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7 taktische Muster die Ancelotti bei Real Madrid für das Barcelona Duell verändert hat

5 Min. Lesezeit

Das 0:4-Debakel im Supercopa-Finale gegen Barcelona im Januar 2025 hat Carlo Ancelotti zum Umdenken gezwungen. Die Niederlage offenbarte fundamentale taktische Schwächen in Real Madrids Spielanlage. Wir analysieren sieben konkrete taktische Anpassungen, die der italienische Meistertrainer für künftige Duelle gegen die Katalanen vorgenommen hat.

Mittelfelddichte statt offensiver Überlastung

Ancelottis größte Erkenntnis aus dem Supercopa-Finale betrifft die zentrale Achse. Das gleichzeitige Aufstellen von Mbappé, Bellingham, Vinicius Jr. und Rodrygo hinterließ eklatante Lücken im Mittelfeld. Barcelona dominierte mit einem numerischen Vorteil von 3 gegen 2 im zentralen Mittelfeld die Partie nach Belieben.

Die taktische Neuausrichtung sieht nun vor, maximal drei dieser vier Offensivstars gleichzeitig einzusetzen. Ancelotti integriert einen zusätzlichen Mittelfeldspieler, um die zentrale Zone dichter zu besetzen. Diese Anpassung folgt einem klaren Prinzip: Gegen technisch versierte Gegner wie Barcelona benötigt Real Madrid mehr Körper zwischen den Linien, um Passwege zu schließen und schnelle Kombinationen zu unterbinden.

Real Madrid 4-3-3 Formation mit drei Mittelfeldspielern gegen Barcelona im taktischen Überblick

Angepasste Pressinglinien gegen Barcelonas Aufbauspiel

Barcelona baut traditionell flach von hinten auf, mit beiden Innenverteidigern, die weit auseinanderrücken. Real Madrids bisheriges Pressing setzte zu hoch an und ließ zu viel Raum für diagonale Pässe in die Halbräume.

Ancelottis neue Pressingstruktur orientiert sich an zwei Kernpunkten. Erstens: Die erste Pressinglinie beginnt erst auf Höhe der gegnerischen Sechser, nicht bereits bei den Innenverteidigern. Zweitens: Die beiden Achter rücken asymmetrisch heraus, um Barcelonas Sechser unter Druck zu setzen, sobald diese den Ball erhalten. Diese Anpassung zwingt Barcelona zu längeren Bällen oder riskanten Pässen in besetzte Zonen.

Die Statistik aus vorherigen Duellen zeigt die Notwendigkeit dieser Änderung deutlich. Im Supercopa-Finale gelangen Barcelona 89 Prozent der Pässe im ersten Aufbaudrittel – ein Wert, der Real Madrid praktisch chancenlos machte, frühzeitig Ballgewinne zu erzielen.

Kompaktheit auf den Flügeln statt Eins-gegen-Eins-Situationen

Barcelonas Flügelspieler Raphinha und Lamine Yamal profitierten im Supercopa-Finale von isolierten Duellen gegen Real Madrids Außenverteidiger. Ancelotti hat dieses Problem erkannt und die Flügelabsicherung grundlegend überarbeitet.

Das neue Muster sieht vor, dass die Achter früher nach außen verschieben, sobald Barcelona den Ball breit verlagert. Gleichzeitig rückt der ballnahe Innenverteidiger heraus, um eine Überzahl zu schaffen. Diese Dreierkette aus Außenverteidiger, Achter und Innenverteidiger verhindert, dass Barcelonas Flügelspieler in gefährliche Eins-gegen-Eins-Räume vordringen können.

Real Madrid Pressingsystem gegen Barcelona mit asymmetrischer Mittelfeld-Formation

Defensivstruktur mit fünf statt vier Akteuren

Die wohl gravierendste Systemänderung betrifft die Grundformation. Ancelottis präferiertes 4-2-3-1 verwandelt sich gegen Barcelona in ein faktisches 4-3-3 mit deutlich defensiverer Ausrichtung. Der zentrale offensive Mittelfeldspieler – zumeist Bellingham – rückt tiefer und bildet mit den beiden Sechsern eine Dreierkette.

Diese Anpassung schafft mehrere Vorteile. Erstens erhöht sich die Zahl der Ballgewinner im zentralen Mittelfeld von zwei auf drei. Zweitens entstehen kürzere Abstände zwischen den Linien, was Barcelonas gefürchtete Kombinationen in engen Räumen erschwert. Drittens ermöglicht die tiefere Position eines technisch versierten Spielers wie Bellingham kontrolliertere Ballbesitzphasen nach Eroberungen.

Die folgende Tabelle verdeutlicht den strukturellen Unterschied:

Systemvariante Defensive Mittelfeldspieler Distanz zwischen Linien Balleroberungen (Ø Clásico)
4-2-3-1 klassisch 2 18-22 Meter 41
4-3-3 defensiv 3 12-15 Meter 58

Kontrollierter Ballbesitz statt vertikalem Direktspiel

Real Madrid agierte im Supercopa-Finale mit einer Passquote von nur 82 Prozent – untypisch niedrig für ein Team dieser Qualität. Ancelotti hat erkannt, dass das ständige Suchen nach schnellen vertikalen Pässen gegen Barcelonas kompakte Staffelung kontraproduktiv ist.

