Sportwetten Analysen & Tipps – Datenbasierte Expertenanalysen | Sportwetten FUN

Unabhängige Sportwetten Analysen, Tipps & News – datenbasiert und transparent

So verändert Dortmunds neues 3-4-3-System die gesamte Spielphilosophie unter Terzic

6 Min. Lesezeit

Die taktische Revolution am Signal Iduna Park

Borussia Dortmund durchläuft momentan eine der spannendsten taktischen Transformationen der jüngeren Vereinsgeschichte. Was auf den ersten Blick wie eine einfache Systemumstellung wirkt, entpuppt sich bei genauerer Analyse als fundamentale Neuausrichtung der gesamten Spielphilosophie. Unter der Leitung von Niko Kovač, der für die Saison 2025/26 das Ruder übernommen hat, wechselte der BVB von der klassischen 4-2-3-1-Formation seines Vorgängers Nuri Şahin zu einem flexiblen 3-4-2-1-System, das gelegentlich in ein offensives 3-4-3 übergeht.

Diese Umstellung war keine taktische Spielerei, sondern eine Notwendigkeit. Die Kaderzusammensetzung wies erhebliche strukturelle Defizite auf, die das bisherige System zunehmend anfällig machten. Wir werfen einen detaillierten Blick auf die Hintergründe, Mechanismen und Auswirkungen dieser taktischen Revolution.

Taktiktafel zeigt Dortmunds 3-4-3-Formation mit Spielfiguren auf grünem Spielfeld

Warum die alte Formation scheiterte

Die unter Şahin praktizierte 4-2-3-1-Formation offenbarte mehrere kritische Schwachstellen, die sich nicht durch individuelle Qualität kompensieren ließen. Das Hauptproblem lag in der Kaderzusammensetzung selbst.

Fehlendes defensives Gleichgewicht: Der BVB-Kader verfügte über keinen echten defensiven Mittelfeldspieler vom Typ des klassischen Sechsers. Die vorhandenen zentralen Mittelfeldspieler waren vorwiegend offensiv orientiert, was in der Doppelsechs zu gefährlichen Lücken führte. Bei gegnerischen Kontern fehlte oft die entscheidende defensive Absicherung.

Offensive Außenverteidiger als Schwachstelle: Dortmunds Außenverteidiger sind für ihre offensive Ausrichtung bekannt und geschätzt. In der Viererkette wurden sie jedoch zu einem Risikofaktor. Wenn beide Außenverteidiger gleichzeitig nach vorne stießen, entstanden in Übergangsphasen riesige Räume, die schnelle Gegner gnadenlos ausnutzten. Die Doppelsechs konnte diese Räume nicht kompensieren, was zu zahlreichen gefährlichen Kontersituationen führte.

Strukturelle Unausgewogenheit: Das System zwang die Mannschaft in ein taktisches Korsett, das weder die Stärken optimal nutzte noch die Schwächen kaschierte. Die Balance zwischen Offensive und Defensive war gestört, was sich in inkonsistenten Leistungen niederschlug.

Die Dreier-Abwehrkette als Lösung

Kovač' Antwort auf diese Probleme war radikal und zugleich logisch. Die Umstellung auf eine Dreierkette mit zwei Flügelspielern schafft eine völlig neue taktische Architektur.

Mehr defensive Stabilität: Durch die dritte Innenverteidigung erhält Dortmund automatisch mehr Präsenz im zentralen Defensivbereich. Statt eines offensiven Spielers in der Zehner-Position agiert nun ein zusätzlicher Verteidiger. Dies kompensiert das Fehlen eines klassischen defensiven Mittelfeldspielers und bietet mehr Absicherung bei gegnerischen Angriffen.

Befreiung der Außenbahnen: Die Flügelspieler in der 3-4-2-1- oder 3-4-3-Formation haben deutlich klarere Aufgaben als Außenverteidiger in einer Viererkette. Sie können sich auf ihre offensiven Qualitäten konzentrieren, weil die Dreierkette dahinter Sicherheit bietet. Gleichzeitig tragen sie weniger defensive Verantwortung für die gesamte Außenbahn, was ihre Energie für offensive Aktionen spart.

