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Wettstrategien im Test

Beim Martingale endet die Verdopplung lange vor dem erhofften Ausgleich

Inhaltlich überarbeitet: 27.10.2026

Helle Fußballillustration mit Ball, Schuh und größer werdenden Trainingskegeln an einer Spielfeldgrenze.

Nach einem Verlust immer doppelt so viel setzen: So soll Martingale frühere Verluste mit einem einzigen Gewinn zurückholen. Unser Beispiel zeigt Schritt für Schritt, warum das Geld vorher ausgehen kann und ein gewonnener Tipp trotzdem nicht alle Verluste deckt.

Ohne Vorwissen starten

Die Idee in 30 Sekunden

Bei Martingale wird nach jedem verlorenen Tipp der nächste Einsatz verdoppelt. Nach einem Gewinn beginnt ein neuer Durchlauf mit dem kleinen Anfangsbetrag. Die Wette selbst wird dadurch nicht wahrscheinlicher gewonnen.

Ein Beispiel Schritt für Schritt

  1. Ein erster Tipp mit 1 Einheit verliert. Der Kontostand dieses Durchlaufs beträgt −1.
  2. Auch der nächste Tipp mit 2 Einheiten verliert. Zusammen fehlen jetzt 3 Einheiten.
  3. Der dritte Tipp mit 4 Einheiten gewinnt bei Quote 1,90. Die Auszahlung beträgt 4 × 1,90 = 7,60; darin stecken die eingesetzten 4 Einheiten.
  4. Es bleiben 3,60 Gewinn aus diesem Tipp. Nach Abzug der 3 früher verlorenen Einheiten endet der gesamte Durchlauf bei +0,60.
Die wichtigste Erkenntnis

Ein gewonnener Tipp und ein positiver Gesamtsaldo sind zwei verschiedene Dinge. Nach sechs Verlusten sind im begrenzten Beispiel alle 63 Einheiten verbraucht.

Diese Begriffe brauchst du für die Rechnung
  • Einsatz: der Betrag, der vor einem Tipp abgegeben wird.
  • Auszahlung: der zurückgezahlte Betrag einschließlich des Einsatzes.
  • Gesamtsaldo: alle Auszahlungen minus alle Einsätze dieses Durchlaufs.

Die vollständige Rechnung und ihre Grenzen

Eine überprüfbare Regel statt einer endlosen Leiter

Der hier untersuchte Durchlauf beginnt mit einer Einheit. Nach jedem Verlust verdoppelt sich der nächste Betrag. Nach dem ersten Gewinn endet der Durchlauf; nach sechs Verlusten ebenfalls. Die Einsätze lauten 1, 2, 4, 8, 16 und 32. Ihre Summe beträgt 63. Die nächste Stufe von 64 lässt sich mit dem aufgebrauchten Modellbudget nicht mehr finanzieren.

Für jede Wette setzen wir unabhängig dieselbe Gewinnchance von 50 Prozent voraus. Das ist eine Modellannahme, keine Aussage über ein Fußballspiel. Bei Dezimalquote 2,00 wäre jede einzelne Wette vor Kosten fair. Bei 1,90 beträgt ihr erwarteter Nettosaldo je eingesetzter Einheit dagegen −0,05. Ein anderer Einsatzplan ändert diese zugrunde gelegte Chance nicht.

Ein gewonnener letzter Tipp kann trotzdem einen Verlust hinterlassen

Saldo beim ersten Gewinn, ohne weitere Kosten
Gewinn in Stufe Einsatz Vorher verloren Saldo bei 2,00 Saldo bei 1,90
1 1 0 1,00 0,90
2 2 1 1,00 0,80
3 4 3 1,00 0,60
4 8 7 1,00 0,20
5 16 15 1,00 -0,60
6 32 31 1,00 -2,20
Das Beispiel als Grafik

Ein erster Gewinn reicht nicht immer

Gesamtsaldo in Einheiten

-2,2Skala: 0 = ausgeglichen0,9
Erster Gewinn: Stufe 1+0,9
Erster Gewinn: Stufe 2+0,8
Erster Gewinn: Stufe 3+0,6
Erster Gewinn: Stufe 4+0,2
Erster Gewinn: Stufe 5-0,6
Erster Gewinn: Stufe 6-2,2
So liest du die Grafik

Jede Zeile zeigt, in welcher Stufe der erste Gewinn kommt. Rechts von null steht ein Plus, links ein Minus. In Stufe 5 und 6 reicht selbst der gewonnene Tipp bei Quote 1,90 nicht mehr zum Ausgleich.

