Markt- & Quotenanalyse
Sportwetten-Einsätze im 2. Quartal 2026: Warum das Minus noch keinen Trend belegt
Inhaltlich überarbeitet: 28.09.2026

Sinken die Sportwetten-Einsätze im zweiten Quartal 2026, schrumpft dann der Markt?
Die Daten der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) geben darauf eine klare, aber zweigeteilte Antwort: Im Vergleich zum ersten Quartal ist das erfasste Volumen zurückgegangen. Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 liegt es jedoch deutlich höher. Ein einzelnes Quartalsminus ist deshalb noch kein Beleg für einen neuen Abwärtstrend.
Die Q2-Zahlen: Weniger Volumen als im Jahresbeginn
Laut dem GGL-Marktmonitor wurden im zweiten Quartal 2026 Sportwetten-Einsätze von insgesamt 2.223 Millionen Euro erfasst. Gemeint ist das umgesetzte Spielvolumen, nicht der Ertrag der Anbieter.
| Bereich | Q1 2026 | Q2 2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Sportwetten online | 1.809 Mio. € | 1.711 Mio. € | −5,4 % |
| Sportwetten stationär | 622 Mio. € | 512 Mio. € | −17,7 % |
| Sportwetten gesamt | 2.431 Mio. € | 2.223 Mio. € | −8,6 % |
Der Rückgang fällt im stationären Bereich deutlich stärker aus als online. Bei Sportwetten über das Internet sank das Volumen um 98 Millionen Euro. Stationär waren es 110 Millionen Euro weniger. Das erklärt, warum die Gesamtsumme um 208 Millionen Euro zurückging.
Die Rechnung für das gesamte Sportwetten-Volumen lautet:
2.223 ÷ 2.431 ≈ 0,9144
Das entspricht einem Rückgang von rund 8,6 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2026.
Für die Online-Sportwetten ergibt sich:
1.711 ÷ 1.809 ≈ 0,9458
Das sind rund 5,4 Prozent weniger. Im stationären Bereich lautet die Rechnung:
512 ÷ 622 ≈ 0,8232
Hier ergibt sich ein Minus von rund 17,7 Prozent.
Diese Werte beschreiben zunächst nur den Vergleich zweier aufeinanderfolgender Quartale. Sie sagen noch nicht, ob der Markt langfristig kleiner wird.
Der Vorjahresvergleich zeigt ein anderes Bild
Für die Frage nach einem möglichen Trend ist der Vergleich mit dem gleichen Quartal des Vorjahres besonders wichtig. Er verhindert, dass ein saisonaler oder kurzfristiger Ausschlag automatisch als dauerhafte Entwicklung interpretiert wird.
Im zweiten Quartal 2025 lagen die erfassten Sportwetten-Einsätze bei 1.885 Millionen Euro. Im zweiten Quartal 2026 waren es 2.223 Millionen Euro. Damit ergibt sich:
2.223 ÷ 1.885 ≈ 1,1793
Das entspricht einem Plus von rund 17,9 Prozent.
Der Online-Bereich wuchs von 1.391 auf 1.711 Millionen Euro:
1.711 ÷ 1.391 ≈ 1,2301
Das sind rund 23,0 Prozent mehr als im zweiten Quartal 2025.
Stationär stieg das Volumen dagegen nur leicht von 494 auf 512 Millionen Euro:
512 ÷ 494 ≈ 1,0364
Das entspricht einem Plus von rund 3,6 Prozent.
Damit entsteht ein klares Muster:
- Gegenüber dem ersten Quartal 2026 sinken die Sportwetten-Einsätze.
- Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 liegen sie deutlich höher.
- Das Wachstum im Jahresvergleich kommt vor allem aus dem Online-Bereich.
Ein Quartalsminus und ein Jahresplus können gleichzeitig richtig sein. Sie beantworten unterschiedliche Fragen. Der Quartalsvergleich zeigt die kurzfristige Veränderung. Der Vorjahresvergleich zeigt, wie das aktuelle Quartal im Verhältnis zu einem vergleichbaren Zeitraum steht.
Das Quartalsminus gab es schon 2025
Auch der Blick auf die Quartalsfolge des Vorjahres spricht gegen eine vorschnelle Trendthese. 2025 lagen die gesamten Sportwetten-Einsätze im ersten Quartal bei 2.179 Millionen Euro. Im zweiten Quartal waren es 1.885 Millionen Euro.
Die Rechnung:
1.885 ÷ 2.179 ≈ 0,8651
Das entspricht einem Rückgang von rund 13,5 Prozent.
Im dritten Quartal 2025 lag der Wert mit 1.876 Millionen Euro nahezu auf dem Niveau des zweiten Quartals. Im vierten Quartal stieg er anschließend auf 2.317 Millionen Euro.
Das zeigt keine sichere Wiederholung für 2026. Es zeigt aber, dass ein Rückgang vom ersten zum zweiten Quartal nicht neu ist. Ein einzelner Wert reicht daher nicht aus, um eine dauerhafte Abwärtsbewegung zu belegen. Dafür müssten weitere Quartale vorliegen und in einem vergleichbaren Rahmen ausgewertet werden.
Der Online-Anteil liegt im Vergleich höher
Der Online-Anteil an den gesamten Sportwetten-Einsätzen ist im zweiten Quartal 2026 gestiegen. Er lag bei rund 77,0 Prozent:
1.711 ÷ 2.223 ≈ 77,0 Prozent
Zum Vergleich:
- Q1 2026: 1.809 ÷ 2.431 ≈ 74,4 Prozent
- Q2 2025: 1.391 ÷ 1.885 ≈ 73,8 Prozent
Obwohl das Online-Volumen gegenüber dem ersten Quartal gesunken ist, ist sein Anteil am gesamten Sportwetten-Volumen gestiegen. Der Grund liegt im stärkeren Rückgang des stationären Bereichs.
