Bayerns gnadenlose Dominanz und das Kiez Wunder gegen Stuttgart
5 Min. LesezeitDer 21. Spieltag der Bundesliga-Saison 2025/26 hat die Machtverhältnisse an der Tabellenspitze endgültig zementiert und gleichzeitig am Tabellenende für eine Überraschung gesorgt. Während Bayern München gegen Hoffenheim eine beeindruckende Demonstration ihrer Offensivkraft ablieferte, gelang St. Pauli gegen den VfB Stuttgart ein Coup, der im Abstiegskampf neue Hoffnung weckt.
Bayerns 5-1 Gala und die Rückkehr zur alten Dominanz
Die Bayern-Offensive läuft auf Hochtouren. Das 5:1 gegen die TSG Hoffenheim am 8. Februar war mehr als nur ein Sieg – es war eine Ansage an die Konkurrenz. Mit 82 Toren nach 22 Spieltagen und einer Tordifferenz von +63 hat der Rekordmeister seine Offensivpower eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Taktische Überlegenheit in der Offensive:
Die Münchner agierten in ihrer gewohnten 4-2-3-1 Formation, pressten hoch und zwangen Hoffenheim zu Fehlpässen im Aufbau. Besonders auffällig war die Rolle von Harry Kane, der nicht nur als Zielspieler fungierte, sondern tief in die Räume zurückzog und dadurch Lücken für die nachrückenden Flügelspieler schuf.
Die Statistik unterstreicht Bayerns Kontrolle über das Spiel:
| Kennzahl | Bayern München | TSG Hoffenheim |
|---|---|---|
| Ballbesitz | 68% | 32% |
| Torschüsse | 23 | 7 |
| Schüsse aufs Tor | 12 | 3 |
| Passgenauigkeit | 91% | 74% |
| Gewonnene Zweikämpfe | 64% | 36% |
Kane-Effekt: Harry Kane führt mit 26 Saisontoren die Torjägerliste souverän an. Seine Kombination aus Torinstinkt und Spielmacher-Qualitäten macht ihn zur zentralen Figur im Bayern-System. Im Vergleich zur Vorsaison, als er "nur" 22 Tore nach 22 Spielen erzielte, hat er sein Niveau nochmals gesteigert.
St. Paulis Überraschungssieg und ein taktisches Meisterstück gegen Stuttgart
Der 2:1-Sieg von St. Pauli gegen den VfB Stuttgart gehört zu den überraschendsten Ergebnissen des Spieltags. Für den Aufsteiger, der auf Platz 17 kämpft, war dieser Dreier Gold wert und zeigt, dass im Abstiegskampf noch nichts entschieden ist.

Defensive Kompaktheit als Schlüssel:
St. Pauli setzte auf eine defensive 5-3-2 Formation und ließ Stuttgart wenig Raum für ihr normalerweise gefährliches Kombinationsspiel. Die Hamburger standen tief, verteidigten die Strafraumkante konsequent und setzten auf schnelle Konter über die Außenbahnen.
Die taktische Analyse zeigt:
- Umschaltspiel: Beide St. Pauli-Tore fielen nach gewonnenen Bällen im Mittelfeld und schnellen Vertikalpassagen
- Zweikampfstärke: Mit 58% gewonnenen Zweikämpfen hielt St. Pauli gegen den technisch überlegenen Gegner dagegen
- Set-Pieces: Das 1:0 fiel nach einem Eckball – ein Bereich, in dem St. Pauli überraschend stark ist (7 Standardsituationstore diese Saison)
Stuttgarts Schwäche: Der VfB hat nun vier der letzten sechs Auswärtsspiele verloren. Die Mannschaft tut sich schwer gegen tief stehende Gegner und fehlt es an Kreativität im letzten Drittel, wenn der Raum eng wird.
Tabellensituation nach 22 Spieltagen
Die aktuelle Bundesliga-Tabelle zeigt eine klare Zweiteilung: Bayern an der Spitze mit komfortablem Vorsprung, dahinter ein enges Verfolgerfeld.
| Platz | Mannschaft | Spiele | Punkte | Tore | Diff. |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Bayern München | 22 | 57 | 82:19 | +63 |
| 2 | Borussia Dortmund | 22 | 51 | 67:34 | +33 |
| 3 | RB Leipzig | 22 | 48 | 61:29 | +32 |
| 4 | Bayer Leverkusen | 22 | 46 | 58:31 | +27 |
| … | … | … | … | … | … |
| 16 | VfL Bochum | 22 | 23 | 31:52 | -21 |
| 17 | St. Pauli | 22 | 20 | 26:48 | -22 |
| 18 | TSG Hoffenheim | 22 | 18 | 33:64 | -31 |
Beobachtungen zur Tabellenentwicklung:
Bayerns Sechs-Punkte-Vorsprung auf Dortmund erscheint komfortabel, doch die wahre Dominanz zeigt sich in der Tordifferenz. Mit 63 Toren Vorsprung demonstrieren die Münchner eine Konstanz, die in dieser Form seit Jahren nicht mehr zu sehen war.
Der Abstiegskampf bleibt spannend: Zwischen Platz 14 und 18 liegen nur acht Punkte. St. Paulis Sieg könnte der Wendepunkt sein – oder nur ein Strohfeuer. Die kommenden drei Spieltage werden entscheidend.

