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Die Bundesliga Trainer-Systeme 2026 im Vergleich – welche Formation dominiert die Rückrunde

5 Min. Lesezeit

Die Rückrunde der Bundesliga-Saison 2025/26 offenbart ein faszinierendes taktisches Bild. Während in früheren Jahren eine klare Formation das Geschehen dominierte, erleben wir derzeit eine bemerkenswerte Vielfalt an Spielsystemen. Die Frage, welches System sich durchsetzt, lässt sich nicht pauschal beantworten – stattdessen zeigt unsere Analyse, dass der Erfolg zunehmend von der flexiblen Anpassung und der spezifischen Umsetzung abhängt.

Die Verteilung der Grundformationen in Zahlen

Nach 21 Spieltagen zeichnet sich ein differenziertes Bild ab. Wir haben die Grundaufstellungen aller 18 Bundesliga-Teams analysiert und dabei nicht nur die offiziellen Aufstellungsbögen betrachtet, sondern auch die tatsächlichen Formationen im Ballbesitz und gegen den Ball erfasst.

Formation Anzahl Teams Anteil Durchschn. Gegentore
4-2-3-1 6 33,3% 1,18
3-4-3 / 3-4-2-1 5 27,8% 1,26
4-3-3 4 22,2% 1,31
3-5-2 2 11,1% 1,09
4-4-2 1 5,6% 1,45

Die Zahlen zeigen deutlich: Das klassische 4-2-3-1 bleibt die meistgenutzte Grundordnung, doch die Dreierkette gewinnt massiv an Bedeutung. Zusammengerechnet setzen sieben von 18 Teams auf eine Variante mit drei Innenverteidigern – ein historischer Höchstwert für die Bundesliga.

Taktiktafel mit Bundesliga Formationen 4-2-3-1, 3-4-3 und 4-3-3 im Vergleich

Das 4-2-3-1 System in der modernen Interpretation

Die sechs Teams, die auf das 4-2-3-1 setzen, nutzen diese Formation allerdings höchst unterschiedlich. Der entscheidende Faktor liegt in der Positionierung der beiden Sechser und der Interpretation der offensiven Mittelfeldraute.

Variante A – Kontrollierter Ballbesitz

Drei Teams nutzen das System mit zwei sehr tief stehenden Sechsern, die permanent Anspielstationen bilden. Der Zehner rückt dabei häufig zwischen die Linien, während die beiden Achter breiter agieren. Diese Interpretation führt zu Ballbesitzwerten von durchschnittlich 58,7 Prozent und einer hohen Passquote von 87,4 Prozent. Die Schwäche: Mit nur 1,32 Expected Goals pro Spiel mangelt es an Durchschlagskraft.

Variante B – Vertikales Umschaltspiel

Die anderen drei 4-2-3-1-Teams interpretieren das System offensiver. Ein Sechser bleibt tief, der zweite rückt ins offensive Mittelfeld auf. Diese asymmetrische Auslegung ermöglicht schnellere Vertikalpassfolgen und generiert im Schnitt 1,68 xG pro Partie – allerdings bei einer höheren Anfälligkeit für Konter.

Die Renaissance der Dreierkette

Besonders bemerkenswert entwickelt sich der Trend zur Dreierkette. Fünf Teams nutzen primär ein 3-4-3 oder 3-4-2-1, zwei weitere setzen auf 3-5-2. Was früher als defensiv galt, entpuppt sich in der modernen Auslegung als hochflexibles System.

Dreierkette Formation in der Bundesliga mit drei Innenverteidigern

Taktische Vorteile der 3er-Kette

Die Stärke liegt in der numerischen Überlegenheit im Aufbau gegen Zweier-Stürme und der Möglichkeit, über die Flügelspieler enorme Breite zu generieren. Teams mit Dreierkette kreieren durchschnittlich 12,8 Flanken pro Spiel – 3,4 mehr als Mannschaften mit Viererkette.

Die Passmap-Analysen zeigen außerdem: Die äußeren Innenverteidiger fungieren als zusätzliche Passgeber, was zu höheren Passnetworks und mehr Optionen im Spielaufbau führt. Die durchschnittliche Anzahl unterschiedlicher Passwege steigt von 47,3 (bei 4er-Kette) auf 54,1 (bei 3er-Kette).

Die Herausforderung der Räume

Gleichzeitig offenbart die Dreierkette Schwächen gegen Teams, die mit drei Stürmern pressen. In solchen Konstellationen sinkt die Passquote im ersten Drittel um durchschnittlich 8,2 Prozentpunkte. Zudem entstehen bei Ballverlusten größere Räume zwischen Abwehr und Mittelfeld – messbar an der durchschnittlichen Kompaktheit von 38,7 Metern (Viererkette: 34,2 Meter).

Das 4-3-3 und seine taktischen Feinheiten

Vier Bundesliga-Teams setzen auf das 4-3-3, allerdings mit unterschiedlichen Interpretationen des Mittelfelddreiecks. Die klassische Variante mit einem Sechser und zwei Achtern wird von zwei Teams genutzt, während zwei weitere auf ein invertiertes Dreieck setzen (zwei Sechser, ein Zehner).

