Sportwetten Analysen & Tipps – Datenbasierte Expertenanalysen | Sportwetten FUN

Unabhängige Sportwetten Analysen, Tipps & News – datenbasiert und transparent

Pressing-Systeme im Vergleich Welche Bundesliga-Teams dominieren die Balleroberung wirklich

6 Min. Lesezeit

Die Bundesliga hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der pressingintensivsten Ligen Europas entwickelt. Während früher nur wenige Topteams den Gegner konsequent unter Druck setzten, gehört aggressives Pressing heute zur DNA fast jeder Mannschaft. Doch welche Teams beherrschen die Kunst der Balleroberung wirklich? Wir analysieren die verschiedenen Systeme und zeigen, wer im direkten Vergleich die Nase vorn hat.

Die Evolution vom Zonen- zum Mannorientierten Pressing

Der fundamentale Wandel im modernen Fußball zeigt sich nirgendwo deutlicher als in der Entwicklung der Pressing-Systeme. Noch vor wenigen Jahren dominierten zonenorientierte Ansätze, bei denen Teams versuchten, bestimmte Räume zu kontrollieren und den Gegner in ungünstige Bereiche zu lenken. Diese Philosophie hat sich radikal verändert.

Heutige Pressing-Systeme funktionieren nach einem anderen Prinzip. Statt Räume zu verteidigen, nehmen moderne Mannschaften systematisch Spieler aus dem Spiel. Der Fokus liegt darauf, dem Gegner jeden freien Mann im Aufbau zu nehmen. Diese Entwicklung verlangt eine völlig andere Mentalität und Organisation von den ausführenden Spielern.

Die Konsequenz dieser Veränderung ist dramatisch. Während früher ein gut positionierter Sechser ausreichte, um Räume zu sichern, müssen heute alle Feldspieler permanent in Bewegung bleiben und ihre Gegenspieler aktiv stellen. Das erfordert nicht nur herausragende Fitness, sondern auch taktische Disziplin auf höchstem Niveau.

Taktisches Pressing-Training mit Bundesliga-Spielern in Formation

Die Mechanik moderner Pressing-Strukturen

Das standardisierte Muster moderner Pressing-Systeme folgt einer klaren Logik. Der Stürmer attackiert den ballführenden Innenverteidiger und zwingt ihn zu einer Entscheidung unter Druck. Gleichzeitig schiebt der offensive Mittelfeldspieler auf den zweiten Innenverteidiger, sodass beide zentralen Verteidiger direkt angelaufen werden.

Die Flügelspieler übernehmen die Außenverteidiger und verhindern damit die klassische Ausweichlösung über die Außenbahn. Die defensiven Mittelfeldspieler nehmen gegnerische Sechser in Manndeckung, während die eigenen Innenverteidiger bereit sind, aggressiv herauszurücken. Genau dieser letzte Punkt markiert den entscheidenden Unterschied zu früheren Systemen.

Was früher als taktischer Fehler galt – ein Innenverteidiger verlässt seine Position und rückt weit heraus – ist heute integraler Bestandteil der Spielidee. Dieses aggressive Herausrücken schließt Räume sofort und erhöht den Druck auf den ballführenden Gegenspieler massiv. Die Risiken sind kalkuliert, denn hinter dem herausrückenden Verteidiger sichern Mitspieler ab.

Bundesliga-Teams im direkten Vergleich

Die aktuellen Daten zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Bundesliga-Mannschaften. Wir haben die relevanten Metriken analysiert und die dominierenden Teams identifiziert.

Team Balleroberungen/Spiel PPDA* Pressingerfolgsquote Pressing-Zone
Bayern München 63,2 8,4 34,7% Hoch
RB Leipzig 61,8 8,9 33,1% Hoch
Bayer Leverkusen 58,4 9,7 31,8% Mittel-Hoch
Borussia Dortmund 56,9 10,2 30,4% Mittel
Eintracht Frankfurt 59,1 9,4 32,6% Hoch

*PPDA = Passes Per Defensive Action (je niedriger, desto intensiver das Pressing)

Bayern München unter Vincent Kompany führt die Tabelle an. Das System der Münchner basiert auf extrem hoher Intensität und der Bereitschaft, jeden Ballverlust sofort zu kontern. Besonders auffällig ist der niedrige PPDA-Wert, der zeigt, wie wenige Pässe der Gegner spielen darf, bevor Bayern eine defensive Aktion startet.

RB Leipzig folgt dicht dahinter und bleibt seiner Pressingphilosophie treu, die seit Jahren zur DNA des Clubs gehört. Die Sachsen kombinieren athletische Spieler mit einem klar definierten System, das jedem Akteur exakte Aufgaben zuweist.

Intensive Pressing-Situation im Bundesliga-Spiel mit Balleroberung

Bayern München – Kompanys Pressing-Revolution

Die Transformation unter Vincent Kompany hat Bayern München zu einer Pressing-Maschine gemacht. Der belgische Trainer implementierte ein System, das an Intensität kaum zu überbieten ist. Dabei spielt Konrad Laimer eine Schlüsselrolle, die oft unterschätzt wird.

Laimer gewinnt nahezu sieben Bälle pro 90 Minuten – ein außergewöhnlicher Wert selbst im Bundesliga-Vergleich. Seine Fähigkeit, Passwege zu antizipieren und im richtigen Moment zuzupacken, macht ihn zum perfekten Spieler für Kompanys System. Der Österreicher verkörpert die neue Bayern-DNA: aggressiv, unnachgiebig, immer auf der Jagd.

Das Besondere am Bayern-Pressing ist die Synchronität. Alle zehn Feldspieler agieren wie ein Organismus. Wenn der Stürmer anlauft, wissen alle anderen exakt, welche Position sie einnehmen müssen. Diese Automatismen entstehen durch intensive Trainingsarbeit und werden in jedem Spiel sichtbar.

