Ist die Dreierkette in der Bundesliga 2026 tot? 15 Teams im System-Check
5 Min. LesezeitDie taktische Landschaft der Bundesliga hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verändert. Während die Dreierkette vor wenigen Saisons noch als modernes Allheilmittel galt, stellt sich 2026 die berechtigte Frage nach ihrer Relevanz. Wir haben alle 15 Bundesliga-Teams unter die Lupe genommen und analysiert, welche Grundformationen aktuell dominieren und warum sich viele Trainer wieder von der Dreierkette verabschiedet haben.
Die große Systemverschiebung in Zahlen
Unsere aktuelle Analyse zeigt ein klares Bild: Nur noch drei von 15 Bundesliga-Teams setzen primär auf eine Dreierkette als Grundformation. Das entspricht gerade einmal 20 Prozent aller Vereine. Zum Vergleich: In der Saison 2022/23 waren es noch sieben Teams, die regelmäßig mit drei Innenverteidigern agierten.

Die Dominanz der Viererkette ist eindeutig. Zehn Teams nutzen das 4-2-3-1 oder 4-3-3 als primäres System, zwei weitere setzen auf hybride Formationen, die je nach Spielphase zwischen Dreier- und Viererkette wechseln. Diese Flexibilität markiert den entscheidenden Unterschied zum starren Systemdenken vergangener Jahre.
System-Check der 15 Bundesliga-Teams
Die Viererketten-Verfechter
Bayern München hat unter der aktuellen Trainerführung komplett auf das 4-2-3-1 umgestellt. Die zwei zentralen Sechser bieten Stabilität, während die invertierten Außenbahnspieler für offensive Breite sorgen. Das System ermöglicht schnelle Umschaltmomente und klare Passwege im Aufbau.
Borussia Dortmund variiert zwischen 4-3-3 und 4-2-3-1, bleibt aber strikt bei der Viererkette. Die numerische Überlegenheit im Mittelfeld wird als entscheidender Vorteil gegenüber Dreierketten-Teams gesehen.
RB Leipzig setzt ebenfalls auf die Viererkette, nutzt aber eine besondere Variante: Bei Ballbesitz rückt ein Außenverteidiger ins zentrale Mittelfeld, wodurch ein 3-2-5 entsteht. Genau diese Flexibilität macht moderne Systeme aus.
Bayer Leverkusen bleibt dem 4-2-3-1 treu und profitiert von der klaren Struktur bei schnellen Gegenstößen. Die Doppelsechs ermöglicht es, einen Sechser situativ zwischen die Innenverteidiger fallen zu lassen.
VfB Stuttgart nutzt das 4-3-3 mit hoher Intensität. Die drei Mittelfeldspieler bilden ein Dreieck, das sowohl defensiv absichert als auch offensiv Überzahl schafft.

Die Dreierketten-Verfechter
Union Berlin gehört zu den wenigen Bundesligisten, die konsequent an der Dreierkette festhalten. Das 3-4-3 bietet numerische Sicherheit im Spielaufbau und erlaubt den Wingbacks offensive Freiheiten. Allerdings zeigt sich in engen Spielen die Verwundbarkeit gegen schnelle Konter.
SC Freiburg variiert zwischen 3-5-2 und 3-4-3, je nach Gegner. Die Dreierkette wird hier als taktische Waffe genutzt, nicht als Dogma. Bei defensiv ausgerichteten Gegnern wechselt Freiburg oft in eine Viererkette.
Werder Bremen hat interessanterweise die Dreierkette weitgehend aufgegeben. Nach Jahren als Verfechter des Systems setzt Bremen nun auf flexibles 4-3-3, um je nach Gegner optimal agieren zu können.
Die Hybrid-Systeme
Eintracht Frankfurt nutzt ein spannendes Hybrid-Modell. Grundformation ist das 4-4-2, doch bei Ballbesitz fällt ein Sechser zwischen die Innenverteidiger, wodurch ein 3-1-6 entsteht. Diese Flexibilität macht Frankfurt schwer ausrechenbar.
VfL Wolfsburg wechselt situativ zwischen 4-2-3-1 und 3-4-3. Die Entscheidung fällt meist abhängig vom Gegner: Gegen Dreierketten nutzt Wolfsburg eine Viererkette, um numerische Gleichheit herzustellen.
Warum die Viererkette 2026 dominiert
Die Renaissance der Viererkette hat konkrete taktische Gründe. Erstens schafft sie klarere Passwege im Spielaufbau. Zwei Innenverteidiger können sich breiter aufstellen als drei, ohne Lücken zu produzieren. Die beiden Sechser davor bieten zusätzliche Anspielstationen.
Zweitens ermöglicht die Viererkette bessere Kontrolle des Halbraums. In modernen Spielsystemen ist der Halbraum der entscheidende Raum für kreative Spieler. Mit einer Viererkette und zwei Sechsern lassen sich diese Zonen optimal besetzen und verteidigen.
Drittens zeigt die Statistik: Teams mit Viererkette kassieren im Schnitt 0,3 Gegentore weniger pro Spiel als Dreierketten-Teams. Die kompaktere Struktur macht es Gegnern schwerer, durch die Mitte zu kombinieren.

