Wettstrategien im Test
Eine Gewinnpause kann die Plusquote erhöhen, ohne Gewinn zu erzeugen
Inhaltlich überarbeitet: 29.10.2026

Eine Stop-Loss- oder Stop-Win-Regel verändert bei einem festen Einsatz nicht automatisch den erwarteten Gewinn. Bei fairen Wetten mit Quote 2,00 und 50 Prozent Trefferchance bleibt der erwartete Endsaldo gleich null, egal ob du nach einer Grenze aufhörst oder acht Wetten spielst. Bei einer unfairen Wette, etwa Quote 1,90 bei derselben Trefferchance, bleibt der Nachteil je ausgeführter Wette ebenfalls gleich. Stopps verändern aber, wie lange du spielst, wie oft ein Ablauf im Plus endet und wie hoch oder niedrig sein Endsaldo ausfallen kann.
Ein kleines Beispiel ohne Vorwissen
Alle Zahlen in diesem Beitrag sind fiktive Recheneinheiten. Es geht nicht um echte Wetten. Stell dir vor, du spielst höchstens acht unabhängige Wetten. „Unabhängig“ bedeutet hier: Jede einzelne Wette hat dieselbe Trefferchance und wird nicht durch das Ergebnis der vorherigen beeinflusst.
Der Einsatz beträgt jeweils eine Einheit, die Quote 2,00 und die Trefferchance 50 Prozent. Bei einem Treffer ist der Nettogewinn eine Einheit; bei einem Verlust sinkt der Saldo um eine Einheit. Der „Erwartungswert“ ist der durchschnittliche Saldo, der sich ergeben würde, wenn man denselben Ablauf sehr oft wiederholte.
Ein Stop-Loss ist eine festgelegte Verlustgrenze, bei der du nach der abgerechneten Wette aufhörst. Ein Stop-Win ist eine Gewinngrenze, bei der du ebenfalls stoppst. Nehmen wir als Beispiel eine Verlustgrenze von −2 Einheiten. Bei der Folge L L W W W W W W – L steht für Verlust, W für Gewinn – endet die Serie ohne Abbruch bei +4. Mit Stop-Loss endet sie schon nach den ersten beiden Verlusten bei −2. Die sechs späteren Gewinne werden nicht mehr gespielt.
Die Pause löscht die vorherigen Verluste also nicht. Ein abgebrochener Ablauf endet mit dem Saldo, der zu diesem Zeitpunkt erreicht wurde.
Alle 256 Serien zählen
Bei acht Wetten mit je zwei möglichen Ergebnissen gibt es 2 hoch 8, also 256 mögliche Ergebnisfolgen. Bei einer Trefferchance von 50 Prozent sind sie gleich wahrscheinlich. Die Werte in der Tabelle sind gewichtete Durchschnitte über alle 256 Abläufe – keine Vorhersage für eine einzelne Serie.
| Abbruchregel | Wetten im Durchschnitt | Serien mit Plus am Ende | Schlechtester Endsaldo |
|---|---|---|---|
| Ohne Abbruch (feste 8) | 8 | 36,3 Prozent | −8 |
| Nur Verluststopp bei −2 | 5,8 | 32,8 Prozent | −2 |
| Nur Gewinnstopp bei +2 | 5,8 | 50,8 Prozent | −8 |
| Beide Stopps bei ±2 | 3,75 | 46,9 Prozent | −2 |
Öfter im Plus ist nicht mehr erwarteter Gewinn
Fiktives Modell: Quote 2,00, Trefferchance 50 %, höchstens acht Wetten
Der Gewinnstopp endet in 130 von 256 möglichen Folgen mit einem Plus. Ohne Stopp sind es 93. Trotzdem beträgt der erwartete Endsaldo bei allen vier Regeln null. Der Balken misst den Anteil positiver Endsalden, nicht die Höhe des Gewinns.