Das ist ein wichtiger Unterschied: Ein sinkender Einzelwert bedeutet nicht automatisch, dass seine Bedeutung im Markt ebenfalls sinkt. Online-Sportwetten machen im erfassten Markt inzwischen einen größeren Anteil aus als ein Jahr zuvor. Der stationäre Bereich bleibt relevant, entwickelt sich aber schwächer.
Für die Einordnung von Markt- und Quotenzahlen ist es wichtig, Größen nicht zu vermischen. Ein Einsatzvolumen ist weder eine Quote noch eine Auszahlungsquote. Die Unterschiede zwischen Einsatz, Auszahlung und Ergebnis beschreibt der Beitrag Quoten, Auszahlung und Wahrscheinlichkeit. Auch ein Marktvolumen lässt sich nicht direkt als Gewinn oder Verlust der Anbieter interpretieren.
Nicht alle Glücksspielbereiche entwickeln sich gleich
Der hier ausgewertete Abschnitt I des GGL-Marktmonitors umfasst Sportwetten, virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und Pferdewetten im Internet; die separat ausgewiesenen Lotterien gehören nicht zu dieser Summe. Das erfasste Volumen dieser vier Bereiche sank von 3.842 Millionen Euro im ersten Quartal auf 3.624 Millionen Euro im zweiten Quartal.
Bei den einzelnen Bereichen gab es jedoch unterschiedliche Bewegungen:
- Virtuelle Automatenspiele stiegen von 1.201 auf 1.214 Millionen Euro.
- Online-Poker sank von 186 auf 158 Millionen Euro.
- Pferdewetten im Internet stiegen von 23 auf 28 Millionen Euro.
- Der Online-Anteil am Gesamtvolumen lag bei 3.112 Millionen Euro nach 3.220 Millionen Euro im ersten Quartal.
Diese Unterschiede sind ein weiterer Grund, nicht aus einem einzelnen Quartalswert auf den gesamten Markt zu schließen. Selbst innerhalb der erfassten Online- und Glücksspielangebote verlaufen die Entwicklungen nicht einheitlich.
Die Auszahlungsquote und ihre Grenzen sind ebenfalls nicht aus diesen Einsatzdaten abzuleiten. Wer den Quotenschwerpunkt eines Marktes untersuchen möchte, braucht andere Daten. Der Overround beschreibt beispielsweise den rechnerischen Aufschlag eines vollständigen Quotenmarktes. Er ist nicht dasselbe wie das eingesetzte Geld.
Was die Zahlen nicht sagen
Der GGL-Marktmonitor wurde am 12. August 2026 aktualisiert. Das zweite Quartal 2026 ist darin der aktuellste gemeldete Wert. Erfasst werden Veranstalter und Vermittler, die in die Zuständigkeit der GGL für länderübergreifende Angebote fallen. Der Datensatz bildet deshalb nicht automatisch den gesamten deutschen Markt einschließlich unerlaubter Angebote ab.
Auch die Bedeutung der Einheit ist wichtig: Die Beträge sind Einsätze, also umgesetztes Spielvolumen. Sie sind nicht gleichbedeutend mit:
- den Erträgen der Anbieter,
- den Gewinnen oder Verlusten der Spielenden,
- den Auszahlungen,
- den Einzahlungen,
- oder einer bestimmten Auszahlungsquote.
Außerdem können sich bei der Addition gerundeter Millionenbeträge kleine Differenzen ergeben. Die veröffentlichten Werte erlauben deshalb eine belastbare Richtungseinordnung, aber nicht jede beliebige Detailrechnung.
Aus den Zahlen lässt sich auch keine Ursache für den Rückgang ableiten. Der Marktmonitor beschreibt die beobachteten Beträge, erklärt aber nicht, warum sie sich von Quartal zu Quartal verändern. Ebenso lässt sich daraus keine Prognose für das dritte Quartal ableiten. Die Daten enthalten keine Aussagen zu einzelnen Sportarten, Wettbewerben, Spielen, Quoten oder Wettmärkten.
Quellen & Datenstand
Grundlage der Analyse ist der GGL-Marktmonitor zu den Spieleinsätzen der länderübergreifenden Glücksspiele, Datenstand 12.08.2026. Die Werte beziehen sich auf die dort ausgewiesenen Quartale 2025 sowie das erste und zweite Quartal 2026.
Für den regulatorischen Kontext wurde außerdem die GGL-Pressemitteilung vom 22.09.2026 zum fünfjährigen Bestehen der Behörde geprüft. Sie nennt unter anderem 129 erlaubte Veranstalter und Vermittler auf der amtlichen Whitelist, 229 erlaubte Glücksspielseiten sowie einen laut aktueller Kanalisierungsstudie regulierten Anteil von rund 77 Prozent des Online-Glücksspielmarktes. Diese Angaben beschreiben den Aufsichts- und Regulierungskontext und sind nicht mit den Sportwetten-Einsätzen des Marktmonitors gleichzusetzen.
Die Kernaussage bleibt damit begrenzt, aber deutlich: Das Sportwetten-Volumen ist im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Jahresbeginn gesunken. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2025 ist es jedoch klar gestiegen. Ein einzelnes Quartalsminus belegt daher noch keinen Abwärtstrend.