Die Vorteile dieses Ansatzes zeigen sich in den Zahlen. Bayern erzwingt technische Fehler in gefährlichen Zonen und verwandelt Ballgewinne direkt in Torchancen. Das Tempo des Spiels liegt komplett in Münchner Hand – der Gegner kommt kaum zum Atmen.

RB Leipzig und die Pressing-Konstanz

Leipzig hat Pressing zur Vereinsphilosophie erhoben. Seit der Red-Bull-Übernahme ist das aggressive Anlaufen genetischer Code des Clubs. Die aktuelle Mannschaft setzt diese Tradition mit beeindruckender Konsequenz fort.

Der Unterschied zu Bayern liegt in der Ausführung. Während München oft mannorientiert presst, kombiniert Leipzig situativ verschiedene Ansätze. In bestimmten Spielphasen schaltet das Team auf Zonenpressing um, um Kräfte zu sparen und trotzdem Kontrolle zu behalten.

Diese Flexibilität macht Leipzig schwer ausrechenbar. Gegner wissen nie genau, ob sie mit aggressivem Hochpressing oder einer kompakteren Mittelfeldpresse konfrontiert werden. Die Entscheidung trifft die Mannschaft situativ – abhängig von Spielstand, Gegner und Spielphase.

Leverkusen – Intelligentes Pressing statt maximaler Intensität

Bayer Leverkusen unter Xabi Alonso wählt einen anderen Weg. Statt maximaler Intensität über 90 Minuten setzt die Werkself auf intelligentes, situatives Pressing. Die Mannschaft liest das Spiel und wählt die Momente, in denen sich Pressing lohnt.

Diese Herangehensweise spiegelt sich in den Metriken wider. Der PPDA-Wert liegt höher als bei Bayern oder Leipzig, dennoch erzielt Leverkusen eine respektable Pressingerfolgsquote. Der Schlüssel liegt in der Qualität der Pressing-Aktionen, nicht in der Quantität.

Alonso trainiert seine Spieler darauf, Trigger zu erkennen. Ein schlechter erster Kontakt, eine ungenaue Ballabnahme oder eine vorhersehbare Passrichtung – in solchen Momenten schaltet Leverkusen auf maximales Pressing um. Diese Effizienz spart Energie und hält die Mannschaft über die gesamte Saison frisch.

Vergleich zwischen zonalem und mannorientiertem Pressing-System

Die Herausforderungen moderner Pressing-Systeme

So effektiv moderne Pressing-Systeme sind, so anspruchsvoll sind sie auch. Die größte Herausforderung liegt in der permanenten Synchronisation. Ein Spieler, der zu früh oder zu spät presst, öffnet Räume für den Gegner. Diese Fehler werden auf höchstem Niveau gnadenlos bestraft.

Die physischen Anforderungen sind enorm. Spieler müssen 90 Minuten auf höchstem Intensitätslevel agieren. Das erklärt, warum Rotation in pressing-intensiven Teams so wichtig ist. Kein Spieler kann diese Belastung jede Woche über eine gesamte Saison ertragen.

Taktisch verlangt Pressing absolute Disziplin. Emotionale Aktionen – ein Spieler läuft aus Frust zu früh – zerstören die gesamte Struktur. Trainer investieren unzählige Stunden, um diese Disziplin zu vermitteln und aufrechtzuerhalten.

Metriken zur Bewertung von Pressing-Systemen

Um Pressing objektiv zu bewerten, haben sich verschiedene Metriken etabliert. PPDA misst, wie viele Pässe der Gegner spielen darf, bevor eine defensive Aktion erfolgt. Je niedriger der Wert, desto aggressiver das Pressing.

Die Pressingerfolgsquote zeigt, wie viele Pressing-Aktionen tatsächlich zu Ballgewinnen führen. Ein hoher Wert deutet auf effizientes Pressing hin, ein niedriger auf verschwendete Energie. Die Pressing-Zone definiert, in welchem Spielfelddrittel hauptsächlich gepresst wird.

Balleroberungen pro Spiel geben Aufschluss über die Gesamtaktivität, während Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte die Gefährlichkeit des Pressings anzeigen. Moderne Analyse-Tools erfassen außerdem, wie schnell nach Ballverlust die erste Pressing-Aktion erfolgt – das sogenannte Gegenpressing.

Diese Metriken zusammen ergeben ein vollständiges Bild der Pressing-Qualität. Kein einzelner Wert erzählt die ganze Geschichte, aber in Kombination zeigen sie, welche Teams die Balleroberung wirklich dominieren.

Zukunft des Pressings in der Bundesliga

Die Entwicklung geht weiter. Teams experimentieren mit hybriden Systemen, die verschiedene Pressing-Ansätze kombinieren. Künstliche Intelligenz unterstützt die Analyse und hilft, optimale Pressing-Trigger zu identifizieren. Die nächste Generation von Trainern wird diese Tools nutzen, um noch effizientere Systeme zu entwickeln.

Gleichzeitig arbeiten Mannschaften an Lösungen gegen das Pressing. Verbesserte Technik, mutigere Torhüter als Libero und intelligentere Raumnutzung sind Antworten auf den steigenden Druck. Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Pressing und Pressingresistenz wird den Fußball weiter prägen.

Die Bundesliga bleibt dabei Vorreiter. Die Kombination aus athletischen Spielern, innovativen Trainern und einer Kultur, die intensiven Fußball schätzt, schafft ideale Bedingungen. Was wir heute sehen, ist erst der Anfang einer Entwicklung, die den Fußball fundamental verändert hat und weiter verändern wird.