Die 7 größten Kader-Schwachstellen der Bundesliga und wie Trainer sie kaschieren
5 Min. LesezeitDie Bundesliga-Saison 2025/26 offenbart einmal mehr eine zentrale Wahrheit des modernen Fußballs: Kein Kader ist perfekt. Während die Transferausgaben in schwindelerregende Höhen klettern, zeigen taktische Analysen deutlich, dass selbst die vermeintlich bestens aufgestellten Teams gravierende Lücken aufweisen. Wir haben die sieben häufigsten strukturellen Schwachstellen identifiziert und zeigen auf, mit welchen cleveren Anpassungen Bundesliga-Trainer diese Defizite kompensieren.
Offensive Harmlosigkeit und fehlende Torjäger-Qualität
Die Statistik lügt nicht: St. Pauli brachte es in der Vorsaison auf lediglich 28 Tore in 34 Spielen – der schwächste Wert aller Bundesligisten. Diese offensive Armut zieht sich durch mehrere Kader und stellt Trainer vor eine fundamentale Herausforderung. Wenn klassische Mittelstürmer fehlen oder nicht die erwartete Durchschlagskraft entwickeln, greifen kluge Köpfe zu alternativen Lösungen.
Die gängigste Antwort: Flexibilisierung der Offensivformation. Statt starr auf einen klassischen Neuner zu setzen, etablieren Trainer wie Bo Svensson oder Sebastian Hoeneß Systeme mit hängenden Spitzen oder falsche Neunern. Spieler wie Maximilian Beier bei Hoffenheim oder Niclas Füllkrug vor seinem Wechsel zeigten, wie Beweglichkeit und Raumverständnis fehlende Abschlussstärke teilweise ausgleichen können. Zusätzlich kompensieren intensive Pressing-Strukturen die mangelnde Torgefahr durch frühe Ballgewinne in aussichtsreichen Zonen.

Mangelnde Kadertiefe auf Schlüsselpositionen
Werder Bremen exemplifiziert ein Problem, das zahlreiche Bundesliga-Klubs kennen: extreme Abhängigkeit von Einzelspielern. Wenn Nadiem Amiri ausfällt, bricht das gesamte Spielsystem zusammen. Diese fehlende Redundanz zwingt Trainer zu kreativen Umbaumaßnahmen während laufender Spielzeiten.
Erfolgreiche Coaches begegnen diesem Dilemma mit taktischer Variabilität. Sie entwickeln alternative Spielsysteme, die bei Ausfällen von Leistungsträgern aktiviert werden. Ein 4-3-3 wird zum 4-4-2, ein 3-4-3 mutiert zum 5-3-2. Ole Werner in Bremen hat diese Flexibilität perfektioniert – seine Mannschaft kann binnen Minuten zwischen drei verschiedenen Grundordnungen wechseln. Gleichzeitig investieren kluge Trainer verstärkt in die Ausbildung von Talenten aus der eigenen U23, um mittelfristig qualitative Alternativen aufzubauen.
Defensive Instabilität und fehlende Backup-Lösungen
Selbst Bayern München, der Serienmeister mit den tiefsten Taschen, kämpft mit diesem Phänomen. Die defensive Absicherung wirkt in kritischen Phasen anfällig, weil hochkarätige Alternativen fehlen. Wenn Stammkräfte wie Dayot Upamecano oder Kim Min-jae ausfallen oder Formschwächen zeigen, fehlt die Qualität in der zweiten Reihe.
Thomas Tuchel und später seine Nachfolger reagierten darauf mit taktischen Anpassungen im Mittelfeld. Statt die Innenverteidigung zu schwächen, werden zentrale Mittelfeldspieler als zusätzliche Absicherung tiefer positioniert. Joshua Kimmich fungiert faktisch als dritter Innenverteidiger im Spielaufbau, während Leon Goretzka oder Konrad Laimer Räume vor der Abwehr verdichten. Diese Kompensationsstrategie opfert offensive Durchschlagskraft zugunsten defensiver Stabilität.