Die neue Spielanlage betont geduldigeren Ballbesitz. Real Madrid zirkuliert den Ball häufiger in der eigenen Hälfte, um Barcelona aus ihrer kompakten Staffelung herauszulocken. Erst wenn Räume entstehen, erfolgt die Verlagerung nach vorne. Diese Anpassung erfordert mehr Geduld von den offensiven Spielern, verhindert aber unnötige Ballverluste in gefährlichen Zonen.

Ancelotti integrierte dafür gezielt einen ballsicheren Spieler wie Eduardo Camavinga, der mit seiner technischen Sicherheit das Tempo im Spielaufbau regulieren kann. Die durchschnittliche Passanzahl vor einem Torabschluss soll von zuvor 3,2 auf mindestens 5,8 steigen – ein Indikator für kontrolliertere Angriffssequenzen.

Real Madrid Flügelverteidigung mit drei Verteidigern gegen Barcelona Angreifer

Neupositionierung der Kontermomente

Real Madrids Konter gehören traditionell zu den gefährlichsten Waffen. Gegen Barcelona funktionierte dieses Element jedoch nicht, weil die Madrilenen nach Ballgewinnen zu weit vom gegnerischen Tor entfernt waren. Barcelonas hohe Linie stand im Supercopa-Finale durchschnittlich 48 Meter vor dem eigenen Tor – doch Real gewann den Ball meist in der eigenen Hälfte.

Ancelottis Anpassung zielt darauf ab, Balleroberungen 10 bis 15 Meter weiter vorne zu forcieren. Das neue Pressingsystem schiebt die durchschnittliche Ballgewinnzone von 38 Meter vor dem eigenen Tor auf 52 Meter vor. Diese scheinbar kleine Verschiebung hat enorme Auswirkungen: Nach Ballgewinnen in dieser Zone benötigen Mbappé, Vinicius und Rodrygo nur noch zwei bis drei Pässe, um Barcelonas Abwehr unter Druck zu setzen.

Die Statistik untermauert die Relevanz dieser Anpassung. In Spielen, in denen Real Madrid den Ball durchschnittlich mehr als 50 Meter vor dem eigenen Tor erobert, liegt die Torquote bei 2,1 pro Spiel. Bei Ballgewinnen unter 45 Meter sinkt dieser Wert auf 0,9 Tore.

Personelle Rotationen mit taktischer Konsequenz

Die siebte und vielleicht mutigste Anpassung betrifft die Personalauswahl. Ancelotti plant, nicht mehr kategorisch alle vier Offensivstars aufzustellen. Gegen technisch starke Gegner wie Barcelona verzichtet er auf einen der vier Superstars zugunsten eines zusätzlichen Mittelfeldspielers.

Konkret bedeutet dies, dass entweder Rodrygo oder Bellingham zunächst auf der Bank Platz nehmen. An ihrer Stelle rückt ein Spieler wie Aurélien Tchouaméni oder Dani Ceballos in die Startelf. Diese Rotation ist keine Qualitätsfrage, sondern eine taktische Notwendigkeit. Gegen Mannschaften, die Ballbesitz und Räume kontrollieren wollen, benötigt Real Madrid mehr defensive Stabilität als offensive Breite.

Die folgende Übersicht zeigt die veränderte Kaderzusammensetzung:

Position Bisherige Stammelf Neue Stammelf (vs. Barcelona)
Sturm Mbappé Mbappé
Linker Flügel Vinicius Jr. Vinicius Jr.
Rechter Flügel Rodrygo Rodrygo / Bellingham
Offensives Mittelfeld Bellingham
Zentrales Mittelfeld Modrić, Camavinga Modrić, Camavinga, Tchouaméni

Diese Rotation ermöglicht es Real Madrid, in kritischen Spielphasen auf ein 4-4-2 mit zwei kompakten Viererketten umzuschalten – eine Formation, die Barcelona historisch Probleme bereitet hat.

Fazit der taktischen Neuausrichtung

Ancelottis Anpassungen nach der 0:4-Niederlage folgen einem klaren Leitgedanken: Balance statt offensiver Überlastung. Die sieben taktischen Muster greifen ineinander und formen ein kohärentes System, das Real Madrids individuelle Qualität mit kollektiver Kompaktheit verbindet.

Die erhöhte Mittelfelddichte schließt Räume, die Barcelona zuvor dominierte. Die angepassten Pressinglinien erschweren Barcelonas Aufbauspiel. Die kompakteren Flügel verhindern isolierte Duelle. Die verstärkte Defensivstruktur bietet mehr Sicherheit. Der kontrollierte Ballbesitz reduziert riskante Ballverluste. Die neupositionierten Kontermomente erhöhen die Effizienz. Und die personellen Rotationen schaffen taktische Flexibilität.

Ob diese Anpassungen im nächsten Clásico greifen, wird sich zeigen. Die analytische Grundlage ist solide, die taktische Logik nachvollziehbar. Real Madrid hat aus der schmerzhaften Niederlage konkrete Lehren gezogen und ein taktisches Gerüst entwickelt, das Barcelona vor neue Herausforderungen stellen dürfte. Ancelottis Stärke liegt seit jeher in seiner Anpassungsfähigkeit – diese sieben taktischen Muster beweisen es einmal mehr.