Die 5 größten Kader-Baustellen der Bundesliga in der Rückrunde 2026
6 Min. LesezeitDie Hinrunde 2025/26 hat gezeigt, dass selbst teure Kader keine Garantie für Erfolg sind. Während einige Bundesligisten überraschen, kämpfen andere trotz hoher Investitionen mit massiven strukturellen Problemen. Wir analysieren die fünf größten Kader-Baustellen der Liga und zeigen auf, wo in der Rückrunde dringender Handlungsbedarf besteht.
Borussia Dortmund und die Sturmkrise trotz 128 Millionen Euro Marktwert
Der BVB steht vor einem Luxusproblem, das mittlerweile zum echten Handicap geworden ist. Mit Serhou Guirassy, Karim Adeyemi und Fabio Silva verfügt Dortmund über drei Angreifer mit einem kombinierten Marktwert von etwa 128 Millionen Euro. Die Ausbeute in der Hinrunde war jedoch erschreckend dürftig.
Guirassy startete vielversprechend in die Saison, fiel danach aber in ein massives Formtief. In den vergangenen zehn Pflichtspielen erzielte der Neuzugang lediglich zwei Treffer. Seine Abschlussquote sank von anfänglich starken 23 Prozent auf magere 11 Prozent. Gleichzeitig hält Trainer Niko Kovac unbeirrt am Guineer fest, obwohl alternative Optionen vorhanden wären.

Karim Adeyemi wiederum sorgte abseits des Platzes für Schlagzeilen. Ein Strafbefehl wegen unerlaubten Waffenbesitzes und mehrere Wutausbrüche nach Auswechslungen werfen Fragen zu seiner mentalen Verfassung auf. Sportlich liefert der 24-Jährige zwar Assists und Tempo, seine Abschlussschwäche bleibt jedoch ein Dauerthema.
Fabio Silva, mit vier Millionen Euro Jahresgehalt kein günstiger Leihspieler, kommt kaum zum Einsatz. Dabei zeigte er in seinen wenigen Einsatzminuten durchaus vielversprechende Ansätze. Die fehlende Rotation schwächt nicht nur Silva, sondern auch die Gesamtdynamik der Offensive.
Dortmunds Sturm-Statistik Hinrunde 2025/26:
| Spieler | Einsätze | Tore | Assists | Abschlussquote |
|---|---|---|---|---|
| Guirassy | 14 | 6 | 2 | 11% |
| Adeyemi | 13 | 3 | 5 | 8% |
| Silva | 7 | 1 | 1 | 14% |
Die Zahlen offenbaren das Dilemma. Kein Stürmer erreicht auch nur annähernd die erwartete Quote von 15-18 Prozent für Bundesliga-Topstürmer. Für die Rückrunde muss Kovac entweder seine Rotation anpassen oder auf dem Transfermarkt nachbessern.
Eintracht Frankfurt und der totale Abwehrkollaps
Frankfurt erlebte einen der dramatischsten Qualitätseinbrüche der jüngeren Bundesliga-Geschichte. Nach der viertbesten Defensive der Vorsaison mit nur 38 Gegentoren in 34 Spielen kassierte die Eintracht in der Hinrunde bereits 30 Gegentore in nur 15 Partien. Das entspricht einem Schnitt von zwei Gegentoren pro Spiel – nur Holstein Kiel war noch anfälliger.
Die Ursachen sind vielschichtig. Der Abgang von Tuta im Sommer wurde massiv unterschätzt. Der Brasilianer war nicht nur defensiver Stabilisator, sondern auch Führungsfigur in der Viererkette. Sein Nachfolger konnte diese Lücke nicht annähernd füllen.