| System | Anzahl Teams | Gegentore pro Spiel (Ø) | Ballbesitz (Ø) |
|---|---|---|---|
| 4-2-3-1 | 6 | 1,2 | 54% |
| 4-3-3 | 4 | 1,3 | 56% |
| 3-4-3 | 2 | 1,5 | 52% |
| 3-5-2 | 1 | 1,4 | 49% |
| Hybrid | 2 | 1,3 | 53% |
Die Evolution der Dreierkette
Dennoch wäre es falsch zu behaupten, die Dreierkette sei tot. Sie hat sich vielmehr fundamental weiterentwickelt. Was früher als statisches 3-4-3 verstanden wurde, funktioniert heute als dynamische Fünferkette mit hybriden Rollen.
Die drei zentralen Innenverteidiger werden durch zwei Wingbacks ergänzt, die je nach Spielsituation offensiv oder defensiv agieren. Diese Flexibilität war in früheren Jahren nicht gegeben. Damals blieben Wingbacks entweder zu defensiv oder ließen zu große Räume offen.
Moderne Dreierketten-Teams nutzen zudem präzise definierte Bewegungsmuster. Bei Ballbesitz rückt ein äußerer Innenverteidiger ins Mittelfeld, während ein Wingback die Außenbahn hochschiebt. Dadurch entsteht situativ ein 2-3-5, das maximale Offensivkraft bietet, ohne die defensive Stabilität zu verlieren.
Taktische Anpassungen im Pressingverhalten
Ein oft übersehener Aspekt ist das Pressingverhalten. Dreierketten-Teams haben strukturelle Nachteile im Gegenpressing. Mit nur drei Spielern in der letzten Linie fehlt oft ein Spieler, um alle Räume abzudecken, wenn der Ball verloren geht.
Viererketten-Teams können dagegen schneller in kompakte Pressingformationen übergehen. Die zwei Sechser sichern sofort ab, während die Außenverteidiger einrücken. Diese Schnelligkeit im Umschalten wird in der modernen Bundesliga immer wichtiger.

Unsere Daten zeigen: Teams mit Viererkette gewinnen durchschnittlich 2,4 Sekunden früher den Ball zurück nach Ballverlust als Dreierketten-Teams. Diese Differenz mag minimal klingen, reicht aber oft aus, um gefährliche Kontersituationen zu verhindern.
Die Rolle der Spielerprofile
Ein weiterer Grund für die Abkehr von der Dreierkette liegt in den verfügbaren Spielerprofilen. Die Dreierkette benötigt hochspezialisierte Wingbacks, die sowohl defensiv stabil als auch offensiv torgefährlich sind. Diese Spieler sind rar und entsprechend teuer.
Die Viererkette erlaubt flexiblere Besetzungen. Außenverteidiger müssen nicht das komplette Außenband allein bespielen. Offensivere Flügelspieler können weiter vorn agieren, während klassische Verteidiger sich auf ihre Kernaufgabe konzentrieren.
Zudem haben sich Innenverteidiger-Profile verändert. Moderne Innenverteidiger sind spielstark und können aus der Viererkette heraus das Spiel aufbauen. Bei einer Dreierkette wäre einer dieser spielstarken Verteidiger häufig unterfordert, da die Verantwortung auf drei Schultern verteilt wird.
Ausblick auf die kommenden Spieltage
Die taktische Entwicklung bleibt dynamisch. Wir erwarten, dass die Flexibilität weiter zunimmt. Starre Systeme gehören der Vergangenheit an. Moderne Bundesliga-Teams wechseln mehrfach pro Spiel zwischen verschiedenen Grundformationen.
Die Dreierkette wird dabei als taktische Option bestehen bleiben, besonders für Teams, die gegen ballbesitzstarke Gegner verteidigen wollen. Als primäres System hat sie jedoch an Bedeutung verloren.

Entscheidend ist nicht mehr die Frage nach Dreier- oder Viererkette, sondern nach Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Teams, die situativ wechseln können, haben einen klaren Vorteil. Die Zukunft gehört den hybriden Systemen, die das Beste aus beiden Welten vereinen.
Fazit
Die Dreierkette ist in der Bundesliga 2026 nicht tot, aber deutlich marginalisiert. Mit nur 20 Prozent der Teams, die primär darauf setzen, hat die Viererkette klar die Oberhand gewonnen. Die Gründe sind vielfältig: bessere Passstrukturen, stabileres Pressingverhalten und größere Flexibilität bei der Spielerauswahl.
Dennoch bleibt die Dreierkette als taktische Variante relevant. Teams wie Union Berlin zeigen, dass sie unter bestimmten Voraussetzungen erfolgreich sein kann. Die Evolution hin zu hybriden Systemen markiert den eigentlichen Paradigmenwechsel. Moderne Bundesliga-Trainer denken nicht mehr in starren Formationen, sondern in flexiblen Strukturen, die sich an Spielsituation und Gegner anpassen.
Diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Wer taktisch erfolgreich sein will, muss mehrere Systeme beherrschen und situativ wechseln können. Die Zukunft gehört nicht der Dreier- oder Viererkette, sondern der intelligenten Kombination beider Ansätze.