Alle 256 vollständigen Ergebnisfolgen sind gleich wahrscheinlich. Abbruch nach der jeweils abgerechneten Wette, fester Einsatz 1 Einheit, Startsaldo 0. Prozentanzeigen auf eine Nachkommastelle gerundet; exakte Anteile, Endverteilungen und Einsatzzahlen stehen in den CSV-Dateien.
Ohne Stopp enden 93 von 256 Serien im Plus: 36,328125 Prozent. Mit Gewinnstopp bei +2 steigt dieser Anteil auf 130 von 256 Serien, also 50,78125 Prozent. Das ist deutlich öfter – aber nicht dasselbe wie ein höherer erwarteter Gewinn. In beiden Varianten liegt der durchschnittliche Endsaldo bei null.
Wichtig ist, was die Plusquote allein nicht zeigt: Beim reinen Gewinnstopp können Verlustserien bis −8 gehen. Beim festen Acht-Wetten-Ablauf ist der schlechteste Saldo ebenfalls −8; der Stop-Win schützt davor also nicht. Der Verluststopp begrenzt den schlechtesten Saldo in diesem Modell auf −2, doch zugleich enden weniger Serien im Plus als ohne Abbruch. Werden beide Grenzen gesetzt, sinkt die durchschnittliche Spieldauer auf 3,75 Wetten – und auch hier bleibt der Erwartungswert null.
Die Gegenprobe zeigt die Wirkung eines Gewinnstopps auf eine einzelne Folge: W W L L L L L L endet ohne Abbruch bei −4. Mit einem Stop-Win bei +2 endet sie bereits nach den ersten beiden Treffern bei +2. Diese eine Folge erklärt aber nicht, was im Durchschnitt über alle möglichen Serien geschieht.
Warum der Erwartungswert nicht mitwandert
Eine Abbruchregel entscheidet, wann du aufhörst. Sie bestimmt nicht, wie eine noch ausstehende Wette ausgeht. In der Mathematik heißt eine solche Regel eine Stoppzeit: Die Entscheidung, ob der Ablauf endet, darf nur von den Ergebnissen abhängen, die bereits vorliegen.
Das Optional-Stopping-Theorem beschreibt, wann sich der Erwartungswert durch eine solche Stoppregel nicht ändert. Vereinfacht gesagt: Bei einem fairen Spiel und einer fest begrenzten Zahl möglicher Wetten bleibt der erwartete Endsaldo gleich dem Startsaldo. Hier ist die Höchstzahl acht; im fairen Modell startet der Saldo bei null und bleibt im Durchschnitt bei null.
Die Begrenzung ist wichtig. Ohne feste Höchstzahl gilt die Gleichheit nicht automatisch für jede Abbruchregel. Das Kursmanuskript „Probability and Computing“ der Universität Oxford erklärt diese Bedingung in Lecture 10 zu Martingalen und Stoppzeiten und zeigt auch, warum ein unbegrenztes Aufhören nach einem bestimmten Gewinn nicht ohne Weiteres dieselbe Garantie bietet.
Was passiert bei einer Quote von 1,90?
Jetzt bleibt die Trefferchance bei 50 Prozent, aber die Quote sinkt auf 1,90. Ein Gewinn bringt dann netto 0,90 Einheiten, ein Verlust kostet weiterhin eine Einheit. Der Erwartungswert pro ausgeführter Wette beträgt damit 0,5 × 0,90 minus 0,5 × 1 = −0,05 Einheiten. Die Quote deckt die angenommene Trefferchance in diesem Modell also nicht vollständig ab.
Bei acht festen Wetten ergibt sich im Durchschnitt ein Saldo von −0,40 Einheiten. Mit Verluststopp bei −2 sind es etwa −0,29 bei durchschnittlich 5,8 Wetten. Mit Gewinnstopp bei +2 beträgt der durchschnittliche Saldo −0,35 bei durchschnittlich 7,0 Wetten. Werden beide Stopps gesetzt, liegt der Durchschnitt bei rund −0,24 und die Serie umfasst im Mittel etwa 4,9 Wetten.
