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7 taktische Fehler die Dortmunds Champions-League-Traum 2026 gefährden

5 Min. Lesezeit

Borussia Dortmund steht in der Champions-League-Saison 2025/26 vor einer entscheidenden Phase. Mit 17 kassierten Gegentoren in der Ligaphase zeigt sich ein Muster, das wir bereits aus vergangenen Spielzeiten kennen. Die Niederlagen gegen Tottenham und Inter Mailand haben schonungslos offenbart, dass der BVB gegen europäische Spitzenteams noch immer verwundbar ist. Wir analysieren sieben zentrale taktische Schwachstellen, die den Champions-League-Traum der Schwarz-Gelben ernsthaft gefährden.

Defensive Anfälligkeit bei Standardsituationen

Die Statistik ist alarmierend. Über 30 Prozent der Gegentore in der laufenden Champions-League-Kampagne resultierten aus Standardsituationen. Bei Eckbällen und Freistößen zeigt Dortmund eine besorgniserregende Anfälligkeit in der Zoneneinteilung. Das Problem liegt nicht primär in der individuellen Zweikampfstärke, sondern in der mangelhaften räumlichen Orientierung.

Wir beobachten immer wieder, dass zwischen Fünfmeterraum und Elfmeterpunkt gefährliche Lücken entstehen. Gegnerische Mittelstürmer finden dort zu viel Raum für ungestörte Kopfballabschlüsse. Die Absicherung der zweiten Pfosten funktioniert nur sporadisch. Gegen Inter Mailand führte genau diese Schwäche zum entscheidenden Gegentor – ein Paradebeispiel für fehlende Abstimmung zwischen Innenverteidigung und Sechserposition.

Dortmund Defensive bei Eckball mit Lücken in der Strafraum-Absicherung Champions League 2026

Kompaktheit im Mittelfeld fehlt konstant

Der Raum zwischen defensivem Mittelfeld und Abwehrkette weist durchschnittlich 18 bis 22 Meter auf – deutlich zu viel für Champions-League-Niveau. Diese mangelnde Kompaktheit erlaubt es gegnerischen Zehnern und hängenden Spitzen, sich immer wieder in gefährlichen Halbräumen zu positionieren.

Emre Can auf der Sechserposition kann diesen Raum nicht alleine kontrollieren. Wenn zusätzlich Schlotterbeck oder Süle verletzungsbedingt fehlen, bricht die Staffelung komplett zusammen. Wir haben in den Partien gegen Tottenham gemessen, dass die Londoner durchschnittlich 14 unkontrollierte Ballkontakte pro Spiel in genau dieser Zone hatten. Das ist für ein Team mit Titelambitionen inakzeptabel.

Die fehlende Kompaktheit zwingt die Außenverteidiger zu permanenten Verschiebebewegungen nach innen, was wiederum die Flügel öffnet. Ein Teufelskreis, der taktische Disziplin und bessere Abstimmung zwischen den Linien erfordert.

Zu aggressives Pressing ohne Absicherung

Dortmunds Pressing-Intensität in der gegnerischen Hälfte liegt bei beeindruckenden 42 Prozent – deutlich über dem Champions-League-Durchschnitt von 34 Prozent. Doch diese Aggressivität wird zum Bumerang, wenn die Absicherung fehlt. Nach gewonnenen Pressingduellen in der Vorwärtsbewegung entstehen regelmäßig Überzahlsituationen für den Gegner.

Das zentrale Problem liegt in der Staffelung. Die offensive Dreierreihe presst hochmotiviert, doch das Mittelfeld rückt nicht synchron nach. Diese Lücke von durchschnittlich 25 Metern zwischen vorderster und zweiter Pressinglinie wird von erfahrenen Champions-League-Teams systematisch ausgespielt. Inter Mailand brauchte im Schnitt nur 2,3 Pässe, um dieses Pressing zu überspielen und dann mit numerischer Überlegenheit auf die BVB-Defensive zu laufen.

BVB Mittelfeld zeigt zu große Abstände zwischen defensiven Linien - taktische Analyse

Schwächen in der defensiven Umschaltbewegung

Die Transition von Ballbesitz zu Ballverlust offenbart eine der gravierendsten Schwachstellen. Innerhalb der ersten fünf Sekunden nach Ballverlust erreicht Dortmund durchschnittlich nur 68 Prozent der notwendigen Gegenpressing-Positionierung. Zum Vergleich: Manchester City liegt bei 87 Prozent, Real Madrid bei 84 Prozent.

Diese verzögerte Reaktion ermöglicht es Gegnern, mit schnellen vertikalen Pässen hinter die aufgerückte Viererkette zu kommen. Ryerson und Bensebaini auf den Außenbahnen sind in solchen Momenten oft zu weit aufgerückt und erreichen ihre Defensivpositionen nicht rechtzeitig. Die Innenverteidiger müssen dann den kompletten Halbraum alleine verteidigen – eine nahezu unlösbare Aufgabe gegen schnelle Flügelspieler.

