Markt- & Quotenanalyse
In 1.278 Bundesligaspielen war das Remis nie der Favorit
Inhaltlich überarbeitet: 22.10.2026

In 1.278 untersuchten Bundesligaspielen war die Preiswahrscheinlichkeit des Remis nie die höchste der drei möglichen Ausgänge. Ihr Spitzenwert lag bei 32,3 Prozent – knapp ein Drittel.
Die Auswertung umfasst vier vollständige Spielzeiten von 2022/23 bis 2025/26 sowie 54 Spiele der laufenden Saison 2026/27 bis zum 18.10.2026. Verglichen wurden die Endergebnisse mit Wahrscheinlichkeiten, die aus den durchschnittlichen Schlussquoten abgeleitet wurden.
Was die 32,3 Prozent bedeuten – und was nicht
Eine Dezimalquote und eine Wahrscheinlichkeit sind verschiedene Werte. Die Quote 2,91 ist keine Wahrscheinlichkeit von 2,91 Prozent; ihr einfacher Kehrwert entspricht rund 34,4 Prozent. Werden die Kehrwerte der drei Ausgänge durch ihre Summe geteilt, ergibt sich für das Remis in diesem Spiel eine normierte Preiswahrscheinlichkeit von 32,3 Prozent.
Der höchste Wert der Stichprobe trat beim Spiel FC St. Pauli gegen Hamburger SV am 23.01.2026 auf, mit Quoten von 2,81 für den Heimsieg, 2,91 für das Remis und 2,75 für den Auswärtssieg. Am anderen Ende lag Bayern München gegen 1. FC Union Berlin am 18.09.2026: Bei 1,03 auf den Heimsieg, 18,00 auf das Remis und 40,23 auf den Auswärtssieg ergibt sich eine normierte Preiswahrscheinlichkeit von 5,3 Prozent für das Remis. Der Median – der mittlere Wert, wenn alle Werte der Größe nach sortiert sind – lag bei 25,0 Prozent.
Die Prozentzahl beschreibt, wie der Preis im Verhältnis zu den beiden anderen Ausgängen eingeordnet wird. Sie ist keine unabhängige Messung der tatsächlichen Chance auf ein Remis. Mehr dazu findest du im Lexikoneintrag zur impliziten Wahrscheinlichkeit.
Warum das Remis in dieser Stichprobe nie der Favorit war
Genau genommen war es in diesen Daten nie Favorit; grundsätzlich ausgeschlossen ist das aber nicht. Bei einem Drei-Wege-Markt muss die Remis-Preiswahrscheinlichkeit höher sein als die für Heimsieg und Auswärtssieg. Dass es zwei konkurrierende Ausgänge gibt, macht das anspruchsvoller, aber nicht unmöglich.
In der untersuchten Stichprobe war der Remis-Wert in keinem der 1.278 Spiele der höchste der drei Werte. Nur 20 Spiele erreichten für das Remis mindestens 30 Prozent. Das Ergebnis beschreibt die gezählten Partien. Es belegt weder eine Absicht noch eine Manipulation bei der Preisbildung.
Erwartet und beobachtet über vier Preisbänder
Für jedes Spiel wurde die normierte Preiswahrscheinlichkeit des Remis einem Band zugeordnet. Die erwarteten Remis ergeben sich aus der Summe dieser Wahrscheinlichkeiten im jeweiligen Band. Sie können daher Dezimalwerte haben. Die beobachtete Zahl zählt dagegen tatsächliche Remis.
| Preiswahrscheinlichkeit | Spiele | erwartete Remis | beobachtete Remis (Anteil) |
|---|---|---|---|
| Unter 22 Prozent | 379 | 65,1 | 71 (18,7 Prozent) |
| 22 bis unter 25 Prozent | 258 | 61,0 | 64 (24,8 Prozent) |
| 25 bis unter 28 Prozent | 502 | 132,9 | 139 (27,7 Prozent) |
| 28 Prozent und mehr | 139 | 40,3 | 45 (32,4 Prozent) |
Im obersten Band ist der Abstand zwischen erwartetem und beobachtetem Anteil am größten: rund 3,4 Prozentpunkte. Das Band umfasst 139 Spiele; für den beobachteten Anteil liegt das Wilson-95-Prozent-Intervall bei 25,2 bis 40,5 Prozent. Dieses Intervall beschreibt die statistische Unsicherheit des Anteils und ist kein Versprechen für künftige Spiele.
Wie groß die Abweichung wirklich ist
Über alle Spiele hinweg wurden 319 Remis gezählt. Das entspricht 24,96 Prozent; das Wilson-95-Prozent-Intervall reicht von 22,7 bis 27,4 Prozent. Aus den Quoten ergeben sich insgesamt 299,3 erwartete Remis oder 23,42 Prozent. Die Differenz beträgt 1,54 Prozentpunkte.