Der Nachteil je ausgeführter Wette bleibt in allen Varianten −0,05 Einheiten. Frühes Stoppen kann den gesamten erwarteten Nachteil verringern, weil weniger Wetten ausgeführt werden. Es macht aber keine der verbleibenden Wetten fair und beseitigt den Nachteil nicht. Auch die Grenzen sind keine absoluten Sicherheitslinien: Bei Quote 1,90 kann ein Ablauf mit beiden Stopps nach einer abgerechneten Wette bei −2,3 oder bei +2,7 enden, weil der Saldo die Schwelle dabei überschreiten kann.
Weniger Wetten verändern den gesamten erwarteten Verlust
Fiktives Modell: Quote 1,90, Trefferchance 50 %, Endsaldo in Einheiten
Alle Balken reichen von null nach links und zeigen einen negativen durchschnittlichen Endsaldo. Die Varianten führen unterschiedlich viele Wetten aus. Der Nachteil pro tatsächlich gespielter Wette bleibt bei allen Regeln genau −0,05 Einheiten. Ein kürzerer Balken belegt hier weniger erwarteten Gesamtverlust, keinen Gewinnvorteil.
Höchstens 8 Wetten, fester Einsatz 1 Einheit; Stopps erst nach Abrechnung bei Saldo ≤ −2 beziehungsweise ≥ +2. Keine Steuern oder zusätzlichen Gebühren modelliert. Durchschnittswerte auf vier Nachkommastellen gerundet; vollständige Daten als CSV.
Abgrenzung und Grenzen des Modells
Hier geht es um einen festen Einsatz von einer Einheit und um Abbruchregeln – nicht um veränderte Einsätze nach Gewinnen oder Verlusten. Ein Beitrag zum Bankroll-Management behandelt Stop-Loss-Limits als allgemeines Instrument zur Begrenzung eines Budgets. Der Artikel zur Martingale verändert dagegen die Einsatzhöhe nach Verlusten; der Beitrag zu Paroli beschäftigt sich mit dem erneuten Einsatz von Gewinnen.
Das Rechenmodell verwendet fiktive Einheiten, eine gleichbleibende Trefferchance und eine gleichbleibende Quote. Der Stopp wird erst nach der Abrechnung geprüft, weshalb eine Schwelle überschritten werden kann. Steuern und Gebühren sind nicht berücksichtigt. Acht Wetten bilden nur ein kleines Modell und sagen nichts darüber aus, wie eine längere Serie verläuft. Sie macht aus dem negativen Erwartungswert je ausgeführter Wette keinen positiven und ist weder Gewinnversprechen noch Einsatzempfehlung. Weitere Informationen zu Risiken und Hilfsangeboten findest du auf der Seite Risiken und Hilfe.
Zum Einordnen von Durchschnitt und Trefferchance siehe auch Zahlen verstehen. Weitere Beiträge zu diesem Themenbereich stehen unter Wettstrategien.
Quellen und Datenstand
Die Auswertung zählt alle 256 gleich wahrscheinlichen Abläufe für Quote 2,00 sowie alle 256 Abläufe für Quote 1,90 mit einem Nettogewinn von 0,90 und einem Verlust von 1 Einheit. Die Werte wurden durch exakte Bruchrechnung und eine davon unabhängige Zustandsschritt-Funktion nachgerechnet. Für den mathematischen Hintergrund wurde am 29.10.2026 Lecture 10, „Martingales and stopping times“, aus Elias Koutsoupias’ Kursmanuskript „Probability and Computing“, Oxford 2018/19, gelesen: Vorlesungsübersicht mit Lecture 10. Datenstand: 29.10.2026.
Die vollständigen Modelldaten
Du kannst die Zusammenfassung aller acht Modellvarianten als CSV oder alle vollständigen Ergebnisfolgen mit Abbruchzeit und Endsaldo als CSV herunterladen. Jede Datei beschreibt ausdrücklich das fiktive Modell, keine echten Wettkonten. Die vollständigen Ergebnisfolgen werden pro Quote und Regel gleich gewichtet; nach einem Stopp bleiben spätere Ergebnisse ungespielt.