Leverkusens Kaderumbau nimmt Fahrt auf – Diese 5 Transfers verändern Alonsos System radikal
6 Min. LesezeitDer Meistertitel 2024, die ungeschlagene Saison unter Xabi Alonso und der anschließende Abgang des Startrainers zu Real Madrid haben bei Bayer Leverkusen tiefe Spuren hinterlassen. Doch anstatt in ein taktisches Vakuum zu fallen, hat die Werkself unter Kasper Hjulmand einen Kaderumbau initiiert, der die Grundideen des Alonso-Systems aufgreift und gleichzeitig radikal modernisiert. Die fünf zentralen Transfers der Saison 2025/26 zeigen eine klare Linie: mehr Dynamik im Aufbau, mehr Vertikalität im Spiel nach vorne und eine defensive Stabilität, die auch in der Champions League Bestand haben soll.
Wir analysieren die fünf Schlüsseltransfers und zeigen auf, wie sie das taktische Gefüge bei Leverkusen grundlegend verändern.
Die Transferoffensive im Überblick
Leverkusens Kaderplanung folgte nach Alonsos Abgang einer klaren Strategie: Junge, entwicklungsfähige Spieler mit europäischer Erfahrung sollten das Gerüst bilden, während gezielt Bundesliga-erfahrene Profis die Stabilität garantieren. Die Investitionssumme von über 70 Millionen Euro unterstreicht den Anspruch, auch ohne Alonso auf höchstem Niveau zu agieren.

| Spieler | Position | Ablösesumme | Herkunft | Alter |
|---|---|---|---|---|
| Malik Tillman | Offensives Mittelfeld | 35,1 Mio. € | PSV Eindhoven | 24 |
| Mark Flekken | Torwart | 12,5 Mio. € | Brentford | 32 |
| Loïc Badé | Innenverteidiger | 15,0 Mio. € | FC Sevilla | 25 |
| Jarell Quansah | Innenverteidiger | 8,5 Mio. € | Liverpool | 22 |
| Ibrahim Maza | Offensives Mittelfeld | 4,2 Mio. € | Hertha BSC | 19 |
Transfer 1: Malik Tillman revolutioniert das Mittelfeldzentrum
Der teuerste Transfer dieser Umbauphase sollte ursprünglich Erik ten Hags niederländische Verbindung stärken. Doch auch nach dessen schnellem Aus erwies sich Tillman als Volltreffer. Der 24-Jährige bringt genau das mit, was dem Alonso-System in Hochdruckphasen gelegentlich fehlte: körperliche Präsenz gepaart mit technischer Finesse.
Bei PSV Eindhoven erzielte Tillman in der Vorsaison 18 Torbeteiligungen in 31 Eredivisie-Spielen. Seine Stärke liegt in der Raumbesetzung zwischen den Linien. Während Alonso häufig mit Florian Wirtz und Granit Xhaka ein eher ballbesitzorientiertes Mittelfeld formte, bringt Tillman vertikale Läufe in die Box und Abschlussstärke aus der zweiten Reihe.
Unter Hjulmand agiert Tillman in einem flexiblen 4-2-3-1-System als Achter mit Freiheiten, sich ins letzte Drittel zu verschieben. Seine Passquote von 88 Prozent in den ersten Saisonmonaten zeigt: Er kann nicht nur zerstören und erobern, sondern auch das Spiel strukturieren. Das war ein zentrales Kriterium für Sportdirektor Simon Rolfes, der betonte, dass die Post-Alonso-Ära kein taktischer Bruch sein dürfe.
Transfer 2: Mark Flekken als moderne Nummer Eins
Die Verpflichtung von Mark Flekken wirkte auf den ersten Blick überraschend. Matěj Kovář hatte in der Vorsaison solide Leistungen gezeigt, doch Hjulmand wollte einen Torwart, der das Spiel von hinten aktiv gestalten kann. Flekken bringt genau diese Qualität mit.

