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RB Leipzigs Pressing-System entschlüsselt und warum europäische Top-Klubs diese Taktik kopieren

6 Min. Lesezeit

RB Leipzig hat in den vergangenen Jahren eine Fußballidentität entwickelt, die weit über Deutschland hinaus Beachtung findet. Das Pressing-System der Sachsen gilt mittlerweile als eines der effizientesten in Europa – und wird zunehmend zum Blaupausen-Modell für andere Top-Klubs. Doch was macht dieses System so besonders? Wir analysieren die taktischen Kernelemente und zeigen auf, warum sich immer mehr europäische Spitzenteams an Leipzigs Spielweise orientieren.

Die DNA des Leipziger Pressing-Modells

Das Fundament von Leipzigs Spielphilosophie basiert auf einem Prinzip, das bereits unter Ralf Rangnick etabliert und durch Nachfolger wie Julian Nagelsmann und Jesse Marsch verfeinert wurde. Im Kern geht es um hochintensives Gegenpressing unmittelbar nach Ballverlusten. Statt sich zurückzuziehen und neu zu formieren, attackieren die Leipziger Spieler sofort den ballführenden Gegner.

Diese Herangehensweise erfordert extreme Laufbereitschaft und kollektive Disziplin. Sobald der Ball verloren geht, beginnt für Leipzig das Spiel erst richtig. Die ersten sechs Sekunden nach dem Ballverlust gelten als kritisches Zeitfenster – in dieser Phase ist der Gegner am anfälligsten, weil noch keine defensive Ordnung hergestellt wurde.

RB Leipzig Spieler beim intensiven Gegenpressing im gegnerischen Spielfeldhälfte

Die beiden Stürmer übernehmen dabei eine Doppelrolle. Beim Pressing setzen sie die gegnerische Abwehrkette unter direkten Druck und kanalisieren die Spielrichtung. Sie zwingen den ballführenden Verteidiger zu einer Entscheidung unter Zeitdruck – entweder einen riskanten Pass oder einen langen Schlag nach vorne. Gleichzeitig fungieren sie nach Ballgewinnen als erste Anspielstationen für schnelle Umschaltmomente.

Die Außenspieler steigen sofort in die Pressingbewegung ein und verhindern Ausweichoptionen über die Flügel. Diese koordinierte Raumverengung macht es dem Gegner extrem schwer, sich kontrolliert aus der Druckzone herauszuspielen.

Warum die 3-5-2-Formation das System perfektioniert

Der taktische Wechsel von einem 4-3-3- zu einem 3-5-2-System hat Leipzigs Pressing-Effektivität nochmals gesteigert. Diese Formation bietet mehrere entscheidende Vorteile für ein hochintensives Spiel.

Mit drei Innenverteidigern lässt sich die letzte Linie breiter staffeln, was mehr Raum für die beiden äußeren Verteidiger schafft, aggressiv nach vorne zu verschieben. Die Dreierkette ermöglicht es, bei Ballbesitz flexibel in verschiedene Formationen zu wechseln – etwa in ein 5-3-2 bei defensivem Verhalten des Gegners oder in ein asymmetrisches 3-4-3, wenn über eine Seite attackiert wird.

Das Zentrum wird durch drei Mittelfeldspieler verdichtet, was für ein Gegenpressing-System essentiell ist. Ballgewinne erfolgen häufig im zentralen Mittelfeld, und mit drei Spielern in dieser Zone kann Leipzig gewonnene Bälle sofort sichern und weiterspielen. Die numerische Überlegenheit im Zentrum erschwert es dem Gegner zudem, durch die Mitte zu kombinieren.

Die beiden Flügelspielstützen übernehmen sowohl offensive als auch defensive Aufgaben. Sie können weit aufrücken, um Pressing auszuüben, und decken gleichzeitig große Räume auf den Außenbahnen ab. Diese enorme Laufarbeit setzt athletisch herausragende Spieler voraus – ein Profil, das Leipzigs Kaderplanung konsequent verfolgt.

Messbarer Erfolg in Zahlen und Vergleichen

Die Effektivität von Leipzigs Pressing lässt sich statistisch eindeutig belegen. Mit durchschnittlich 11,5 hohen Ballgewinnen pro Spiel führt RB Leipzig die Statistik der fünf großen europäischen Ligen an. Zum Vergleich: Selbst der FC Liverpool, der für sein intensives Gegenpressing bekannt ist, kommt auf 11,1 hohe Ballgewinne.

Verein Liga Hohe Ballgewinne pro Spiel Formation
RB Leipzig Bundesliga 11,5 3-5-2 / 4-2-2-2
FC Liverpool Premier League 11,1 4-3-3
1. FC Köln Bundesliga 10,9 4-2-3-1
Bayern München Bundesliga 10,6 4-2-3-1
Burnley FC Premier League 9,6 4-4-2

Diese Zahlen verdeutlichen, dass Leipzigs System nicht nur theoretisch überzeugend ist, sondern messbare Ergebnisse liefert. Hohe Ballgewinne führen zu Torchancen in gefährlichen Zonen – genau dort, wo Gegner am verwundbarsten sind.

Fußball-Analyse Dashboard mit Pressing-Zonen und 3-5-2 Formation von RB Leipzig

Besonders bemerkenswert: Leipzig gehört auch bei der Anzahl der Ballkontakte im gegnerischen Strafraum zur europäischen Spitze. Das zeigt, dass das aggressive Pressing nicht nur Ballgewinne generiert, sondern diese auch in konkrete Chancen umgesetzt werden.