4-3-3 Variante Ballbesitz xG pro Spiel Pressing-Intensität
Klassisch (1-2) 54,3% 1,71 18,4 PPDA
Invertiert (2-1) 59,1% 1,48 14,2 PPDA

Die klassische Variante erlaubt aggressiveres Pressing mit höherer Intensität (gemessen am PPDA-Wert: Passes per Defensive Action). Die invertierte Version bietet mehr Kontrolle, generiert aber weniger gefährliche Abschlüsse.

Systemwechsel während des Spiels

Ein weiterer faszinierender Aspekt der Rückrunde: Die Flexibilität innerhalb einzelner Partien nimmt zu. Unsere Analyse von 42 Rückrundenspielen zeigt, dass 67 Prozent aller Teams mindestens einmal pro Spiel die Grundformation anpassen – meist als Reaktion auf Spielstand oder gegnerische Umstellung.

Häufigste Systemwechsel:

  1. Von 4-2-3-1 zu 4-4-2 (bei Führung, defensiver)
  2. Von 4-3-3 zu 3-4-3 (bei Rückstand, offensiver)
  3. Von 3-4-3 zu 5-4-1 (bei Führung, extrem defensiv)

Diese In-Game-Anpassungen verdeutlichen, dass die nominelle Ausgangsformation nur einen Teil der taktischen Wahrheit offenbart. Entscheidend ist die Fähigkeit, situativ zwischen verschiedenen Shapes zu wechseln.

Vergleich 4-3-3 Formation und invertiertes Mittelfeld aus der Vogelperspektive

Welche Formation dominiert wirklich?

Die Antwort auf die Titelfrage fällt differenziert aus. Rein quantitativ führt das 4-2-3-1, doch die Dreierketten-Systeme holen auf und zeigen in bestimmten Metriken sogar bessere Werte.

Erfolgskorrelation nach Tabellenposition:

  • Top 6: 50% nutzen Dreierkette, 33% 4-2-3-1, 17% 4-3-3
  • Platz 7-12: 33% Dreierkette, 50% 4-2-3-1, 17% 4-3-3
  • Platz 13-18: 17% Dreierkette, 33% 4-2-3-1, 33% 4-3-3, 17% andere

Die Korrelation zwischen Dreierkette und Tabellenposition ist auffällig. Die obere Tabellenhälfte nutzt überproportional häufig Systeme mit drei Innenverteidigern. Dies lässt zwei Interpretationen zu: Entweder ermöglicht die Dreierkette besseren Fußball – oder Teams mit besseren Spielern können sich die Risiken der Dreierkette eher leisten.

Taktische Trends für die Saisonendphase

Basierend auf den bisherigen Entwicklungen zeichnen sich drei zentrale Trends ab:

Asymmetrie als Schlüssel

Immer mehr Teams weichen von symmetrischen Formationen ab. Wir sehen vermehrt unterschiedliche Verhaltensweisen der beiden Außenverteidiger (einer rückt hoch, einer bleibt), asymmetrische Sechser-Positionierungen und unterschiedliche Laufwege der Flügelspieler. Diese Asymmetrie erschwert gegnerisches Pressing und schafft Überzahlsituationen.

Hybride Systeme

Die klare Trennung zwischen Formationen verschwimmt. Teams wechseln fließend zwischen verschiedenen Shapes, abhängig von Ballbesitz, Spielfeld-Zone und Spielstand. Ein nominelles 4-3-3 wird im Ballbesitz zu 3-2-5, gegen den Ball zu 4-5-1.

Individuelle Anpassung

Statt starrer Systeme sehen wir zunehmend auf einzelne Spielerprofile zugeschnittene Taktiken. Teams mit schnellen Flügelspielern setzen auf Räume hinter der Kette, Teams mit physisch starken Stürmern auf mehr Flanken. Das System folgt dem Kader, nicht umgekehrt.

Fazit der taktischen Analyse

Die Bundesliga-Rückrunde 2026 wird nicht von einer einzelnen Formation dominiert, sondern von taktischer Vielfalt und Flexibilität. Das 4-2-3-1 bleibt zwar die meistgenutzte Grundordnung, doch die Renaissance der Dreierkette und die zunehmende Bedeutung von System-Flexibilität prägen das Bild.

Für die weitere Saisonentwicklung erwarten wir eine Fortsetzung dieser Trends. Teams, die starr an einem System festhalten, werden zunehmend ausrechenbar. Die erfolgreichsten Mannschaften zeichnen sich durch die Fähigkeit aus, mehrere Formationen zu beherrschen und situativ anzupassen.

Die taktische Evolution der Bundesliga zeigt: Moderne Spielanalyse erfordert den Blick über nominelle Aufstellungen hinaus. Entscheidend sind Positionierungen in verschiedenen Spielphasen, individuelle Spielerrollen und die Fähigkeit zur Anpassung. Wer nur auf die Startaufstellung schaut, verpasst die eigentliche taktische Geschichte des Spiels.