Quoten-Trends und Wettmarkt-Analyse
Die Buchmacher haben ihre Einschätzungen nach dem 21. Spieltag angepasst. Interessant sind vor allem die Bewegungen im Meisterschaftsrennen und beim Abstieg.
Meisterquoten (Durchschnitt der Top-Anbieter):
- Bayern München: 1.08 (Vorwoche: 1.12)
- Borussia Dortmund: 9.50 (Vorwoche: 8.00)
- RB Leipzig: 21.00 (Vorwoche: 18.00)
Bayerns Quote ist nach dem Hoffenheim-Spiel weiter gefallen. Die Wahrscheinlichkeit einer Titelverteidigung liegt laut impliziter Wahrscheinlichkeit bei über 92%. Selbst ein Patzer würde den Vorsprung kaum gefährden.
Abstiegsquoten:
Die Quoten für St. Pauli (direkter Abstieg) sind nach dem Stuttgart-Sieg von 1.60 auf 2.10 gestiegen – ein klares Signal, dass der Wettmarkt den Kiezkicker wieder Chancen einräumt. Hoffenheim hingegen rutscht mit 1.75 deutlich in den Fokus der Abstiegskandidaten.
Systemvergleich und warum Bayern so überlegen ist
Die analytische Betrachtung zeigt: Bayerns Erfolg basiert nicht auf Einzelkönnern allein, sondern auf einem System, das optimal auf die Spielerqualitäten abgestimmt ist.
Pressing-Intensität:
Bayern erobert den Ball im Schnitt 22 Meter vor dem gegnerischen Tor zurück – ein Spitzenwert in der Liga. Das hohe Pressing unter Trainer Vincent Kompany funktioniert, weil die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen minimal sind.
Chancenverwertung:
Mit 82 Toren aus erwarteten 74,3 Expected Goals (xG) liegt Bayern leicht über dem Erwartungswert. Das deutet auf Effizienz hin, aber nicht auf Glück. Kane allein hat 26 Tore bei 23,8 xG – ein Zeichen für Klasse.

Defensive Stabilität:
Nur 19 Gegentore bedeuten den besten Defensivwert der Liga. Besonders bemerkenswert: In 14 von 22 Spielen blieb Bayern ohne Gegentor. Die Kombination aus Min-jae Kim und Dayot Upamecano in der Innenverteidigung funktioniert hervorragend.
St. Pauli und die Frage ob der Klassenerhalt gelingt
St. Pauli steht vor einer enormen Herausforderung. Mit nur 20 Punkten nach 22 Spielen braucht es einen Durchschnitt von etwa 1,4 Punkten pro Spiel in der Rückrunde, um die 40-Punkte-Marke zu erreichen.
Stärken identifizieren:
Die Datenanalyse zeigt, dass St. Pauli in bestimmten Bereichen durchaus konkurrenzfähig ist:
- Standardsituationen: 7 Tore, Platz 8 in der Liga
- Laufbereitschaft: 116,8 km pro Spiel, Ligaspitze
- Defensive Zweikämpfe: 56% Erfolgsquote, solide
Schwächen minimieren:
Das größte Problem bleibt die Chancenverwertung. Mit nur 26 Toren bei 32,4 xG lässt St. Pauli zu viele Möglichkeiten ungenutzt. Der Kader fehlt es an einem echten Goalgetter, der in der Bundesliga konstant trifft.
Die verbleibenden Gegner werden entscheidend sein. Direkte Duelle gegen Bochum (Heim), Hoffenheim (Auswärts) und Heidenheim (Heim) könnten über Klassenerhalt oder Abstieg entscheiden.
Ausblick auf die kommenden Spieltage
Das Top-Spiel des 22. Spieltags wird das Duell Bayern gegen Eintracht Frankfurt am 21. Februar. Frankfurt steht auf Platz 5 und will den Anschluss an die Champions-League-Plätze halten. Die Quoten zeigen Bayern mit 1.35 als klaren Favoriten, doch Frankfurt hat in den letzten Jahren immer wieder für Überraschungen in München gesorgt.

Für St. Pauli geht es gegen Freiburg – ein Team, das auswärts deutlich schwächer ist als zu Hause. Mit einer ähnlich kompakten Leistung wie gegen Stuttgart könnten die Hamburger durchaus punkten.
Fazit und eine zweigeteilte Liga mit klaren Trends
Der 21. Spieltag hat die Trends der Saison bestätigt: Bayern dominiert mit einer Mischung aus individueller Klasse und taktischer Perfektion. Der Abstand zur Konkurrenz ist nicht nur in Punkten, sondern auch in der Spielweise deutlich sichtbar.
St. Paulis Sieg gegen Stuttgart zeigt, dass im Abstiegskampf noch alles offen ist. Die taktische Disziplin und der Kampfgeist könnten ausreichen, wenn die Effizienz vor dem Tor steigt.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Bayern unaufhaltsam Richtung Meisterschaft marschiert oder ob Dortmund noch einmal Spannung in die Titelrace bringen kann. Und im Tabellenkeller wird jedes Spiel zur Nervenprobe – für Spieler, Trainer und Fans gleichermaßen.
