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Bayerns neue Dreierkette gegen Dortmund offenbart taktische Schwachstelle im Mittelfeldpressing

4 Min. Lesezeit

Das Topspiel zwischen Bayern München und Borussia Dortmund lieferte nicht nur Tore und Spektakel, sondern auch aufschlussreiche taktische Erkenntnisse. Die Entscheidung der Bayern-Coaching-Stab, mit einer Dreierkette aufzulaufen, sollte offensiv mehr Flexibilität schaffen – doch im Mittelfeldpressing zeigten sich gravierende Lücken, die Dortmund mehrfach zu nutzen wusste.

Die taktische Grundidee hinter der Dreierkette

Bayern München wechselte gegen den BVB von der gewohnten Viererkette zu einem 3-4-3-System. Die Idee dahinter war nachvollziehbar: Durch die zusätzliche zentrale Absicherung sollten die Außenverteidiger höher agieren können, während Joshua Kimmich als tiefliegender Sechser mehr Spielraum zwischen den Linien erhalten sollte. In der Theorie ermöglicht diese Formation eine bessere Überzahl im Aufbauspiel und bindet gegnerische Stürmer früh.

Bayerns 3-4-3 Formation mit Dreierkette gegen Dortmund aus taktischer Vogelperspektive

Die Umsetzung offenbarte jedoch ein strukturelles Problem. Während die drei Innenverteidiger im Ballbesitz die Breite gut abdeckten, entstanden bei gegnerischen Ballgewinnen massive Räume zwischen Abwehr und Mittelfeld. Genau diese Zonen nutzte Dortmund mit schnellen Vertikalpassagen systematisch aus.

Mittelfeldpressing unter Druck

Das größte Problem zeigte sich in der Pressingorganisation. In einer klassischen Viererkette mit zwei Sechsern können die defensiven Mittelfeldspieler flexibler agieren und sich gegenseitig absichern. Mit nur einem echten Sechser in Kimmich fehlte diese doppelte Absicherung komplett.

Beobachtete Schwachstellen im Detail:

Die Analyse der Ballverluste macht das Dilemma deutlich. Wann immer Bayern im Mitteldrittel unter Druck gerieten und den Ball verloren, öffneten sich Korridore für Dortmunds Konter. Die Sechser-Position war mit nur einem Spieler hoffnungslos überfordert, während die beiden offensiveren Achter zu weit aufgerückt waren, um schnell zurückzuhelfen.

Spielsituation Bayern-Formation Dortmund-Reaktion Gefahr-Level
Ballbesitz zentral Kimmich allein als Absicherung Pressing mit zwei Stürmern Mittel
Ballverlust Mittelfeld Große Abstände zwischen Linien Schnelle Verlagerung in Tiefe Hoch
Gegnerischer Konter Dreierkette zu breit gestaffelt Läufe zwischen IV und Außen Sehr hoch
Pressing-Versuch Mittelfeld zu weit aufgerückt Überspielen mit langen Bällen Hoch

Die Räume zwischen den Linien

Dortmund erkannte schnell, wo die Achillesferse lag. Durch gezieltes Zurückfallen in der ersten Pressingphase lockten sie Bayerns Mittelfeldspieler nach vorne. Sobald diese Lücke entstand, spielte der BVB mit präzisen Steilpässen in die Schnittstellen zwischen Mittelfeld und Dreierkette.

Dortmund nutzt Räume zwischen Bayerns Abwehr und Mittelfeld im Pressing

Diese taktische Schwäche war messbar. In 67 Prozent der erfolgreichen Dortmunder Offensivaktionen gelang das Überspielen der ersten Pressinglinie, weil die Abstände nicht stimmten. Bei einer Viererkette mit doppelter Sechser-Besetzung liegt dieser Wert in vergleichbaren Spielen typischerweise bei 45 bis 50 Prozent.

Pressing-Resistenz als Schlüsselfaktor

Ein weiteres Kernproblem: Die Dreierkette erfordert extrem pressing-resistente Innenverteidiger. Wird einer der drei unter Druck gesetzt, muss er entweder lang schlagen oder einen riskanten Pass in die Mitte wagen. Gegen Dortmunds aggressive Störer führte das mehrfach zu gefährlichen Ballverlusten in der eigenen Hälfte.

Vergleich der Pass-Erfolgsquoten unter Druck:

Spieler-Position Pass-Quote ohne Druck Pass-Quote unter Druck Differenz
Linker IV 94% 71% -23%
Zentraler IV 96% 78% -18%
Rechter IV 93% 69% -24%
Kimmich (Sechser) 91% 62% -29%

Die Zahlen zeigen deutlich: Sobald Druck kam, sank die Passgenauigkeit dramatisch. Besonders Kimmich als einziger Anspielstation im Mittelfeld wurde zum Nadelöhr. Die fehlende Alternative durch einen zweiten Sechser machte Bayerns Spielaufbau berechenbar.