BVB Innenverteidiger in Dreierkette während Bundesliga-Spiel im Signal Iduna Park

Die taktischen Mechanismen im Detail

Die neue Formation funktioniert in verschiedenen Spielphasen unterschiedlich und zeigt bemerkenswerte Flexibilität.

Im Ballbesitz: Dortmund formiert sich häufig in einem asymmetrischen Aufbau. Die beiden Achter oder zentralen offensiven Mittelfeldspieler haben enorme Freiheiten, Räume zu besetzen und sich zwischen die Linien zu bewegen. Die Dreierkette ermöglicht es einem der äußeren Verteidiger, ins Mittelfeld vorzurücken und so numerische Überlegenheit zu schaffen. Die Flügelspieler nehmen breite Positionen ein und ziehen gegnerische Verteidiger auseinander.

In der Defensive: Bei gegnerischem Ballbesitz fällt die Mannschaft in eine kompakte 5-4-1- oder 5-2-3-Struktur zurück. Die Flügelspieler rücken auf die Höhe der Dreierkette, wodurch eine Fünferkette entsteht. Diese Formation ist extrem schwer zu überspielen und bietet Schutz vor Kontern, die unter dem alten System so gefährlich waren.

In Übergangsphasen: Hier zeigt sich der größte Vorteil. Bei Ballgewinnen bleiben die drei Innenverteidiger in der Regel zurück, während die Flügelspieler und zentralen Offensivspieler sofort nach vorne stoßen können. Dies schafft eine bessere Balance zwischen schnellen Kontern und defensiver Absicherung. Bei Ballverlust ist die Grundordnung schneller wiederhergestellt als in der alten Viererkette.

Personelle Anpassungen und Profitierende

Die Systemumstellung hat unterschiedliche Auswirkungen auf einzelne Spieler und eröffnet neue Perspektiven.

Innenverteidiger gewinnen an Bedeutung: Mit drei Innenverteidigern erhalten mehr Spieler Einsatzzeit. Zudem werden spezifische Profile wichtiger. Der mittlere Innenverteidiger benötigt gute Übersicht und Spielaufbau-Qualitäten, während die äußeren Verteidiger mehr Schnelligkeit und gelegentlich offensive Vorstöße beisteuern müssen.

Flügelspieler mit neuen Anforderungen: Die Positionen auf den Außenbahnen erfordern nun komplettere Spieler. Sie müssen sowohl defensiv arbeiten als auch offensiv Akzente setzen. Gleichzeitig brauchen sie enorme Ausdauer, da sie die gesamte Außenlinie abdecken.

Offensive Mittelfeldspieler mit mehr Freiheit: Die zentralen offensiven Mittelfeldspieler profitieren am meisten. Sie müssen weniger defensive Aufgaben übernehmen und können sich stärker auf Kreativität und Torgefahr konzentrieren. Die zusätzliche Absicherung durch die Dreierkette erlaubt ihnen risikoreichere Positionierungen.

Trainingsplatz mit Markierungen für taktische Positionierung im 3-4-3-System

Die Erfolgsbilanz spricht Bände

Die Zahlen bestätigen die taktische Neuausrichtung eindrucksvoll. Mit der 3-4-2-1-Formation ist Dortmund in der laufenden Saison ungeschlagen geblieben. Mehr noch: Die Mannschaft hat sich erfolgreich für die Champions League qualifiziert, was angesichts der schwierigen Ausgangslage zu Saisonbeginn bemerkenswert ist.

Defensive Stabilität: Die Gegentore pro Spiel sind signifikant gesunken. Die Dreierkette und die bessere Absicherung in Übergangsphasen zeigen messbare Wirkung. Gefährliche Kontersituationen gegen Dortmund sind deutlich seltener geworden.

Offensive Variabilität: Trotz des defensiveren Grundaufbaus hat die offensive Durchschlagskraft nicht gelitten. Im Gegenteil: Durch die Freiheiten der zentralen Mittelfeldspieler und die Breite durch die Flügelspieler entstehen vielfältigere Angriffsmuster.

