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Arsenals Pressing-System entschlüsselt so hat Arteta die Premier League taktisch revolutioniert in 5 Schritten

5 Min. Lesezeit

Die Premier League hat in den letzten Jahren eine taktische Evolution erlebt, die das Pressingspiel auf ein neues Niveau gehoben hat. Während Guardiolas Manchester City und Klopps Liverpool den Fokus lange dominierten, hat Mikel Arteta bei Arsenal ein System entwickelt, das sich durch seine Intelligenz und Anpassungsfähigkeit auszeichnet. Die Gunners pressen nicht mehr – sie entschlüsseln gegnerisches Aufbauspiel systematisch.

Was macht Artetas Ansatz so besonders? Es ist die Kombination aus akribischer Vorbereitung, klaren Triggerpunkten und einer mannschaftlichen Disziplin, die Arsenal ermöglicht, Ballgewinne in gefährlichen Zonen zu erzwingen, ohne dabei defensive Stabilität zu opfern. Wir analysieren die fünf Kernelemente dieses taktischen Meisterwerks.

Arsenal Spieler führen koordiniertes Pressing unter Arteta aus - taktische Analyse

Schritt 1: Signalbasierte Pressingauslösung statt blindem Anlaufen

Der fundamentale Unterschied zwischen Arsenals Pressing und dem vieler Konkurrenten liegt in der Selektivität. Arteta hat ein regelbasiertes System implementiert, das auf spezifischen Auslösern basiert. Seine Mannschaft presst nicht konstant, sondern wartet auf definierte Momente.

Die drei Haupttrigger:

Rückwärtspässe gelten als primärer Auslöser, besonders wenn der Gegner unter Druck zum Torhüter zurückspielt. Arsenal verschiebt in diesem Moment aggressiv nach vorn und schneidet Passlinien ab. Schlechte erste Ballkontakte signalisieren Verwundbarkeit – der ballnahe Spieler attackiert sofort, während Mitspieler Ausweichmöglichkeiten blockieren. Isolierte Verteidiger ohne Anspielstationen werden gezielt unter Druck gesetzt, um Fehlpässe in zentrale Zonen zu provozieren.

Diese konditionierte Herangehensweise ermöglicht es Arsenal, Energie zu konservieren und gleichzeitig in den entscheidenden Momenten maximalen Druck auszuüben. Die Spieler trainieren diese Szenarien wöchentlich in Video-Sessions und auf dem Platz, bis die Reaktionen automatisiert ablaufen.

Schritt 2: Das "Double Press"-System als taktische Falle

Eine der raffiniertesten Entwicklungen unter Arteta ist das sogenannte "Double Press" – eine koordinierte Pressingfalle, die besonders gegen ballsichere Teams wie Manchester City verheerend wirkt.

Die Mechanik funktioniert in Wellen: Der erste Angreifer initiiert Druck auf den Ballträger, zwingt ihn aber bewusst nicht zum sofortigen Ballverlust. Stattdessen lenkt er den Pass in eine vorbestimmte Zone. Der zweite Presser lauert bereits dort und attackiert mit höherer Intensität, sobald der Ball ankommt. Gleichzeitig verschieben umliegende Spieler und blockieren Ausweichoptionen.

Arsenals Double Press System - taktische Falle mit blockierten Passlinien

Häufige Ziele dieser Taktik:

  • Defensive Mittelfeldspieler wie Rodri oder Fabinho
  • Innenverteidiger mit schwächerem Fuß
  • Außenverteidiger in Randpositionen ohne Passwinkel

Das Double Press erzeugt erzwungene Fehlpässe oder Ballverluste in Zonen, wo Arsenal numerische Überlegenheit herstellen kann. Die Analyse von Spielen gegen Top-Teams zeigt, dass Arsenal durchschnittlich 4-6 hochwertige Chancen pro Spiel direkt aus solchen Pressingfallen generiert.

Schritt 3: Defensive Kompaktheit durch synchronisierte Linien

Pressing ohne defensive Organisation ist riskant. Arteta hat dieses Problem gelöst, indem er extreme Wert auf die Verbindung zwischen Abwehr- und Mittelfeldreihen legt. Die Abstände zwischen den Linien bleiben konstant bei 10-15 Metern – unabhängig davon, ob Arsenal hoch oder tief steht.

Vertikale Kompaktheit:

Spielsituation Abstand Abwehr-Mittelfeld Abstand Mittelfeld-Angriff
Hohes Pressing 12-14 Meter 10-12 Meter
Mittleres Pressing 10-12 Meter 12-15 Meter
Tiefer Block 8-10 Meter 15-18 Meter

Diese Disziplin schließt die gefährlichen Räume zwischen den Linien – jene Zonen, in denen kreative Spieler wie De Bruyne oder Ödegaard (ironischerweise gegen andere Teams) Schaden anrichten. Gabriel und Saliba agieren dabei als ruhende Pole, die auch unter Druck saubere Lösungen finden und Arsenal ermöglichen, gegnerisches Pressing zu überspielen.

