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Dortmunds Kader-Problem in 5 Minuten erklärt – zwischen Talent-Überfluss und fehlender Balance

6 Min. Lesezeit

Borussia Dortmund steckt in einer paradoxen Situation. Der Klub, der jahrelang als Talentschmiede Europas galt, ringt mit einem Kader-Problem, das sich nicht mit einem Schlagwort erklären lässt. Es geht nicht nur um fehlende Qualität. Auch nicht nur um mangelnde Tiefe. Das eigentliche Drama spielt sich in einer strukturellen Schieflage ab, die den BVB von beiden Seiten unter Druck setzt.

Wir schauen uns an, wie ein Verein mit internationalen Ambitionen gleichzeitig zu alt und zu unreif wirken kann. Die Antwort liegt in einem Spagat, der zunehmend zum Grätschsprung wird.

Die Altlasten-Problematik überbezahlter Routiniers

Niklas Süle, Emre Can, Julian Brandt. Namen, die für Erfahrung und Bundesliga-Klasse stehen. Auf dem Papier bilden sie das Rückgrat einer Mannschaft, die um Titel mitspielen sollte. In der Realität sind sie zum Symbol einer verfehlten Kaderpolitik geworden.

Das Management hat es offen ausgesprochen: Diese Spieler verdienen überproportional viel für Leistungen, die zu inkonstant ausfallen. Süle, einst als Abwehrchef geholt, zeigt Phasen, in denen seine Körpersprache Gleichgültigkeit ausstrahlt. Can kämpft mit der Balance zwischen Führungsspieler und Ballverlustgarant. Brandt blitzt in einzelnen Spielen auf, verschwindet dann wieder für Wochen in der Bedeutungslosigkeit.

BVB-Spieler auf Trainingsplatz symbolisieren Dortmunds Gehaltsproblem bei alternden Profis

Die Verträge dieser Spieler laufen 2026 aus. Das bedeutet: Der BVB sitzt auf hochbezahlten Assets, die er nicht mehr gewinnbringend verkaufen kann. Keine Ablöse. Keine Verhandlungsmasse. Nur Gehälter, die das Budget belasten, während die Leistung auf dem Platz schwankt wie ein Aktienkurs im freien Fall.

Diese finanzielle Fehlallokation bindet Ressourcen, die an anderer Stelle dringend gebraucht würden. Jeder Euro, der in überteuerte Verträge fließt, fehlt bei der Verpflichtung neuer Verstärkungen oder der Entwicklung eigener Talente.

Der Exodus der vielversprechendsten Juwelen

Parallel zur Altlasten-Problematik verliert Dortmund seine wertvollsten Zukunftsbausteine. Jadon Bynoe-Gittens zog es nach London. Chukwuemeka wechselte zu Chelsea. Moukoko entschied sich für Kopenhagen. Drei Talente, in die der Verein Zeit und Geld investiert hatte. Drei Spieler, die als Teil der Lösung gedacht waren.

Der Verlust geht über den sportlichen Aspekt hinaus. Diese Spieler repräsentierten den Kern der Dortmunder DNA – junge, hungrige Fußballer, die sich beim BVB zur nächsten Entwicklungsstufe aufschwingen wollten. Ihr Weggang sendet ein Signal: Selbst die eigenen Talente sehen ihre Zukunft woanders.

Was bleibt, ist ein Kader, dem die natürliche Balance fehlt. Zwischen den alternden Leistungsträgern und den U19-Spielern klafft eine Lücke. Die Generation dazwischen, die als Brücke fungieren sollte, ist dünn besetzt oder bereits abgewandert.

Disziplinprobleme bei den Verbleibenden

Die Geschichte von Julien Duranville und Cole Campbell zeigt, wie tief das Problem reicht. Beide gelten als hochtalentiert. Beide wurden aus dem Kader gestrichen. Nicht wegen mangelnder Qualität, sondern wegen mangelnder Einstellung.