Flexibilität im Matchplan: Kovač nutzt gelegentlich auch die 3-4-3-Variante, etwa beim Spiel gegen Union Berlin. Diese Flexibilität erlaubt es, auf unterschiedliche Gegner zu reagieren, ohne die Grundprinzipien aufzugeben.

Herausforderungen und Anpassungsprozesse

Trotz der positiven Bilanz bleibt die Umstellung ein kontinuierlicher Lernprozess. Nicht alle Spieler haben sich gleich schnell an die neuen Anforderungen angepasst.

Positionswettbewerb: Mit drei Innenverteidigern gibt es mehr Konkurrenzkampf in diesem Bereich. Spieler, die zuvor gesetzt waren, müssen nun um ihre Position kämpfen. Dies kann zu Unzufriedenheit führen, erhöht aber auch die Leistungsbereitschaft.

Konditionelle Anforderungen: Die Flügelspieler müssen enorme Laufarbeit leisten. Über eine gesamte Saison kann dies zu Ermüdungserscheinungen führen. Kovač benötigt ausreichend Tiefe im Kader, um Rotation zu ermöglichen.

Spielphilosophie-Wandel: Dortmund stand lange für offensiven, risikoreichen Fußball. Die neue Ausrichtung ist pragmatischer und kontrollorientierter. Nicht alle Fans begrüßen diesen Wandel, auch wenn die Ergebnisse stimmen.

Taktischer Ausblick

Die Systemumstellung ist mehr als eine kurzfristige Lösung. Sie könnte die taktische DNA Dortmunds nachhaltig prägen.

Kadererplanung: Zukünftige Transfers werden sich an den Anforderungen des Systems orientieren müssen. Spieler mit spezifischen Profilen für die Flügelverteidiger-Position oder vielseitige Innenverteidiger rücken in den Fokus.

Taktische Evolution: Das System bietet Raum für weitere Entwicklung. Je besser die Spieler die Mechanismen verinnerlichen, desto variabler kann Kovač agieren. Hybridformationen und situative Anpassungen während des Spiels werden zunehmen.

Europäischer Vergleich: Dortmunds neue Spielweise ähnelt erfolgreichen Modellen anderer europäischer Topklubs. Die Dreierkette ist in der modernen Taktiklandschaft etabliert und hat sich auf höchstem Niveau bewährt.

Fazit

Die Umstellung auf das 3-4-2-1- respektive 3-4-3-System unter Niko Kovač ist eine der konsequentesten taktischen Neuausrichtungen, die Borussia Dortmund in den letzten Jahren erlebt hat. Was als Notwendigkeit aufgrund struktureller Kaderprobleme begann, entwickelt sich zu einer tragfähigen, erfolgreichen Spielphilosophie.

Die Dreierkette löst gleich mehrere Probleme gleichzeitig. Sie kompensiert das Fehlen eines klassischen defensiven Mittelfeldspielers, bietet bessere Absicherung bei offensiven Außenverteidigern und schafft gleichzeitig mehr Freiheiten im Offensivspiel. Die bisherige Erfolgsbilanz mit der neuen Formation und die Champions-League-Qualifikation belegen die Wirksamkeit des Ansatzes.

Natürlich bleibt die Umstellung ein kontinuierlicher Prozess. Nicht alle Spieler haben sich gleich schnell angepasst, und die konditionellen Anforderungen an bestimmte Positionen sind enorm. Doch die Grundarchitektur stimmt, und mit zunehmender Erfahrung wird das System noch effektiver werden.

Kovač hat bewiesen, dass er bereit ist, mutige taktische Entscheidungen zu treffen und diese konsequent umzusetzen. Für Dortmund könnte diese Spielphilosophie der Schlüssel sein, um nachhaltig auf höchstem nationalen und internationalen Niveau zu konkurrieren. Die taktische Revolution am Signal Iduna Park ist in vollem Gang – und die ersten Ergebnisse sind vielversprechend.