Die Intervallgrenzen sind hier rein rechnerisch aus der Zahl der Spiele abgeleitet. Dass dieselben Teams über mehrere Saisons immer wieder gegeneinander spielen und die einzelnen Spiele deshalb nicht völlig unabhängig voneinander sind, wird dabei nicht gesondert modelliert. Die Intervalle sind damit eine Orientierung, kein Beweis für oder gegen eine Vorhersagbarkeit künftiger Spiele.
Bei 1.278 Spielen liegt die einfache Standardunsicherheit eines Anteils von 25 Prozent bei rund 1,2 Prozentpunkten. Die beobachtete Abweichung ist damit etwa das 1,3-Fache dieser einfachen Unsicherheit. Sie ist in dieser Stichprobe kein belastbarer Nachweis für eine Verzerrung, sondern ein Hinweis, den die Daten allein nicht abschließend erklären.
Auch die Saisonwerte schwanken: Der beobachtete gegenüber dem erwarteten Remis-Anteil lag 2022/23 bei 24,5 zu 24,1 Prozent, 2023/24 bei 26,5 zu 22,7, 2024/25 bei 25,2 zu 23,4 und 2025/26 bei 24,5 zu 23,8 Prozent. Für 2026/27 waren bis zum Datenstand 54 Spiele enthalten; hier betrugen die Werte 20,4 zu 21,6 Prozent.
Ein früherer Artikel vom 14.10. vergleicht fünf europäische Ligen anhand von 8.908 Spielen und betrachtet den jeweiligen Gesamtwert. Die vorliegende Auswertung stellt dagegen für eine Liga die Frage, ob das Remis überhaupt die höchste der drei normierten Preiswahrscheinlichkeiten war — also der kleinste der drei Quotenwerte — und wie die Abweichungen über einzelne Preisbänder verteilt sind. Diese andere Perspektive ergänzt den Fünf-Ligen-Vergleich.
Was du daraus für die Einordnung mitnimmst
Eine Dezimalquote um 3,80 entspricht als einfacher Kehrwert etwa 26 Prozent – grob einem Viertel, nicht 3,80 Prozent. Nach der Normierung über die drei Ausgänge kann die Preiswahrscheinlichkeit etwas niedriger liegen. Wie genau, hängt auch von den beiden anderen Quoten ab.
Ein einzelnes Remis bleibt einer von drei möglichen Ausgängen. Aus diesen rückblickenden Zahlen folgt weder eine Empfehlung noch eine passende Einsatzhöhe oder ein nachgewiesener Wettvorteil. Hinweise, wie du Zahlen und ihre Grenzen einordnest, bietet unser Beitrag Zahlen verstehen.
Grenzen dieser Auswertung
Die Analyse betrifft nur die 1. Bundesliga: vier vollständige Spielzeiten und 54 Spiele der laufenden Saison bis zum 18.10.2026. Verwendet wurden durchschnittliche Schlussquoten eines Datenaggregators, nicht die Preise eines einzelnen Anbieters. Die Normierung der drei Kehrwerte verteilt den rechnerischen Aufschlag proportional. Das ist eine Rechenannahme, keine Messung der tatsächlichen Marge für jeden Ausgang.
Die Auswertung enthält keine Aufstellungs-, Verletzungs-, Wetter- oder Marktbewegungsdaten. Sie zählt Ergebnisse im Nachhinein und erstellt keine Prognose. In kleinen Gruppen können einzelne Spiele die Prozentwerte stärker verändern; die Ergebnisse lassen sich außerdem nicht ohne Weiteres auf andere Ligen übertragen.
Quellen & Datenstand
Quelle der Ergebnisse und Quoten ist football-data.co.uk, Deutschland. Verwendet wurden die Dateien D1 2022/23, D1 2023/24, D1 2024/25, D1 2025/26 und D1 2026/27. Die Datenfelder und den Zusatz „C“ für Schlussquoten erläutern die Datenhinweise von football-data.co.uk.
Eigene Berechnung aus 1.278 Spielen mit vollständigem Endergebnis (FTR) sowie durchschnittlichen Schlussquoten AvgCH, AvgCD und AvgCA. Die Einheit der Quoten ist Dezimalquote. Für jeden Ausgang wurde der Kehrwert der Quote gebildet und anschließend durch die Summe der drei Kehrwerte geteilt; so wird der rechnerische Buchmacher-Aufschlag proportional herausgerechnet. Datenstand: 22.10.2026. Das Wilson-Intervall dient zur Einordnung der Stichprobenunsicherheit.