Duranville erschien verspätet zum Training. In einer Situation, in der der BVB jeden verfügbaren Spieler braucht, kann sich der Verein solche Attitüden nicht leisten. Campbell zeigte sich mehrfach lustlos, seine Körpersprache im Training ließ Fragen offen. Die Konsequenz: Beide blieben außen vor, obwohl Personalengpässe herrschten.

Junge Talente verlassen BVB-Akademie und zeigen Dortmunds Nachwuchsproblem

Diese Vorfälle offenbaren ein strukturelles Problem. Wenn junge Spieler nicht begreifen, welches Privileg es bedeutet, für einen Champions-League-Klub zu spielen, liegt das auch an der fehlenden Vorbildfunktion im Team. Die älteren Spieler, die als Orientierung dienen sollten, liefern selbst keine konstanten Leistungen. Warum sollten die Jungen dann Disziplin zeigen?

Die Vereinsführung reagierte hart. Richtig so. Aber die Tatsache, dass es überhaupt zu solchen Maßnahmen kommen musste, zeigt die Tiefe der Krise. Ein gesunder Kader reguliert sich selbst. Die Hierarchie funktioniert. Die Werte werden vorgelebt. In Dortmund ist diese Selbstregulierung offenbar zusammengebrochen.

Die finanzielle Zwickmühle außerhalb Europas

Der sportliche Absturz hat direkte finanzielle Konsequenzen. Dortmund rangiert derzeit außerhalb der europäischen Plätze. Das bedeutet nicht nur einen Imageschaden. Es bedeutet fehlende Einnahmen aus dem internationalen Geschäft.

Champions League, Europa League, Conference League – jeder dieser Wettbewerbe spült Millionen in die Kassen. Geld, das für Transfers, Gehälter und Infrastruktur eingeplant wird. Bleibt der BVB außen vor, fehlt diese Planungssicherheit. Die Verantwortlichen können nicht groß investieren, weil sie nicht wissen, ob das Geld nächstes Jahr überhaupt da sein wird.

Diese Unsicherheit lähmt. Potenzielle Neuverpflichtungen wollen Garantien. Welcher Top-Spieler wechselt zu einem Klub, der möglicherweise nicht international spielt? Welcher Berater empfiehlt seinem Klienten einen Verein in der Krise?

Die Spirale dreht sich nach unten. Schwache Leistungen führen zu schlechter Platzierung. Schlechte Platzierung führt zu finanziellen Einbußen. Finanzielle Einbußen verhindern Verstärkungen. Fehlende Verstärkungen verfestigen die sportliche Schwäche.

Taktiktafel und demotivierte Spieler beim BVB-Training verdeutlichen Disziplinprobleme

Kader-Ungleichgewicht in Zahlen

Um die Problematik greifbar zu machen, hilft ein Blick auf die Kader-Struktur:

Altersgruppe Anzahl Spieler Durchschnittsgehalt (geschätzt) Leistungskonstanz Status
30+ Jahre 5-6 Hoch (€8-12 Mio./Jahr) Schwankend Verträge laufen 2026 aus
24-29 Jahre 8-10 Mittel bis Hoch Gemischt Kern teilweise instabil
20-23 Jahre 3-4 Niedrig bis Mittel Entwicklungsbedürftig Lücke durch Abgänge
U20 4-5 Niedrig Unreif, Disziplinprobleme Teilweise aus Kader gestrichen

Diese Tabelle verdeutlicht das Dilemma. Die teuersten Spieler sind die ältesten – und gleichzeitig diejenigen mit der inkonstantesten Leistung. Die jüngsten Spieler kosten wenig, bringen aber noch nicht die nötige Reife mit. Die mittlere Generation, die als Stabilitätsanker dienen sollte, ist entweder zu dünn besetzt oder selbst nicht konstant genug.

