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Langfristige Erwartungswerte

Im Modell enden nur 4,7 Prozent der Serien über 1000 Wetten bei Quote 1,90 im Plus

Gleichen sich Gewinne und Verluste aus, wenn du nur lange genug weitermachst? In diesem fiktiven Modell endet eine Serie von 1.000 Wetten deutlich seltener im Plus als eine Serie von 10 Wetten. Dazwischen kann die Chance vorübergehend steigen: Bei 20 Wetten ist sie höher als bei 10. Der langfristige Rückgang liegt am negativen Erwartungswert jeder einzelnen Wette. Mehr Wiederholungen verbessern diesen rechnerischen Durchschnitt nicht.

Wie das fiktive Modell gerechnet wird

Angenommen, jede Wette hat einen Einsatz von 1 Euro, eine Quote von 1,90 und eine Trefferchance von 50 Prozent. Die Ergebnisse sind voneinander unabhängig. Die Quote steht hier beispielhaft für eine Zwei-Wege-Quote mit Gewinnspanne; das Modell sagt nichts über reale Märkte oder einzelne Spiele voraus.

Bei einem Treffer bekommst du 1,90 Euro zurück. Davon ist 1 Euro der Einsatz, also bleiben netto 0,90 Euro Gewinn. Bei einem Fehlschlag verlierst du den Euro. Der erwartete Nettowert je Wette lautet: 0,9 × 0,5 − 0,5 × 1 = −0,05 Euro.

Nach n Wetten und k Treffern ergibt sich das Netto aus den Gewinnen abzüglich der verlorenen Einsätze: Netto = 1,9k − n. Ein Plus gibt es nur, wenn k > n/1,9. Da die Trefferzahl ganzzahlig sein muss, brauchst du mehr als n/1,9 Treffer. Bei 100 Wetten sind das mindestens 53 Treffer: 1,9 × 53 − 100 = 0,70 Euro.

Wie oft endet die Serie im Plus?

Die Beispiele zeigen den Anteil möglicher Serien, die unter diesen Annahmen nach der jeweiligen Zahl von Wetten im Plus liegen. Das erwartete Netto ist dagegen der rechnerische Durchschnitt des Ergebnisses – nicht der Betrag, den jede Serie erreicht.

Fiktives Modell mit Quote 1,90 und 50 Prozent Trefferchance, jeweils 1 Euro Einsatz:

  • 10 Wetten: mindestens 6 von 10 Treffer, 37,7 % Chance auf Plus, erwartetes Netto −0,50 Euro.
  • 20 Wetten: mindestens 11 von 20 Treffer, 41,2 % Chance auf Plus, erwartetes Netto −1,00 Euro.
  • 100 Wetten: mindestens 53 von 100 Treffer, 30,9 % Chance auf Plus, erwartetes Netto −5,00 Euro.
  • 500 Wetten: mindestens 264 von 500 Treffer, 11,4 % Chance auf Plus, erwartetes Netto −25,00 Euro.
  • 1000 Wetten: mindestens 527 von 1000 Treffer, 4,7 % Chance auf Plus, erwartetes Netto −50,00 Euro.

Warum nimmt die Pluschance auf lange Sicht ab?

Hier wirken zwei Dinge zusammen. Erstens nähert sich der nötige Trefferanteil mit wachsender Serie 52,6 Prozent. Weil es nur ganze Treffer gibt, verändert sich die Schwelle in Sprüngen. Die zugrunde liegende Schwelle ist 1 geteilt durch 1,90. Zweitens liegt die tatsächliche Trefferquote im Modell bei 50 Prozent. Mit mehr unabhängigen Wetten wird das Ergebnis berechenbarer und die beobachtete Trefferquote liegt typischerweise näher an diesen 50 Prozent. Der Trefferanteil wird also stabiler. Das erwartete Ergebnis pro Wette verbessert sich dadurch nicht.

Zum Vergleich: Nähme man im selben Modell eine tatsächliche Trefferchance von 55 Prozent an, endeten 69,3 Prozent der Serien über 100 Wetten und 93,2 Prozent der Serien über 1000 Wetten im Plus. Das sind ebenfalls fiktive Modellwerte, keine Prognosen. Sie zeigen: Eine lange Serie führt nur dann häufiger ins Plus, wenn die angenommene Trefferchance tatsächlich über der Schwelle liegt. Das ist der entscheidende Gedanke hinter Value Betting; eine eigene Schätzung ist dabei kein Beweis für einen echten Vorteil.

Was die Rechnung nicht abbildet

Das Modell setzt eine gleichbleibende Quote und Trefferchance sowie unabhängige Ergebnisse voraus. Kosten und Steuern sind nicht berücksichtigt. Reale Märkte verändern sich, und Ereignisse können voneinander abhängen. Die angenommene Trefferchance von 50 Prozent bei Quote 1,90 ist bewusst ein Verlustmodell – keine Aussage über reale Quoten oder konkrete Spiele. Zum Einordnen von Wahrscheinlichkeiten und Stichproben helfen auch Zahlen verstehen und der Beitrag Neu hier?. Mehr zur Schwankung einer Trefferquote findest du unter Wie stark eine Trefferquote bei 100 Wetten schwanken kann. Ein verwandtes Rechenmodell vergleicht zwei Wetten mit gleichem Erwartungswert.

Quellen & Datenstand

Alle Modellwerte wurden mit der Binomialverteilung in Python am 6. November 2026 selbst berechnet. Die Formel für das Netto und die Plus-Schwelle k > n/1,9 stehen im Text und lassen sich damit nachrechnen. Eine Beschreibung der Binomialverteilung und ihrer Wahrscheinlichkeitsfunktion bietet die R-Dokumentation zur Binomialverteilung. Es wurden keine externen Statistiken verwendet.

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