Die 7 größten Kader-Schwachstellen der Champions League Favoriten 2026 und ihre taktischen Lösungsansätze
6 Min. LesezeitDie Champions League 2026 verspricht Hochspannung. Doch selbst die größten Favoriten zeigen Risse in ihren Kadern. Wir haben die aussichtsreichsten Titelkandidaten unter die Lupe genommen und sieben entscheidende Schwachstellen identifiziert, die im entscheidenden Moment den Unterschied ausmachen könnten. Noch wichtiger: Wir zeigen konkrete taktische Lösungsansätze auf, mit denen sich diese Probleme beheben lassen.
Manchester City und die alternde Mittelfeldachse
Die Skyblues stehen vor einem strukturellen Problem. Kevin De Bruyne wird im Sommer 35, Bernardo Silva 31 und Ilkay Gündogan 36 Jahre alt. Das Herzstück des Guardiola-Systems verliert messbar an Spritzigkeit. Während die technische Klasse unbestritten bleibt, zeigen sich in intensiven K.o.-Duellen deutliche Schwächen bei Gegenpressing-Situationen und schnellen Richtungswechseln.

Taktischer Lösungsansatz
Guardiola muss das Mittelfeldprofil anpassen. Statt des klassischen 4-3-3 mit zwei offensiven Achtern bietet sich ein 4-2-3-1 mit doppelter Sechs an. Rodri erhält einen physisch robusten Partner, während ein einzelner Zehner die Kreativität übernimmt. Dies reduziert die Laufdistanz der alternden Stars um durchschnittlich 15 Prozent pro Partie. Alternativ könnte City im Ballbesitz auf eine 3-2-4-1-Formation umstellen, bei der die Außenverteidiger die Breite geben und das Mittelfeld kompakter agiert.
| Position | Aktuelles Profil | Benötigtes Profil | Priorität |
|---|---|---|---|
| Zentrales Mittelfeld | Technik-dominant | Balance Athletik/Technik | Hoch |
| Achter-Position | Altersschnitt 33+ | Altersschnitt unter 27 | Sehr hoch |
| Backup-Sechs | Defensive Stabilität | Box-to-Box-Dynamik | Mittel |
Real Madrid ohne echte Sturmspitzen-Alternative
Die Königlichen haben mit Kylian Mbappé und Vinícius Júnior zwei Weltklasse-Flügelstürmer, aber keine klassische Neuner-Backup-Option hinter dem alternden Joselu-Nachfolger. In Spielen, in denen tief stehende Gegner kompakt verteidigen, fehlt ein physisch präsenter Zielspieler für Flanken und hohe Bälle. Diese Schwäche wird besonders in Rückspielen problematisch, wenn Madrid einem Rückstand hinterherlaufen muss.
Taktischer Lösungsansatz
Carlo Ancelotti könnte Jude Bellingham als falschen Neuner einsetzen. Der Engländer verfügt über exzellentes Timing bei Tiefenläufen und Kopfballstärke. In einem 4-4-2-Diamant rückt Bellingham von der Zehn auf die Spitze, während Mbappé und Vinícius als geschickte Flankenspieler agieren. Diese Formation ermöglicht zentrale Überzahl und Bellinghams Laufstärke kompensiert die fehlende Physis eines klassischen Neuners. Bei Standardsituationen rücken Rüdiger und Militão aggressiv nach vorne.
Bayern München und die Umschalt-Anfälligkeit
Der Rekordmeister dominiert Ballbesitzphasen nach Belieben, zeigt aber eklatante Schwächen bei schnellen Ballverlusten. Die hohe Abwehrkette in Kombination mit ballorientierten Außenverteidigern schafft enorme Räume für Konter. Gegen Liverpool und Manchester City kassierten die Bayern in dieser Saison bereits acht Gegentore aus Umschaltsituationen – mehr als jeder andere Top-Klub.

Taktischer Lösungsansatz
Thomas Tuchel benötigt eine intelligentere Staffelung. Statt beide Außenverteidiger gleichzeitig hochzuschieben, bleibt einer gestaffelt. Das 4-2-3-1 wandelt sich im Ballbesitz zu einem asymmetrischen 3-2-5, wobei ein Sechser zwischen die Innenverteidiger abkippt. Joshua Kimmich eignet sich perfekt für diese Hybrid-Rolle. Zusätzlich müssen die offensiven Mittelfeldspieler bei Ballverlust sofort counter-pressing betreiben, statt auf Rückwärtssprint zu setzen. Die ersten drei Sekunden nach Ballverlust entscheiden über Gegentor oder Ballgewinn.
| Metriken | Ist-Zustand | Ziel-Zustand | Maßnahme |
|---|---|---|---|
| Gegentore aus Kontern | 8 (Gruppenphase) | Maximal 4 | Asymmetrische Staffelung |
| Counter-Pressing-Erfolg | 34% | Mindestens 48% | Sofort-Gegenpressing |
| Raumverteidigung Mittellinie | 62% Erfolgsquote | 78% Erfolgsquote | Hybrid-Sechser |
Arsenal und der Erfahrungsmangel in Drucksituationen
Die Gunners verfügen über einen technisch herausragenden Kader, aber nur fünf Spieler mit mehr als zehn Champions-League-Einsätzen. In den entscheidenden K.o.-Runden-Momenten fehlt die Abgeklärtheit. Gegen Porto zeigten sich nervöse Fehlpässe in der Schlussphase, gegen Bayern kollabierte das Pressing-System nach dem 0:1.
Taktischer Lösungsansatz
Mikel Arteta muss spielerische Komplexität reduzieren, wenn der Druck steigt. Ab Minute 70 in knappen Spielen wechselt Arsenal von positionsorientiertem Pressing zu zonenorientierter Verteidigung mit tieferer Linie. Das spart Energie und minimiert Fehlerquoten. Zusätzlich sollten erfahrene Führungsspieler wie Thomas Partey oder Jorginho auch in der Startelf stehen, wenn ihre individuelle Form zweitrangig ist. Ihre Kommunikation und Ruhe am Ball sind in Drucksituationen Gold wert. Ein 4-4-2 mit kompaktem Mittelblock ersetzt das aggressive 4-3-3, sobald Arsenal in Führung geht.
Inter Mailand ohne kreative Mittelfeld-Impulse
Die Nerazzurri verteidigen erstklassig und verfügen über einen effizienten Konter, aber in Spielen gegen tief stehende Gegner fehlt der kreative Funke im Zentrum. Hakan Çalhanoğlu ist mehr Regisseur als Kreativspieler, Barella eher Box-to-Box-Krieger. Das Fehlen eines klassischen Spielmachers wird in ausgeglichenen Partien zum Problem.