Robin Koch, in der Vorsaison einer der konstantesten Innenverteidiger der Liga, wirkt plötzlich fehleranfällig und einen Schritt zu langsam. Seine Zweikampfquote fiel von 71 Prozent auf 62 Prozent. Nnamdi Collins, eigentlich als Leistungsträger eingeplant, zeigte ebenfalls deutliche Formschwächen. Besonders bei Standards und in Umschaltsituationen fehlt Frankfurt jegliche Ordnung.
Dazu kommt die ungelöste Torhüterfrage. Die Rotation zwischen Kevin Trapp und seinem Backup schuf keine Stabilität, sondern zusätzliche Unsicherheit. Trapp selbst konnte seine Expected-Goals-Against-Bilanz um 3,2 Tore nicht erfüllen – ein Indikator für unterdurchschnittliche Paraden.
Frankfurts Defensiv-Vergleich:
| Saison | Spiele | Gegentore | Ø pro Spiel | Zweikampfquote |
|---|---|---|---|---|
| 2024/25 | 34 | 38 | 1,12 | 68% |
| 2025/26 (Hinrunde) | 15 | 30 | 2,00 | 62% |
Für Sportdirektor Markus Krösche wird die Rückrunde zur Bewährungsprobe. Ohne signifikante Verstärkungen in der Winterpause droht Frankfurt der Absturz ins Mittelfeld.
Mainz 05 scheitert am eigenen Erfolg
Der sechste Platz in der Vorsaison war für Mainz 05 ein überraschender Erfolg. Doch genau dieser Erfolg wurde zur Falle. Die sportliche Führung konnte den Abgang von Torjäger Jonathan Burkardt, der zu RB Leipzig wechselte, nicht kompensieren. Burkardt erzielte in der Vorsaison 16 Tore – sein Nachfolger kommt gerade einmal auf drei Treffer.
Noch gravierender ist der Formabfall etablierter Leistungsträger. Paul Nebel, in der Vorsaison mit acht Torbeteiligungen einer der Hoffnungsträger, verlor komplett an Durchschlagskraft. Dominik Kohr im Mittelfeldzentrum wirkt überfordert von der Erwartungshaltung. Philipp Mwene auf der linken Abwehrseite zeigt nicht mehr die Konstanz, die ihn auszeichnete.
Die Sommerneuzugänge sollten frischen Wind bringen, konnten aber kaum Impulse setzen. Keiner der vier Verpflichtungen etablierte sich als Stammspieler. Das liegt teilweise an der Trainertaktik, aber auch an mangelnder individueller Qualität. Mit einem Gesamtinvestment von nur 8,5 Millionen Euro versuchte Mainz, den Kader zu verbessern – zu wenig für die gestiegenen Ansprüche.
Mainz' Leistungsträger im Vergleich:
| Spieler | Vorsaison-Scorerpunkte | Hinrunde 2025/26 | Entwicklung |
|---|---|---|---|
| Burkardt | 18 | – (abgewandert) | – |
| Nebel | 8 | 2 | -75% |
| Kohr | 4 | 1 | -75% |
| Mwene | 3 | 0 | -100% |
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Mainz fehlt es an Offensivpower und an der nötigen Tiefe im Kader. Christian Heidel muss in der Winterpause mutig investieren, will er nicht einen Abstiegskampf riskieren.
FC Heidenheim und die strukturellen Grenzen
Heidenheim steht nach der Hinrunde mit nur 15 Punkten auf einem direkten Abstiegsplatz. Das Problem ist nicht mangelnder Einsatz, sondern schlicht fehlende Qualität. Das Sommertransferfenster verlief desaströs. Die Abgänge konnten nicht adäquat ersetzt werden, die Neuzugänge blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück.
Der Versuch, im Winter nachzubessern, zeigt die Verzweiflung. Drei Neuverpflichtungen sollten den Kader stabilisieren, doch auch hier fehlt es an echter Bundesliga-Qualität. Heidenheim bewegt sich in einem Preissegment, das keine etablierten Spieler mehr anzieht. Die Folge ist ein Kader voller Potenzial-Transfers, die ihre Versprechen nicht einlösen.
Besonders im Offensivbereich klafft eine riesige Lücke. Der beste Torschütze kommt auf gerade einmal fünf Treffer – für einen Bundesligisten, der den Klassenerhalt anstrebt, viel zu wenig. Die Expected-Goals-Statistik von nur 14,2 in 15 Spielen unterstreicht das Problem: Heidenheim kreiert schlicht zu wenige hochwertige Chancen.
Dazu kommt eine mangelnde Tiefe auf fast allen Positionen. Verletzungen führen sofort zu Qualitätsverlusten, weil schlicht keine gleichwertigen Alternativen vorhanden sind. Diese strukturelle Schwäche lässt sich auch im Winter nicht vollständig beheben.
Werder Bremen und das Identitätsproblem
Bremen leidet unter einem grundlegenden Problem: Der Kader wirkt zusammengewürfelt, ohne erkennbare Philosophie. Die späten Transfers im Sommer ließen den Neuzugängen kaum Zeit zur Integration. Besonders auffällig ist die Häufung ehemaliger RB-Leipzig-Spieler im Kader – vier Profis mit Vergangenheit bei den Sachsen sollen nun plötzlich den "Bremer Weg" verkörpern.
Der Trainerwechsel im Herbst verstärkte die Verunsicherung. Der neue Coach brachte eigene taktische Vorstellungen mit, die nicht zum vorhandenen Personal passen. Die Folge sind ständige Systemwechsel zwischen Vierer- und Dreierkette, zwischen Pressingfußball und tiefem Block. Diese Inkonstanz kostet Punkte.

Auch innerhalb der Mannschaft fehlt es an Führungsfiguren. Die etablierten Profis sind entweder verletzt oder in schlechter Form, die Neuzugänge noch nicht integriert. Diese fehlende Hierarchie zeigt sich besonders in kritischen Spielphasen, wenn Orientierung und Ansprache fehlen.
Bremen steht damit vor der schwierigen Aufgabe, in der Winterpause nicht nur personell, sondern vor allem konzeptionell nachzubessern. Ohne klare Identität wird auch der beste Neuzugang nicht helfen.
Fazit und Ausblick auf die Rückrunde
Die fünf analysierten Baustellen zeigen unterschiedliche Problemfelder auf. Dortmund verfügt über Qualität, nutzt sie aber nicht optimal. Frankfurt und Mainz leiden unter Formverlusten etablierter Spieler. Heidenheim fehlt es an grundlegender Bundesliga-Qualität. Bremen kämpft mit strukturellen und konzeptionellen Problemen.
Die Winterpause bietet allen Vereinen die Chance zur Korrektur. Dortmund braucht einen Mentalitätswandel mehr als neue Spieler. Frankfurt muss defensiv nachbessern und die Torwartfrage klären. Mainz benötigt dringend einen Torjäger. Heidenheim steht vor der schwierigen Aufgabe, mit begrenztem Budget Bundesliga-Qualität zu verpflichten. Bremen muss endlich eine klare Identität entwickeln.
Die kommenden Wochen werden zeigen, welche Vereine ihre Hausaufgaben machen und welche mit ihren Problemen in die Rückrunde starten. Eines ist sicher: Bei fünf Teams mit derart gravierenden Kader-Baustellen wird der Abstiegskampf in dieser Saison besonders spannend.