Fiktives Rechenbeispiel. Fiktiv · danach Stopp · sechs Verluste insgesamt: −63. Anzeigen sind gerundet. Die vollständigen Zahlen und Annahmen stehen im Artikel.

Bei Quote 2,00 gleicht der Nettogewinn der letzten Wette alle vorherigen Verluste aus und lässt eine Einheit übrig. Bei 1,90 fehlen zehn Prozent des letzten Einsatzes gegenüber diesem Ideal. Nach vier Verlusten werden 16 eingesetzt: 14,40 Nettogewinn stehen 15 vorherigen Verlusten gegenüber. Der Durchlauf endet trotz gewonnener Wette mit −0,60.

Die sechste Stufe ist noch deutlicher: 32 × 0,90 − 31 = −2,20. Die Aussage „irgendwann gewinnt eine Wette“ beantwortet also nicht einmal unter den Modellannahmen die Frage, ob der gesamte Durchlauf positiv ist.

Die seltene Strecke gehört vollständig in die Bilanz

Sechs unabhängige Verluste haben die Wahrscheinlichkeit (1/2)⁶ = 1/64, also 1,5625 Prozent je neu begonnenem Durchlauf. In diesem Fall fehlen alle 63 Einheiten. Bei fairer Quote 2,00 sind die übrigen 63 von 64 Durchläufen im Mittel jeweils eine Einheit positiv: (63/64) × 1 − (1/64) × 63 = 0.

Bei Quote 1,90 ist der erwartete Saldo des begrenzten Durchlaufs −0,30 Einheiten. Das lässt sich auch über den erwarteten Umsatz prüfen: Jede erreichte Stufe trägt wegen ihrer halbierten Erreichenswahrscheinlichkeit und des verdoppelten Betrags genau eine Einheit zum erwarteten Umsatz bei. Sechs Stufen ergeben sechs; fünf Prozent davon sind 0,30. Eine einzelne tatsächlich durchlaufene Serie kann wesentlich kürzer oder teurer sein.

Die Wahrscheinlichkeit mindestens eines Gewinns innerhalb der sechs Stufen beträgt 98,4375 Prozent. Positiv endet bei Quote 1,90 aber nur ein erster Gewinn in den Stufen eins bis vier: zusammen 93,75 Prozent. Hohe Häufigkeit kleiner positiver Durchläufe und negativer Erwartungswert widersprechen sich nicht.

Was das Ergebnis für einen Strategiebericht bedeutet

Ein Bericht muss die abgebrochenen Leitern genauso erfassen wie die schnellen Gewinne. Ein Neustart nach einem Abbruch löscht die vorangegangenen Verluste nicht. Zusätzliche Einzahlungen wären zusätzliche Ausgaben, keine Reparatur des ursprünglichen Tests. Auch die Chance, innerhalb vieler Durchläufe eine Verluststrecke zu erleben, ist eine andere Kennzahl als die hier berechnete Wahrscheinlichkeit je Durchlauf.

In einem echten Wettmarkt bleiben Quoten, Annahmegrenzen und verfügbare Beträge zudem nicht automatisch konstant. Wir leiten daraus keine persönliche Einsatzhöhe ab. Der belastbare Befund dieses Modells ist enger: Eine begrenzte Verdopplungsregel kann häufig kleine Gewinne und selten große Verluste erzeugen; sie entfernt weder die Budgetgrenze noch den Nachteil einer zu niedrigen Auszahlung.

Rechenbasis und Quellen

Alle Geldbeträge, Quoten und Ereignisfolgen dieses Rechenmodells sind fiktiv. Es wurden keine realen Wetten abgeschlossen. Gerundete Anzeigen ersetzen keine exakten Grenzprüfungen. Die Berechnungen und Diagrammdaten wurden am 27. Oktober 2026 überprüft.

MIT, Lecture 35: Martingale und Bedingungen von Stoppregeln erläutert den mathematischen Hintergrund. Unsere begrenzte Leiter und ihre vollständige Abrechnung sind eigene Rechnungen; eine unbegrenzte Strategie wird daraus nicht gerechtfertigt.

Alle Strategieprüfungen · Vorhandene Rechner und Lernwerkzeuge · Risiken und Hilfe

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