Der 32-jährige Niederländer kommt von Brentford, wo er sich in der Premier League als einer der besten Ballverteiler unter den Torhütern etabliert hatte. Seine durchschnittliche Passweite von 38 Metern und eine Passgenauigkeit von 82 Prozent bei langen Bällen machen ihn zum idealen Baustein für das Umschaltspiel. Alonsos System baute stark auf kontrolliertem Aufbau über die Außenverteidiger – Flekken erweitert diese Option um präzise lange Bälle auf die Flügel oder direkt in die Spitze.
Seine Paraden-Quote von 74 Prozent in der Bundesliga nach 20 Spieltagen unterstreicht zudem: Flekken ist nicht nur ein guter Fußballer, sondern auch ein verlässlicher Rückhalt. Gerade in Spielen gegen Top-Teams, in denen Leverkusen nach Ballverlusten schnell unter Druck gerät, hat sich diese Investition bereits ausgezahlt.
Transfer 3 und 4: Badé und Quansah stabilisieren die Defensive
Die Doppelverpflichtung von Loïc Badé und Jarell Quansah zeigt, wie ernst Leverkusen die defensive Anfälligkeit aus der Vorsaison nimmt. Unter Alonso kassierte die Werkself zwar nur 24 Gegentore in der Meistersaison 2023/24, doch in der darauffolgenden Spielzeit unter wechselnden Trainern stieg diese Zahl auf 38.
Badé bringt La-Liga-Erfahrung und physische Robustheit mit. Der 25-jährige Franzose gewann mit dem FC Sevilla 68 Prozent seiner Zweikämpfe und zeigte sich besonders stark im Eins-gegen-Eins gegen schnelle Stürmer. In Leverkusens hochstehender Verteidigung übernimmt er die Rolle des Absicherers, der große Räume im Rücken kontrollieren kann.
Quansah hingegen ist der typische moderne Innenverteidiger: stark am Ball, passsicher (91 Prozent Passquote) und mit ausgeprägtem Spielverständnis. Der 22-Jährige aus Liverpools Akademie bringt Premier-League-Mentalität mit und hat sich trotz seines jungen Alters bereits als Führungsspieler etabliert. Seine Fähigkeit, das Spiel von hinten zu eröffnen, erinnert an Jonathan Tahs Qualitäten – nur mit mehr Dynamik und Antizipation.
Gemeinsam bilden Badé und Quansah ein komplementäres Duo: Kraft trifft auf Eleganz, Erfahrung auf Entwicklungspotenzial. Hjulmand rotiert je nach Gegner zwischen beiden oder setzt sie zusammen ein. Diese Flexibilität war unter Alonso so nicht möglich.
Transfer 5: Ibrahim Maza als Juwel für die Zukunft
Ibrahim Maza ist der Transfer mit dem größten Überraschungsfaktor. Der 19-Jährige kam im Januar 2025 für überschaubare 4,2 Millionen Euro von Hertha BSC – und hat sich binnen eines Jahres zum Stammspieler entwickelt. Seine Statistiken lesen sich beeindruckend: neun Torbeteiligungen in 18 Bundesliga-Einsätzen, eine Dribbling-Erfolgsquote von 64 Prozent und durchschnittlich 2,8 Chancen kreiert pro 90 Minuten.
Maza spielt bevorzugt auf dem linken Flügel, kann aber auch zentral hinter der Spitze agieren. Seine Schnelligkeit, sein enger Ballkontakt und seine Unberechenbarkeit im Eins-gegen-Eins machen ihn zu einem wertvollen Aktivposten im letzten Drittel. Während Alonsos System oft auf strukturierte Angriffe setzte, bringt Maza das Element der Improvisation zurück – eine Qualität, die auch schon Moussa Diaby verkörperte.
Sportdirektor Rolfes bezeichnete Maza als "einen der größten Talente des deutschen Fußballs". Die Integration ins Startelfsystem verlief reibungslos, weil Hjulmand ihm taktische Freiheiten gibt und ihn nicht in starre Muster zwängt. Das schafft genau jene Balance zwischen Struktur und Kreativität, die Leverkusen auch in der Champions League wettbewerbsfähig hält.
Taktische Integration und Systemveränderung
Die fünf Transfers haben das taktische Gesicht Leverkusens verändert, ohne Alonsos Grundprinzipien zu verraten. Hjulmand setzt weiterhin auf hohe Ballbesitzwerte (durchschnittlich 61 Prozent), kombiniert dies aber mit mehr Direktheit. Die Expected-Goals-Werte stiegen von 1,9 auf 2,3 pro Spiel – ein klares Indiz für erhöhte Offensivgefahr.

Defensiv zeigt sich ebenfalls Fortschritt: Die Expected Goals Against sanken von 1,4 auf 1,1, was vor allem auf die stabilere Innenverteidigung und Flekkens Paraden zurückzuführen ist. Leverkusen lässt pro Spiel nur noch 8,2 Torschüsse zu (zuvor 10,7), was auf besseres Gegenpressing und kompaktere Räume hindeutet.
Die größte Veränderung liegt im Umschaltspiel. Mit Tillmans Läufen, Mazas Tempo und Flekkens langen Bällen verfügt Leverkusen nun über mehrere Optionen, schnell von der Defensive in den Angriff zu wechseln. Alonsos System war brillant im Positionsspiel, aber manchmal zu kalkulierbar gegen tief stehende Gegner. Hjulmands Variante bietet mehr Überraschungsmomente.
Die Rolle von Sportdirektor Simon Rolfes
Hinter dieser Transferstrategie steht Simon Rolfes, der bewiesen hat, dass Leverkusen auch ohne Alonso eine klare Vision verfolgt. Rolfes betonte in Interviews, dass es nie darum ging, Alonsos System zu kopieren, sondern dessen Philosophie weiterzuentwickeln. Die Auswahl der fünf Transfers zeigt Weitsicht: Alle Spieler sind unter 26 Jahren (bis auf Flekken), alle bringen internationale Erfahrung mit und alle passen ins Anforderungsprofil moderner Fußball-Taktik.
Rolfes' Strategie zahlt sich aus: Leverkusen liegt nach 23 Spieltagen auf Platz zwei der Bundesliga und hat sich souverän für das Achtelfinale der Champions League qualifiziert. Die Transfers haben nicht nur die Qualität erhöht, sondern auch die Kaderdichte – ein entscheidender Faktor für die Dreifachbelastung.
Fazit
Leverkusens Kaderumbau ist mehr als eine Reaktion auf Alonsos Abgang – er ist ein Statement. Die fünf Schlüsseltransfers zeigen, dass die Werkself gewillt ist, auf höchstem Niveau zu agieren und dabei einen eigenen taktischen Weg zu gehen. Tillman bringt Dynamik ins Zentrum, Flekken revolutioniert das Spiel von hinten, Badé und Quansah stabilisieren die Defensive und Maza sorgt für kreative Momente.
Unter Kasper Hjulmand hat sich ein System entwickelt, das Alonsos Erbe ehrt, aber nicht darin verharrt. Die Mischung aus strukturiertem Positionsspiel und vertikaler Direktheit macht Leverkusen unberechenbarer und gefährlicher. Die Statistiken belegen den Fortschritt, die Ergebnisse bestätigen die Richtung.
Ob dieser Weg am Saisonende erneut zur Meisterschaft führt, wird sich zeigen. Sicher ist: Leverkusen hat bewiesen, dass ein Kaderumbau auch eine Chance sein kann – wenn er klug geplant und konsequent umgesetzt wird.