Ein ausgewogener Kader würde anders aussehen. Mehr Spieler in der Prime-Phase zwischen 24 und 28. Weniger Abhängigkeit von Spielern am Ende ihrer Karriere. Talente, die schrittweise herangeführt werden, statt direkt in die Verantwortung geworfen zu werden.

Der verpasste Übergang zur neuen Ära

Dortmund steht vor einem Generationenwechsel, den der Verein nie richtig geplant hat. Die Ära von Hummels, Reus und Co. ist vorbei oder geht zu Ende. Die neue Ära sollte längst begonnen haben. Stattdessen hängt der BVB in einem Niemandsland fest.

Die Strategie, junge Talente zu entwickeln und teuer zu verkaufen, funktioniert nur, wenn man diese Talente auch halten oder rechtzeitig durch neue ersetzen kann. Der BVB hat in den letzten Jahren zu viele gleichzeitig verloren, ohne adäquaten Ersatz zu verpflichten.

Das liegt auch an der Konkurrenzsituation. Premier-League-Klubs zahlen Summen, mit denen Dortmund nicht mithalten kann. Sie bieten Perspektiven, die attraktiver erscheinen. Und sie haben den finanziellen Spielraum, Fehleinkäufe zu verkraften.

Dortmund Stadion mit Geldscheinen symbolisiert finanzielle Krise ohne Europa-Teilnahme

Der BVB hat diesen Spielraum nicht. Jeder Transfer muss sitzen. Jede Verpflichtung muss funktionieren. Doch die aktuellen Rahmenbedingungen – sportlich wie finanziell – machen es schwer, die richtigen Spieler zu überzeugen.

Mögliche Auswege aus der Krise

Die Lösung erfordert konsequentes Handeln auf mehreren Ebenen. Erstens: Kader-Bereinigung. Die auslaufenden Verträge 2026 bieten die Chance, die Gehaltsstruktur zu entlasten. Keine emotionalen Verlängerungen für Spieler, die ihre besten Jahre hinter sich haben.

Zweitens: Fokus auf die 24-28-Jährigen. Spieler in dieser Altersgruppe bieten die beste Balance zwischen Erfahrung und Leistungsvermögen. Sie sind reif genug für Verantwortung, aber noch nicht am Karriereende.

Drittens: Kulturwandel bei der Talententwicklung. Disziplin und Professionalität müssen nicht verhandelbar sein. Wer die Standards nicht erfüllt, spielt nicht – egal wie talentiert. Gleichzeitig brauchen junge Spieler klare Vorbilder im Team.

Viertens: Sportlicher Erfolg als Priorität. Nur wenn der BVB wieder international spielt, kann er finanziell handlungsfähig bleiben und attraktiv für Neuverpflichtungen sein. Das erfordert kurzfristig auch pragmatische Lösungen, die vielleicht nicht der langfristigen Philosophie entsprechen.

Zeitfenster für die Wende

Die kommenden 18 Monate werden entscheidend sein. Bis 2026 laufen die problematischen Verträge aus. Bis dahin muss der BVB die sportliche Trendwende schaffen, um aus einer Position der Stärke heraus neu planen zu können.

Das Talent ist im Verein vorhanden. Die Infrastruktur auch. Was fehlt, ist die Balance – zwischen Jung und Alt, zwischen Investition und Ertrag, zwischen Tradition und Erneuerung. Dortmund hat schon mehrfach bewiesen, dass der Klub Krisen überwinden kann.

Doch diesmal braucht es mehr als nur einen guten Transfersommer. Es braucht eine klare Vision, wie der BVB der kommenden Jahre aussehen soll. Und den Mut, schmerzhafte Entscheidungen zu treffen, auch wenn sie kurzfristig wehtun.

Die Uhr tickt. Für den BVB. Für die Verantwortlichen. Für alle, die diesen Verein wieder dorthin sehen wollen, wo er hingehört – an die Spitze des deutschen Fußballs.