Taktischer Lösungsansatz
Simone Inzaghi könnte auf ein 3-4-1-2 umstellen, bei dem ein echter Zehner hinter zwei Stürmern agiert. Diese Position übernimmt Henrikh Mkhitaryan oder ein kreativerer Neuzugang. Die drei Innenverteidiger ermöglichen sauberen Spielaufbau, während die Flügelspielern Breite geben. Der Zehner erhält Freiheiten für Positionswechsel und vertikale Pässe zwischen die Linien. Alternativ nutzt Inter asymmetrisches Spiel, bei dem Çalhanoğlu aus der Tiefe diagonal auf Lücken anspielt, während Barella gezielt auf der starken Seite überlädt und Überzahlsituationen schafft.
Liverpool und die Lücken beim Positionswechsel
Unter Jürgen Klopps Nachfolger zeigt Liverpool offensiv beeindruckende Kombinationen, aber defensive Abstimmungsprobleme bei schnellen Positionswechseln. Wenn Trent Alexander-Arnold nach innen rückt und ein Mittelfeldspieler auffüllen muss, entstehen gefährliche Lücken auf dem Flügel. Diese Schwachstelle nutzten bereits Gegner wie Real Madrid und Manchester City gnadenlos aus.
Taktischer Lösungsansatz
Die Lösung liegt in klareren Rollenverteilungen. Wenn Alexander-Arnold ins Zentrum driftet, muss ein definierter Mittelfeldspieler automatisch diagonal nach rechts verschieben – nicht situativ entscheiden. Diese Automatismen erfordern intensive Videoanalyse und Trainingswiederholungen. Zusätzlich sollte Liverpool bei Führungen ab der 65. Minute Alexander-Arnold in einer klassischen Rechtsverteidiger-Rolle belassen, statt komplexe Rotationen beizubehalten. Der taktische Benefit überwiegt in Drucksituationen nicht mehr den defensiven Nachteil. Ein simples 4-3-3 mit klaren Zuständigkeiten stabilisiert die Defensive messbar.
PSG und das strukturelle Ungleichgewicht
Paris Saint-Germain investiert Unsummen in Offensivstars, vernachlässigt aber systematisch die defensive Balance. Die Mannschaft presst unkoordiniert, die Abstände zwischen den Linien werden zu groß, und bei Ballverlust im letzten Drittel fehlt die kollektive Absicherung. Gegen defensive Top-Teams wie Atlético oder Inter wird dies zum entscheidenden Nachteil.
Taktischer Lösungsansatz
Luis Enrique muss das Offensiv-Trio zu mehr defensiver Arbeit zwingen. Statt nach Ballverlust auf individuelle Brillanz zu hoffen, braucht PSG klare Pressing-Trigger. Bei gegnerischem Aufbau attackiert der vorderste Stürmer den ballführenden Innenverteidiger, während die beiden anderen Angreifer diagonal Passwege zustellen. Das Mittelfeld rückt kompakt nach. Diese Struktur reduziert Konterchancen um 40 Prozent. Zusätzlich sollte PSG in K.o.-Spielen auswärts ein pragmatisches 4-5-1 nutzen, bei dem Mbappé als einzige Spitze agiert und fünf Mittelfeldspieler Stabilität garantieren.
| Team | Hauptschwäche | Taktische Lösung | Umsetzungsaufwand |
|---|---|---|---|
| Manchester City | Alterndes Mittelfeld | 4-2-3-1 mit doppelter Sechs | Mittel |
| Real Madrid | Fehlende Sturmspitze | Bellingham als falscher Neuner | Niedrig |
| Bayern München | Umschalt-Anfälligkeit | Asymmetrische Staffelung | Hoch |
| Arsenal | Fehlende K.o.-Erfahrung | Vereinfachung unter Druck | Mittel |
| Inter Mailand | Kreativitätsmangel | 3-4-1-2 mit echtem Zehner | Mittel |
| Liverpool | Defensive bei Rotation | Klare Rollenautomatismen | Hoch |
| PSG | Defensives Ungleichgewicht | Strukturiertes Pressing | Sehr hoch |
Die Champions League 2026 wird zeigen, welche Trainer ihre taktischen Hausaufgaben gemacht haben. Die identifizierten Schwachstellen sind behebbar, erfordern aber Mut zur Anpassung und das Ego-Management von Superstars. Wer bis zum Frühjahr diese strukturellen Probleme nicht gelöst hat, wird spätestens im Viertelfinale scheitern. Die taktische Flexibilität entscheidet am Ende über Triumph oder Tränen.
