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Die Sucheingabe „nicht auf GamStop” ist ein Einfallstor ins illegale Glücksspiel
Inhaltlich überarbeitet: 23.10.2026

Eine Suchformel kann den Weg vom regulierten zum illegalen Glücksspielangebot öffnen. Die britische Gambling Commission berichtet, dass „not on GamStop“ längst nicht mehr nur mit dem Umgehen einer Sperre verbunden ist. Der Ausdruck dient auch als Kurzformel für Angebote mit weniger Prüfungen und anderen Zugangshürden. Die Studie bezieht sich auf Grossbritannien, nicht auf den deutschen Markt.
Was die Behörde am 20. Oktober veröffentlicht hat
Am 20. Oktober 2026 veröffentlichte die Gambling Commission die dritte Phase ihrer Forschung zum illegalen Online-Glücksspiel. Yonder Consulting führte sie im Rahmen des Consumer Voice Programme durch. Die Untersuchung kombinierte digitale Beobachtungen, eine Online-Befragung und vertiefende Gespräche.
Die Online-Befragung lief vom 1. bis 15. Mai 2026 und umfasste nach Angaben der Behörde 4.007 Personen, die in den vier Wochen davor online gespielt hatten; wer ausschließlich National Lottery spielte, war ausgeschlossen. Die Zahl ist also eine Momentaufnahme aus dem Mai, keine Erhebung aus diesen Tagen. Die Methodik steht auf einer eigenen Unterseite der Behörde: Quantitative Phase der Untersuchung.
Am selben Tag hielt Acting Chief Executive Sarah Gardner eine Keynote bei der IAGR-Konferenz in Lima. Die Behörde veröffentlichte den Redetext am 21. Oktober. Darin ordnete Gardner die Forschung in die britischen Massnahmen gegen illegales Glücksspiel ein.
Warum der Suchbegriff mehr ist als ein Suchbegriff
Der Bericht beschreibt, wie „not on GamStop“ seine ursprüngliche Bedeutung erweitert hat. Der Ausdruck wird als Kurzformel für Merkmale illegaler Angebote verwendet: weniger Prüfungen, weniger Reibung beim Zugang, schnellere Auszahlungen und alternative Zahlungswege. Ein Teil der Nutzer sucht gezielt nach Angeboten, die eine britische Selbstausschluss-Sperre umgehen. Zugleich kann der Suchbegriff auch andere Personen zu illegalen Websites führen. So entsteht laut Studie ein eingeübter Zugang zum illegalen Markt.
Das ist ein Befund über Suchverhalten und Zugang, keine Aussage darüber, wie viele Menschen tatsächlich illegale Angebote nutzen. Die Behörde betont, dass dieses Verhalten nur eine kleine Minderheit aller Spielenden betrifft.
Zwei Zugangsfaktoren stehen vorn
In der Befragung waren die stärksten Zusammenhänge mit der Nutzung illegaler Websites keine Suche nach einem besseren Spielerlebnis, sondern Faktoren rund um Zugang und persönliche Daten:
- Die Suche nach Websites, die GamStop nicht blockiert.
- Die Suche nach Websites, die nur wenige persönliche Daten verlangen.
Die frühere Forschungsphase unterschied zudem vier Nutzergruppen:
- Self-Excluders: umgehen GamStop trotz eigener Sperre.
- Skilled Advocates: nutzen Angebote bewusst, misstrauen Anbietern, Regierung oder Aufsicht und empfinden Prüfungen als Hindernis.
- Social Explorers: werden durch ihr Umfeld beeinflusst und suchen Angebote oder neue Erlebnisse.
- Accidental Tourists: nutzen illegale Websites offenbar eher beiläufig oder unbeabsichtigt.
Was die Studie ausdrücklich nicht zeigt
Die Key-Driver-Analyse ordnet ein, welche abgefragten Faktoren relativ stark mit der Nutzung zusammenhängen. Sie belegt weder, dass ein Faktor die Nutzung verursacht, noch beziffert sie den Anteil des illegalen Markts.
Die hier berichteten Gesamtmarktbefunde belegen ausserdem keinen eigenen Effekt und keinen eigenen Marktanteil für Sportwetten. Die Erhebung fasst verschiedene Produktgruppen zusammen; Ergebnisse daraus lassen sich nicht auf einzelne Wettarten übertragen.
Was in Grossbritannien als Nächstes kommt
In ihrer Rede nannte Gardner für das britische Geschäftsjahr bis März 2026 einen Bruttospielertrag von 17,5 Milliarden Pfund im regulierten Markt, ein Plus von 4,4 Prozent. Ohne Lotterien waren es 13,2 Milliarden Pfund, plus 4,7 Prozent. Auf Online-Wetten, Casino und Bingo entfielen 8,3 Milliarden Pfund, plus 6,9 Prozent. Laut Rede hatten 47 Prozent der Befragten ab 18 Jahren in den letzten vier Wochen gespielt; ohne reine Lotteriespieler waren es 27 Prozent. Der Anteil der Erwachsenen mit einem PGSI-Wert von mindestens 8 lag laut Jahresbericht 2025 bei 2,4 Prozent, nach 2,7 Prozent im Jahr 2024.
Die britische Regierung sagte 26 Millionen Pfund über drei Jahre für die Bekämpfung illegalen Glücksspiels zu. Die ersten 7 Millionen flossen ab April 2026. Für 2025/26 nannte Gardner, noch vor diesen Mitteln, 741 Abmahnungen an Werbende und Betreiber. 397.527 URLs wurden Suchmaschinen gemeldet, 266.667 davon im selben Jahr entfernt. Ausserdem wurden 1.068 Websites zur Entfernung aus Suchindizes gemeldet und 1.134 Websites abgeschaltet oder geografisch gesperrt.
Gardner beschrieb in ihrer Rede ausserdem Befugnisse, die nach ihren Worten „coming soon“ sind: Anordnungen, mit denen die Behörde künftig bei Gericht IP-Adressen und Domains suspendieren lassen könnte. Der Redetext nennt kein Anwendungsdatum und belegt keine bereits geltende entsprechende Befugnis. Ob und wann diese Möglichkeit in Grossbritannien tatsächlich greift, lässt sich aus der Rede allein nicht beantworten. Für Deutschland sagt sie ohnehin nichts aus.
Was das für deutsche Leser bedeutet
In Deutschland ist OASIS das Sperrsystem; GamStop ist eine britische Datenbank. Es sind unterschiedliche Systeme. Die britische Forschung sagt nichts über die Verhältnisse in Deutschland aus. Aus ihr lässt sich daher weder ein deutscher Marktanteil noch ein vergleichbares Suchverhalten ableiten. Wer die deutsche Praxis betrachtet, findet einen anderen Sachverhalt im Beitrag über Prüfungen gesperrter Spieler in Wettstellen. Zum deutschen Kontext illegaler Online-Angebote gibt es ausserdem eine Einordnung des Falls mit 5,86 Milliarden Euro mutmasslichen Spieleinsätzen. Beide Beiträge behandeln andere Sachverhalte als die britische GamStop-Studie.
Quellen & Datenstand
Datenstand: 23.10.2026. Ereignisdatum: 20.10.2026 (Veröffentlichung der Studie und Konferenzrede); der Redetext erschien am 21.10.2026. Quellen: Gambling Commission: Phase-3-Studie, Methodik der quantitativen Phase (Feldzeit 1. bis 15. Mai 2026, 4.007 Teilnehmende) und Sarah Gardners IAGR-Rede.