Bayerns Kader-Umbau entschlüsselt: Welche Positionen Tuchel im Sommer 2026 wirklich verstärken muss
6 Min. LesezeitDer FC Bayern München steht vor einem der ambitioniertesten Transfer-Sommer der jüngeren Vereinsgeschichte. Während in den Medien teilweise noch von Thomas Tuchel die Rede ist, arbeitet aktuell Vincent Kompany als Cheftrainer an der Säbener Straße – und gemeinsam mit Sportvorstand Max Eberl wird gerade der Grundstein für die kommende Saison gelegt. Wir analysieren auf Basis aktueller Marktdaten und Kadersituation, welche Positionen der deutsche Rekordmeister wirklich verstärken muss und wo die größten Baustellen liegen.
Die defensive Schwachstelle liegt tiefer als gedacht
Die Münchner Defensive zeigt in dieser Saison immer wieder Vulnerabilitäten, die sich nicht nur in einzelnen Gegentoren, sondern in systematischen Problemen manifestieren. Die Innenverteidigung gilt als neuralgischer Punkt, obwohl Bayern mit Dayot Upamecano, Minjae Kim und Matthijs de Ligt drei hochkarätige Verteidiger im Kader hat.
Innenverteidigung – Quantität vs. Qualität:
Die Personallage wirkt auf den ersten Blick komfortabel, doch die Leistungskurve der vorhandenen Akteure schwankt erheblich. Minjae Kim konnte die hohen Erwartungen nach seinem 50-Millionen-Transfer nicht konstant erfüllen. Upamecanos Vertrag läuft 2026 aus, und eine Verlängerung ist noch nicht unterschrieben. Max Eberl betont öffentlich, dass interne Vertragslösungen Priorität haben, bevor man extern investiert.

Die Transferstrategie fokussiert sich dennoch auf Premier-League-erprobte Profile. Marc Guéhi von Crystal Palace steht ganz oben auf der Liste. Der englische Nationalspieler bringt genau jene Attribute mit, die Kompany schätzt: Spieleröffnung unter Druck, Zweikampfstärke und Führungsqualität. Mit 25 Jahren würde Guéhi als langfristige Lösung ins Profil passen.
Parallel dazu werden Ibrahima Konaté (Liverpool) und Nico Schlotterbeck (Borussia Dortmund) beobachtet. Konaté überzeugt durch physische Präsenz und Geschwindigkeit, Schlotterbeck durch Linksfüßigkeit und Aufbauspiel. Die taktische Flexibilität, die eine Dreierkette ermöglichen würde, macht beide Spieler für Kompany interessant.
| Spieler | Verein | Alter | Stärken | Geschätzte Ablöse |
|---|---|---|---|---|
| Marc Guéhi | Crystal Palace | 25 | Spielaufbau, Leadership, PL-Erfahrung | 40-50 Mio € |
| Ibrahima Konaté | Liverpool | 25 | Physis, Tempo, Kopfballstärke | 60-70 Mio € |
| Nico Schlotterbeck | Dortmund | 24 | Linksfuß, Passgenauigkeit, BL-erprobt | 35-45 Mio € |
Rechtsverteidiger – Die unterschätzte Baustelle:
Noch kritischer als die Innenverteidigung präsentiert sich die rechte Abwehrseite. Während Joshua Kimmich mittlerweile dauerhaft ins zentrale Mittelfeld gewechselt ist, fehlt Bayern ein dominanter Rechtsverteidiger auf internationalem Top-Niveau. Die Gerüchte um Trent Alexander-Arnold sind nicht neu, doch sie werden konkreter.
Der Liverpooler könnte für rund 50 Millionen Euro zu haben sein. Seine offensiven Qualitäten sind unbestritten – kaum ein Verteidiger weltweit kreiert mehr Chancen über die Außenbahn. Gleichzeitig bringt Alexander-Arnold defensive Schwächen mit, die in Liverpools hochintensivem Pressing kompensiert werden. Bei Bayern müsste das taktische Konzept diese Defizite auffangen, etwa durch eine stärkere Absicherung im Sechserraum.
Offensive Verstärkung als Investition in die Zukunft
Während die Defensive Schwachstellen aufweist, plant Bayern auch im Angriff strategische Verstärkungen. Der Fokus liegt nicht auf der unmittelbaren Gegenwart, sondern auf der mittelfristigen Zukunft.
Die Sturm-Succession-Planung:
Harry Kane dominiert als Zielspieler die Bayern-Offensive und liefert verlässlich Tore. Mit 32 Jahren im Sommer 2026 stellt sich jedoch die Frage nach einer langfristigen Nachfolgelösung. Dusan Vlahovic von Juventus Turin gilt als primärer Kandidat. Der serbische Nationalspieler vereint physische Präsenz mit technischer Finesse und Torabschluss aus verschiedenen Zonen.

