererkette als Basis und ergänzen sie um situative Dreierketten-Phasen – nicht umgekehrt.

Was die Analyse für die zweite Saisonhälfte bedeutet

Für die kommenden Monate erwarten wir eine weitere Konsolidierung. Teams, die aktuell noch mit der Dreierkette experimentieren, werden vermutlich zur Viererkette zurückkehren oder zumindest häufiger wechseln. Die taktische Mode schlägt bereits um, die Daten sprechen eine zu deutliche Sprache.

Entscheidend wird sein, wie schnell Trainer bereit sind, ihre taktischen Überzeugungen zu hinterfragen und anzupassen. Niko Kovac beim BVB steht exemplarisch vor dieser Herausforderung: Hält er an seiner Dreierkette fest, obwohl die Ergebnisse schwanken? Oder zeigt er die Flexibilität, die moderne Top-Trainer auszeichnet?

Die vermeintliche Taktik-Revolution entpuppt sich als lokales Phänomen ohne Durchschlagskraft. Die Viererkette bleibt das dominante System in der Bundesliga – weil sie funktioniert, weil sie Fehler verzeiht und weil die Spielertypen dafür verfügbar sind. Manchmal ist die Evolution wichtiger als die Revolution.