Die horizontale Kompaktheit wird durch klare Verschiebemuster garantiert. Wenn der Ball auf die rechte Seite des Gegners wandert, verschiebt das gesamte Team geschlossen – nie individuell. Diese kollektive Bewegung macht es nahezu unmöglich, Arsenal mit schnellen Verlagerungen auszuspielen.

Arsenal defensive Kompaktheit - drei Linien mit perfekter vertikaler Staffelung

Schritt 4: Shape-Shifting durch adaptive Formationen

Arsenals 4-3-3-Grundformation ist nur der Ausgangspunkt. Während des Spiels morpht das Team ständig zwischen verschiedenen Strukturen, ohne dabei die taktische Balance zu verlieren. Diese Flexibilität desorientiert gegnerische Pressingpläne fundamental.

Formations-Variationen im Spiel:

Gegen den Ball transformiert Arsenal häufig in ein 4-4-2, wobei ein Achter nach vorne rückt und mit dem Mittelstürmer eine Doppelspitze bildet. Dies blockiert zentrale Passlinien effektiver. Bei Ballbesitz wechselt das Team in ein asymmetrisches 3-2-5, bei dem ein Außenverteidiger (meist Ben White) ins Mittelfeld einrückt, während der andere breit bleibt.

In Halbräumen – jenen Zonen zwischen Flügel und Zentrum – rotieren Arsenal-Spieler konstant. Mal besetzt Saka den rechten Halbraum, mal Ödegaard, mal der einrückende Achter. Diese Rotation ohne feste Referenzpunkte verhindert, dass Gegner individuelle Zuordnungen etablieren können.

Die kognitive Belastung für gegnerische Verteidiger ist enorm. Sie müssen ständig neu orientieren, wer wo steht und welche Räume gefährdet sind. Dies führt zu Verzögerungen in der Entscheidungsfindung – und genau diese Millisekunden nutzt Arsenal.

Schritt 5: Sofortige Übergänge nach Ballgewinn

Das ultimative Ziel von Artetas Pressingsystem ist nicht nur der Ballgewinn selbst, sondern die unmittelbare Umwandlung in Torgefahr. Arsenal trainiert spezifisch den Übergang vom Pressing zur Chance.

Die Übergangsphase nach Ballgewinn:

Innerhalb von 3-5 Sekunden nach einem hohen Ballgewinn initiiert Arsenal vertikale Bewegungen. Spieler, die nicht am Pressing beteiligt waren, starten Läufe hinter die gegnerische Kette. Der Ballgewinner hat klare Optionen: Entweder der direkte vertikale Pass in die Tiefe oder die schnelle Verlagerung auf die schwache Seite, wo durch das Pressing Überzahlsituationen entstanden sind.

Die Statistik unterstreicht die Effizienz: Arsenal erzielt überdurchschnittlich viele Tore innerhalb von 10 Sekunden nach Ballgewinn. Diese "Quick Transition Goals" sind das direkte Resultat der systematischen Vorbereitung.

Arsenals Formations-Wandel von 4-3-3 zu 3-2-5 im taktischen Vergleich

Ballgewinne und Torchancen im Vergleich:

Zone Ballgewinne pro Spiel Chancen daraus Conversion Rate
Angriffsdrittel 6-8 3-4 38-42%
Mittleres Drittel 12-15 2-3 15-20%
Defensivdrittel 8-10 0-1 5-8%

Die Daten zeigen klar: Ballgewinne im Angriffsdrittel sind deutlich wertvoller. Genau deshalb investiert Arsenal so viel in die ersten vier Schritte – um diese hochwertigen Ballgewinne zu erzwingen.

Taktische Gesamtschau

Artetas System funktioniert, weil alle fünf Elemente ineinandergreifen. Die signalbasierten Trigger bestimmen, wann gepresst wird. Das Double Press definiert, wie gepresst wird. Die defensive Kompaktheit sichert ab, falls das Pressing durchbrochen wird. Das Shape-Shifting verhindert, dass Gegner sich anpassen. Und die schnellen Übergänge bestrafen jeden erzwungenen Fehler sofort.

Diese Systematik unterscheidet Arsenal von Teams, die spontan oder emotionsgetrieben pressen. Jeder Spieler kennt seine Rolle in jedem Szenario. Die mentale Klarheit reduziert Fehlerquoten und erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit jeder Pressingaktion.

Für Analysten und Taktikinteressierte bietet Arsenals Entwicklung eine Blaupause, wie modernes Pressing aussehen muss. Es reicht nicht mehr, einfach früh zu attackieren. Erfolgreiche Teams kombinieren Aggressivität mit Intelligenz, Intensität mit Timing und individuelle Qualität mit kollektiver Disziplin.

Die Premier League hat durch Artetas Arbeit eine neue Benchmark erhalten. Teams, die gegen Arsenal bestehen wollen, müssen nicht nur technisch versiert sein, sondern auch taktisch flexibel genug, um auf diese fünf koordinierten Pressingelemente zu reagieren. Die kommenden Saisons werden zeigen, ob andere Trainer Antworten auf dieses System finden – oder ob Arteta seinen Vorsprung weiter ausbauen kann.