Fehlende Kreativität im zentralen Mittelfeld
Heidenheim wird nachgesagt, den qualitativ schwächsten Kader der Liga zu besitzen. Besonders im zentralen Mittelfeld fehlt es an Spielern, die das Tempo diktieren und kreative Lösungen entwickeln können. Ohne klassische Spielmacher verkommt das Offensivspiel zur Stückwerk-Kombinationen ohne echte Durchschlagskraft.
Frank Schmidt kompensiert diese Schwäche durch akribisch einstudierte Standardsituationen und strukturiertes Umschaltspiel. Seine Mannschaft erzielt überdurchschnittlich viele Tore nach Eckbällen und Freistößen – Situationen, in denen individuelle Klasse weniger relevant ist als präzise Ablaufmuster. Zusätzlich setzt Schmidt auf extreme Laufbereitschaft: Was an technischer Finesse fehlt, wird durch schiere Intensität und Zweikampfhärte wettgemacht.
Schwächen auf den Außenbahnen
Moderne Fußballtaktik lebt von dominanten Außenverteidigern und explosiven Flügelspielern. Doch was passiert, wenn genau diese Positionen unterbesetzt oder qualitativ limitiert sind? Mehrere Bundesliga-Teams kranken an fehlenden Optionen auf den Flügeln, was ihr gesamtes Angriffsspiel eindimensional macht.
Die taktische Antwort vieler Trainer: Verlagerung des Spielaufbaus ins Zentrum und bewusste Überzahlsituationen in der Mitte. Statt breit zu spielen, verdichten Teams wie Union Berlin unter Urs Fischer den Raum im zentralen Korridor. Kurze Passketten und schnelle Kombinationen ersetzen das klassische Flügelspiel. Gleichzeitig werden Innenverteidiger mit guten Passfähigkeiten in den Spielaufbau eingebunden, um die fehlende Breite durch diagonale Pässe zu überbrücken.

Probleme im kontrollierten Spielaufbau
Der HSV macht es vor, wie es nicht laufen sollte: Trotz 25 Spielerbewegungen in einer Transferperiode fehlt weiterhin die taktische Klarheit im Aufbauspiel. Wenn Teams unter Druck gesetzt werden, verfallen sie in panisches Langes-Ball-Spiel statt strukturierte Lösungen zu finden.
Erfolgreichere Trainer wie Gerardo Seoane in Leverkusen oder Marco Rose in Leipzig begegnen diesem Problem mit intensivem Positionstraining. Ihre Spieler trainieren wöchentlich spezifische Aufbaumuster gegen verschiedene Pressingsysteme. Zusätzlich werden Torhüter gezielt als zusätzlicher Feldspieler eingebunden – nicht umsonst sind fußballspielende Keeper heute unverzichtbar. Die Fähigkeit, unter Druck sauber aus der eigenen Hälfte herauszuspielen, wird zum entscheidenden taktischen Vorteil.
Mentale Fragilität in entscheidenden Phasen
Die subtilste, aber vielleicht gravierendste Schwachstelle betrifft nicht taktische Formationen oder individuelle Qualität, sondern die psychologische Verfassung. Zahlreiche Bundesliga-Teams kollabieren in kritischen Spielphasen, verlieren Führungen oder schaffen den entscheidenden Punch nicht.
Kluge Trainer wie Xabi Alonso adressieren diese Schwachstelle durch gezielte Rotationsstrategien und Erfahrungstransfer. Leverkusen integriert bewusst erfahrene Führungsspieler, die in kritischen Momenten Ruhe ausstrahlen. Gleichzeitig werden jüngere Spieler schrittweise an Drucksituationen herangeführt – nicht durch Worte, sondern durch dosierte Einsatzzeiten in Hochrisiko-Partien. Die mentale Widerstandsfähigkeit wird zum trainierbaren Faktor, nicht zur angeborenen Eigenschaft.
Zusammenspiel von Analyse und Anpassung
Die Bundesliga 2025/26 zeigt eindrucksvoll: Perfekte Kader existieren nicht. Selbst finanzstarke Klubs weisen strukturelle Lücken auf, die durch Transfers allein nicht zu schließen sind. Der entscheidende Unterschied liegt in der Fähigkeit der Trainer, diese Schwachstellen zu identifizieren und durch clevere taktische Anpassungen zu neutralisieren.
Erfolgreiche Teams zeichnen sich durch drei Kernkompetenzen aus: Sie entwickeln alternative Spielsysteme für verschiedene Situationen, sie maximieren die Stärken vorhandener Spieler statt fehlende Qualitäten zu beklagen, und sie investieren kontinuierlich in taktische Weiterbildung. Wer diese Prinzipien verinnerlicht, kann auch mit vermeintlich limitierten Kadern überraschende Erfolge feiern.
Die analytische Betrachtung von Kaderschwächen eröffnet zudem interessante Perspektiven für alle, die sich intensiver mit der taktischen Dimension des Sports beschäftigen. Detaillierte Analysen und datenbasierte Einschätzungen finden Interessierte auf Plattformen wie sportwetten.fun, die taktische Entwicklungen systematisch aufbereiten.
Am Ende bleibt eine zentrale Erkenntnis: Im modernen Fußball siegt nicht zwingend der teuerste Kader, sondern das intelligenteste System. Die Bundesliga liefert dafür Woche für Woche eindrucksvolle Beweise.