Wir sehen hier ein systematisches Problem in der Coaching-Philosophie. Die offensive Ausrichtung ist grundsätzlich richtig, doch ohne disziplinierte Gegenpressing-Organisation wird sie zur Achillesferse.

Fehlende taktische Variabilität im Spielsystem

Dortmund agiert in 89 Prozent der Champions-League-Spiele mit einem 4-2-3-1 System. Diese Vorhersehbarkeit erleichtert es Gegnern, sich gezielt vorzubereiten. Echte taktische Alternativen wie ein 3-4-3 oder ein asymmetrisches 4-3-3 werden kaum eingesetzt.

Wenn das Standardsystem nicht funktioniert, fehlen Plan B und Plan C. Gegen defensive Mittelfeldblöcke findet Dortmund keine Lösungen. Die Passquote in das letzte Drittel sinkt in solchen Partien auf unter 58 Prozent – deutlich unter dem eigenen Saisondurchschnitt von 71 Prozent.

Besonders problematisch wird es bei Rückständen. Während der Rückstand gegen Tottenham hätte ein früherer taktischer Wechsel zu mehr Kreativität in der Zentrale geführt. Stattdessen wurde zu lange am nicht funktionierenden System festgehalten. Diese taktische Starrheit kostet in entscheidenden Momenten wertvolle Punkte.

Dortmund Pressing ohne Absicherung offenbart gefährliche Räume im Champions-League-Spiel

Problematische Spielverlagerung unter Druck

Die Fähigkeit, das Spiel unter gegnerischem Druck von einer Seite auf die andere zu verlagern, ist im modernen Fußball essenziell. Dortmunds Erfolgsquote bei diagonalen Verlagerungspässen liegt in der Champions League bei nur 64 Prozent. Zum Vergleich: Barcelona erreicht 79 Prozent, Bayern München 76 Prozent.

Das Hauptproblem liegt in der Positionierung der Innenverteidiger und des defensiven Mittelfelds. Bei eigenem Ballbesitz öffnet sich die Viererkette zu wenig, um Passwege zu schaffen. Die Abstände zwischen den Innenverteidigern betragen oft nur 12 bis 15 Meter – zu eng für effektive Spielverlagerungen. Gleichzeitig positioniert sich Can zu nah an der Abwehrlinie, statt zwischen den Linien Anspielstationen zu bieten.

Diese technische und taktische Schwäche führt zu vorhersehbaren Angriffsmustern über die Außenbahnen. Gegner können sich darauf einstellen und die Flügel kompakt zustellen. Das Spiel wird eindimensional und leicht zu verteidigen.

Extreme Anfälligkeit gegen schnelle Konterangriffe

Die wohl größte Achillesferse zeigt sich bei gegnerischen Kontersituationen. Dortmund kassierte 41 Prozent aller Champions-League-Gegentore nach Ballverlusten im gegnerischen Drittel. Diese Quote ist alarmierend und zeigt strukturelle Defizite in der Rückwärtsbewegung.

Nach Ballverlusten in Offensivpositionen benötigt die Mannschaft durchschnittlich 8,2 Sekunden, um eine stabile Defensivformation zu bilden. Weltklasse-Teams schaffen das in unter 6 Sekunden. Diese zwei Sekunden Unterschied sind in der Champions League entscheidend. Schnelle Gegner wie die Spurs-Offensive nutzen diese Zeitfenster gnadenlos aus.

Das Problem verschärft sich durch die hohe Positionierung der Außenverteidiger. Bei Ballverlust stehen beide Außenbahnen offen. Die Innenverteidiger müssen enorme Räume absichern und sind dabei meist in numerischer Unterlegenheit. Gegen technisch versierte und schnelle Angreifer ist das ein Rezept für Gegentore.

Strategische Neuausrichtung notwendig

Die analysierten taktischen Schwachstellen zeigen ein klares Muster. Dortmund verfügt zweifellos über individuelle Qualität und offensive Durchschlagskraft. Doch auf Champions-League-Niveau reicht das nicht aus. Die defensive Organisation, taktische Disziplin und systemische Flexibilität müssen dringend verbessert werden.

Mit 17 kassierten Gegentoren in der Ligaphase liegt der BVB deutlich über dem Durchschnitt der erfolgreichsten acht Teams (11,3 Gegentore). Diese Differenz von fast sechs Toren verdeutlicht den Handlungsbedarf. Jeder der sieben identifizierten Fehler ist korrigierbar – durch intensiveres taktisches Training, bessere Videoanalyse und möglicherweise punktuelle Kaderverstärkungen in der Defensive.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die sportliche Führung diese Probleme erkennt und adressiert. Der Champions-League-Traum 2026 hängt maßgeblich davon ab, wie schnell und konsequent diese taktischen Defizite behoben werden. Die Qualität im Kader ist vorhanden – nun muss die taktische Umsetzung folgen.