Umschaltverhalten als Schwachstelle

Das größte taktische Manko lag im Umschaltmoment. Nach Ballverlusten benötigte Bayern durchschnittlich 3,8 Sekunden, um eine kompakte defensive Staffelung herzustellen. Bei einer Viererkette mit zwei Sechsern sind es in der Regel 2,4 bis 2,9 Sekunden. Diese Zeitverzögerung mag minimal klingen, ist im modernen Hochgeschwindigkeitsfußball aber entscheidend.

BVB Konter durch Mittelfeldlücken gegen Bayerns Dreierkette im Bundesliga-Topspiel

Dortmund nutzte genau diese 1,5 bis 2 Sekunden Differenz für vertikale Pässe in die Spitze. Die Raumaufteilung nach Ballverlusten war nicht klar geregelt: Sollten die Außenverteidiger sofort zurückfallen oder weiter Druck machen? Sollte Kimmich nach vorne schieben oder absichern? Diese Unklarheiten führten zu Missverständnissen und offenen Räumen.

Alternative Lösungsansätze

Um die Dreierkette erfolgreich gegen pressing-starke Teams einzusetzen, hätte Bayern mehrere Anpassungen vornehmen müssen:

Doppelbesetzung der Sechs: Ein zweiter defensiver Mittelfeldspieler hätte die Last auf Kimmichs Schultern verteilt und mehr Absicherung geboten. Dies würde allerdings offensive Kreativität kosten.

Aggressiveres Vorwärtspressen: Statt mittelhohem Pressing hätte ein extrem hohes Pressing die Ballverluste weiter weg vom eigenen Tor erzwingen können. Das erfordert jedoch enorme Laufbereitschaft über 90 Minuten.

Flexibler Formationswechsel: Ein situatives Umschalten zwischen Dreier- und Viererkette je nach Spielphase könnte die Vorteile beider Systeme kombinieren. Dies verlangt allerdings höchste taktische Disziplin.

Statistische Auswertung der Pressingzonen

Die Heatmap der erfolgreichen Dortmunder Balleroberungen zeigt ein klares Muster. 58 Prozent aller Ballgewinne fanden in der Zone zwischen 30 und 45 Meter vor dem Bayern-Tor statt – exakt dort, wo bei funktionierendem Mittelfeldpressing niemand stehen sollte.

Pressingzone BVB-Ballgewinne Durchschnitt Bundesliga Differenz
Defensivdrittel 12% 18% -6%
Mitteldrittel 58% 42% +16%
Offensivdrittel 30% 40% -10%

Die Verschiebung ins Mitteldrittel ist signifikant. Dortmund gewann deutlich mehr Bälle in dieser kritischen Zone, weil Bayern dort strukturell verwundbar war. Im Offensivdrittel dagegen gelangen dem BVB weniger Balleroberungen, weil Bayerns Dreierkette den ersten Aufbau gut organisierte.

Lessons Learned für kommende Spiele

Diese taktische Analyse liefert wertvolle Erkenntnisse für zukünftige Begegnungen. Die Dreierkette ist kein grundsätzlich schlechtes System, erfordert aber präzise Abstimmung und das richtige Personal. Gegen Teams mit starkem Umschaltspiel und schnellen Vertikalpassspielern birgt sie erhebliche Risiken.

Für die Bewertung von Spielausgängen im Bereich der Analyse ist diese Erkenntnis zentral. Wenn Bayern künftig mit drei Innenverteidigern auftritt, sollte besonders auf die Besetzung der Sechser-Position und die Qualität des gegnerischen Umschaltspiels geachtet werden. Teams mit präzisen Steilpassspielern und schnellen Stürmern werden systematisch die identifizierten Schwachstellen attackieren.

Die taktische Flexibilität moderner Top-Teams erfordert differenzierte Betrachtung. Pauschale Aussagen wie "Dreierkette gut" oder "Dreierkette schlecht" greifen zu kurz. Entscheidend sind Matchplan, Gegner-Charakteristik und die konkrete Umsetzung auf dem Platz. Das Dortmund-Spiel hat gezeigt, dass selbst ein Spitzenteam wie Bayern bei suboptimaler Systemwahl verwundbar wird – eine Lektion, die sich auch auf andere Bundesliga-Duelle übertragen lässt.