Vlahovic würde zunächst als zweite Spitze oder in einem Rotationssystem eingesetzt, um Kane zu entlasten und gleichzeitig Spielpraxis zu sammeln. Diese Doppelspitze-Option eröffnet Kompany taktische Variabilität, besonders in Spielen, in denen Bayern gegen tiefstehende Gegner mehr Präsenz im Strafraum benötigt.
Flügelpositionen – Breite und Tiefe:
Die Außenbahnen bieten mit Leroy Sané, Serge Gnabry und Kingsley Coman etablierte Optionen, doch Verletzungsanfälligkeiten und Formschwankungen machen zusätzliche Qualität notwendig. Yan Diomande von RB Leipzig verkörpert das moderne Flügelspiel: Tempo, Dribbelstärke und die Fähigkeit, sowohl als klassischer Außenstürmer als auch als halblinker offensiver Mittelfeldakteur zu agieren.
Said El Mala vom 1. FC Köln repräsentiert die zweite Stoßrichtung: junge Talente mit Entwicklungspotenzial zu verpflichten, bevor sie auf dem internationalen Markt unbezahlbar werden. El Malas Schnelligkeit und Abschlussqualität könnten ihn zu einem wertvollen Squad-Player entwickeln.
| Position | Spieler | Verein | Profil | Einschätzung |
|---|---|---|---|---|
| Stürmer | Dusan Vlahovic | Juventus | Kompletter Neuner, 24 Jahre | Kane-Successor für mittelfristige Planung |
| Flügel | Yan Diomande | RB Leipzig | Tempo, Technik, 20 Jahre | Sofortverstärkung mit Potenzial |
| Flügel | Said El Mala | FC Köln | Schnelligkeit, Abschluss, 19 Jahre | Perspektiv-Verpflichtung |
Budget und strategischer Ansatz unter Eberl
Max Eberl verfolgt eine klare Transferphilosophie, die sich fundamental von der Ära Hasan Salihamidžić unterscheidet. Statt emotionaler Notfallkäufe setzt Eberl auf strukturierte Planung und interne Lösungsfindung, bevor externes Kapital investiert wird.
Das 200-Millionen-Budget im Kontext:
Berichte über ein Transferbudget von bis zu 200 Millionen Euro kursieren, doch diese Zahl täuscht. Eberl hat wiederholt betont, dass zunächst vertragliche Situationen geklärt werden müssen. Upamecanos Verlängerung oder Verkauf wird maßgeblich beeinflussen, wie viel Budget für externe Verstärkungen bleibt.
Die Münchner werden voraussichtlich nicht alle genannten Positionen gleichzeitig besetzen. Vielmehr gilt es, Prioritäten zu setzen:
- Innenverteidiger-Verpflichtung: Unabhängig von Upamecanos Entscheidung erscheint eine zentrale Defensive-Verstärkung unumgänglich
- Rechtsverteidiger-Lösung: Die Abhängigkeit von Noussair Mazraoui und Sacha Boey ist zu groß
- Perspektiv-Stürmer: Vlahovic oder ein vergleichbares Profil für die Kane-Nachfolge

Verkäufe als finanzielle Basis:
Bayern wird den Transfer-Sommer auch nutzen, um Spieler mit geringer Perspektive zu veräußern. Matthijs de Ligt könnte bei einem attraktiven Angebot abgegeben werden, ebenso Serge Gnabry, sollte keine sportliche Renaissance gelingen. Diese Verkäufe würden nicht nur Budget generieren, sondern auch Gehaltsmasse für neue Verpflichtungen freimachen.
Die taktische Vision hinter den Transfers
Kompanys Spielidee basiert auf hohem Pressing, dominantem Ballbesitz und schnellen Vertikalpassagen. Seine Transferwünsche spiegeln diese Philosophie wider. Verteidiger müssen nicht nur defensiv solide sein, sondern als erste Passstaffel fungieren. Offensive Spieler brauchen die Intelligenz für Positionswechsel und Raumbesetzung.
Marc Guéhi würde perfekt in dieses Schema passen – seine Pass-Completion-Rate von über 88 Prozent in der Premier League zeigt seine Sicherheit im Aufbauspiel. Trent Alexander-Arnold würde als quasi vierter Mittelfeldspieler fungieren, ähnlich wie es Pep Guardiola mit Kyle Walker praktiziert.
In der Offensive ermöglicht ein physisch präsenter Stürmer wie Vlahovic neue taktische Optionen. Bayern könnte bei Bedarf auf ein 4-4-2 oder 3-5-2 umstellen, um gegen robuste Defensivverbünde mehr Präsenz im gegnerischen Strafraum zu generieren.
Realistische Prognose für den Sommer 2026
Wir erwarten, dass Bayern drei bis vier hochkarätige Transfers realisieren wird. Die wahrscheinlichste Konstellation sieht folgendermaßen aus:
- Ein zentraler Verteidiger: Marc Guéhi oder Nico Schlotterbeck
- Ein Rechtsverteidiger: Trent Alexander-Arnold bei entsprechender Vertragssituation in Liverpool
- Ein Perspektiv-Stürmer: Dusan Vlahovic oder ein vergleichbares Profil
- Ein flexibler Offensivakteur: Yan Diomande oder ein ähnlicher Spielertyp
Die Gesamtinvestitionen dürften sich auf 150-180 Millionen Euro belaufen, finanziert durch Verkäufe und laufende Einnahmen. Bayern positioniert sich damit für die nächsten drei bis vier Jahre neu und adressiert systematische Schwächen, die in dieser Saison offenbar wurden.
Die größte Herausforderung wird nicht die Identifikation der richtigen Spieler sein, sondern das Timing der Transfers. In einem Markt, in dem Top-Klubs wie Real Madrid, Manchester City und Paris Saint-Germain ebenfalls hochaktiv sind, entscheiden oft Tage über Erfolg oder Misserfolg einer Verpflichtung. Max Eberls strukturierter Ansatz könnte hier den entscheidenden Vorteil bringen – Geduld und Präzision statt Panik und Überzahlung.
Der Sommer 2026 wird zeigen, ob Bayern den Kaderwandel erfolgreich gestalten kann. Die Grundlagen sind gelegt, die Ziele definiert. Nun gilt es, die Strategie in konkrete Verpflichtungen umzusetzen und den Anspruch auf nationale wie internationale Titel zu untermauern.