Welche europäischen Top-Klubs das Modell adaptieren

Die taktische Strahlkraft von Leipzigs System zeigt sich daran, dass mehrere europäische Spitzenklubs Elemente daraus übernehmen. Der FC Liverpool unter Jürgen Klopp verfolgt seit Jahren eine ähnliche Philosophie, allerdings mit anderen formativen Akzenten. Die Reds setzen auf ein 4-3-3 mit extrem hoher Anlaufintensität, kombiniert mit schnellen Umschaltsituationen.

Auch Manchester City hat unter Pep Guardiola Pressing-Elemente integriert, die Leipzigs Ansatz ähneln – wenngleich mit mehr Ballbesitzkontrolle kombiniert. Die Citizens pressen ebenfalls sofort nach Ballverlusten, nutzen aber ihre technische Überlegenheit, um durch kurze Kombinationen aus dem Gegenpressing heraus Tormöglichkeiten zu kreieren.

In der Serie A experimentiert Atalanta Bergamo seit Jahren erfolgreich mit intensivem Pressing, gekoppelt an eine offensive 3-4-3-Formation. Die Italiener erreichen ähnlich hohe Werte bei Ballgewinnen in der gegnerischen Hälfte und setzen auf schnelle Vertikalität nach Eroberungen.

Selbst traditionell eher ballbesitzorientierte Teams wie der FC Barcelona haben unter Xavi Hernández wieder verstärkt auf Gegenpressing gesetzt. Die Katalanen kombinieren ihr klassisches Positionsspiel mit sofortiger Balleroberung nach Verlusten – ein Konzept, das deutliche Parallelen zu Leipzig aufweist.

Die Schwächen des Systems und wie Gegner reagieren

So erfolgreich Leipzigs Pressing auch ist – es hat kalkulierbare Schwachstellen. Teams, die technisch versiert sind und schnell umschalten können, haben Möglichkeiten, das System zu durchbrechen. Wenn es dem Gegner gelingt, die erste Pressinglinie zu überspielen, entstehen große Räume hinter der hochstehenden Leipziger Defensive.

Bayern München hat in direkten Duellen mehrfach demonstriert, wie man gegen Leipzigs Pressing bestehen kann. Die Münchner nutzen ihre technische Überlegenheit, um durch schnelle Kombinationen aus der Druckzone zu entkommen. Sobald Joshua Kimmich und Leon Goretzka Zeit am Ball haben, können sie präzise Diagonalbälle auf die schnellen Außenstürmer spielen, die hinter Leipzigs hochgeschobene Flügelverteidiger laufen.

Taktiktafel mit Formationen europäischer Top-Klubs Liverpool, Manchester City und Barcelona

Auch lange Bälle auf einen physisch starken Zielspieler können das Pressing umgehen. Teams, die bewusst auf direkte Spielweise setzen, nehmen Leipzig die Möglichkeit, in der gegnerischen Hälfte zu pressen. Stattdessen verlagern sie den Kampf um den zweiten Ball in Leipzigs Hälfte.

Ein weiterer Faktor: Die enorme physische Belastung. Ein Pressing-System dieser Intensität lässt sich über 90 Minuten nur schwer aufrechterhalten. In der Schlussphase enger Spiele lässt die Intensität häufig nach, was Gegnern Räume für Konterangriffe eröffnet.

Transferpolitik als Voraussetzung für Hochintensitäts-Fußball

Leipzigs System funktioniert nur mit einem spezifischen Spielerprofil. Der Klub investiert gezielt in junge, athletisch herausragende Akteure, die bereit sind, extreme Laufwege zu absolvieren. Namen wie Dani Olmo, Christopher Nkunku, Amadou Haidara oder Konrad Laimer stehen für diesen Typ Spieler – technisch versiert, aber auch in der Lage, über 90 Minuten höchste Laufbereitschaft zu zeigen.

Die Kaderzusammenstellung folgt einem klaren Konzept. Leipzig verzichtet bewusst auf teure Etablierte und setzt auf Entwicklungspotenzial. Diese Strategie ermöglicht es, mehrere Spieler mit den erforderlichen athletischen Voraussetzungen zu verpflichten, ohne das Budget zu sprengen.

Interessant dabei: Viele dieser Spieler verlassen Leipzig nach einigen Jahren Richtung absolute Weltspitze – und nehmen die erlernten taktischen Prinzipien mit. Timo Werner, Naby Keïta oder Dayot Upamecano haben nach ihrem Wechsel bei ihren neuen Klubs ähnliche Pressing-Ansätze vorgefunden. Dieser Spieler-Export trägt zur Verbreitung von Leipzigs taktischer DNA in Europa bei.

Die Scouts des Klubs identifizieren gezielt Talente aus kleineren Ligen, die das athletische Profil mitbringen. Dabei geht es nicht nur um reine Sprintgeschwindigkeit, sondern um die Fähigkeit, hohe Intensitäten über lange Zeiträume zu reproduzieren. Diese spezifische Scouting-Philosophie ist mittlerweile selbst zum Vorbild für andere Klubs geworden.

RB Leipzigs Pressing-System hat den modernen europäischen Fußball nachhaltig beeinflusst. Die Kombination aus sofortigem Gegenpressing, intelligentem Formationswechsel und athletischer Spielerauswahl schafft ein Modell, das messbar erfolgreich ist und von anderen Top-Klubs adaptiert wird. Wer heute in Europa Spitzenfußball spielen will, kommt an einer durchdachten Pressing-Strategie kaum vorbei – und Leipzig liefert dafür weiterhin die überzeugendste Blaupause.