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Aktionstag Glücksspielsucht: Warum 89 Prozent der OASIS-Abfragen auf Werbung und Boni entfallen
Inhaltlich überarbeitet: 27.09.2026

Rund 89 Prozent: Diesen Anteil nennt die Landesfachstelle Glücksspielsucht NRW für OASIS-Abfragen zu Werbung, Boni und Rabatten im Juli 2026. Anlass der aktuellen Debatte ist der Aktionstag gegen Glücksspielsucht am 30. September. Entscheidend für die Einordnung ist die Zähleinheit: Gemeint sind technische Abfragen, weder einzelne Menschen noch nachgewiesene Werbesendungen.
Woher die 89 Prozent kommen
Die Landesfachstelle NRW nennt zwei Juli-Werte: 543.787.829 Abfragen zu Werbung, Rabatten und Boni sowie 68.655.888 Spielersperrabfragen vor der Teilnahme. Wir verwenden diese veröffentlichten Angaben mit dieser Herkunft; ein eigener Zugriff auf einzelne OASIS-Protokolle liegt nicht vor.
Zusammen ergeben die beiden Zahlen 612.443.717 Abfragen. Daraus rechnen wir: 543.787.829 ÷ 612.443.717 × 100 = rund 88,79 Prozent. Auf ganze Prozent gerundet sind es 89 Prozent. Die andere Gruppe macht rund 11,21 Prozent aus.
Auch die zeitliche Größenordnung lässt sich berechnen: 543.787.829 ÷ 31 ergibt rund 17,54 Millionen Abfragen je Julitag. Geteilt durch 86.400 Sekunden sind das im Monatsmittel etwa 203 pro Sekunde. Das ist ein rechnerischer Durchschnitt; Spitzenzeiten oder einzelne Nutzer lassen sich daraus nicht ablesen.
Warum auch Werbung eine Sperrprüfung auslöst
OASIS ist ein bundesweites, spielformübergreifendes Sperrsystem unter Verantwortung des Regierungspräsidiums Darmstadt. Die GGL erläutert seine Zuständigkeit und Schutzfunktion.
Das Regierungspräsidium unterscheidet in seiner Statistik Spielersperr-, Werbe- sowie Boni- und Rabattabfragen. Vor personalisierter Werbung und Angeboten ist zu prüfen, ob der Adressat gesperrt ist. Die gesonderte Grafik zu monatlichen Spielersperrabfragen enthält Werbe-, Boni- und Rabattabfragen ausdrücklich nicht. Wer Zahlen aus den beiden Grafiken vergleicht, muss deshalb ihre unterschiedlichen Definitionen beachten.
Für die Interpretation folgt daraus: Eine große Zahl solcher Prüfungen belegt für sich allein weder einen Regelverstoß noch ein Versagen der Sperre. Die Prüfung kann gerade dazu dienen, eine unzulässige Ansprache zu verhindern. Wie häufig das passiert und wie viele Personen betroffen sind, müsste mit weiteren Daten untersucht werden.
Was die Zahl nicht aussagt
- 89 Prozent der Abfragen bedeutet nicht: 89 Prozent der Werbung erreichten gesperrte Personen.
- Eine Abfrage ist kein Nachweis einer tatsächlich zugestellten Nachricht oder eines genutzten Bonus.
- Die Juli-Verteilung beschreibt weder das gesamte Jahr noch einen ausschließlich auf Sportwetten begrenzten Markt.
- Der Anteil sagt nichts darüber aus, wie viele unterschiedliche Personen angefragt wurden.
Diese Trennung von Zahl, Bezugsgröße und Schlussfolgerung hilft auch bei anderen Statistiken. Mehr dazu in Zahlen verstehen.
Welche Änderungen die Fachstellen fordern
Die Niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen unterstützt eine bundesweite Social-Media-Kampagne zum Aktionstag. Ihr Anliegen ist mehr Aufmerksamkeit für Glücksspielprobleme und Schutz angesichts der Werbung im Alltag.
Ein konkreter Forderungskatalog steht in der gemeinsamen Stellungnahme der Suchtverbände vom 18. Februar 2026: Die Verbände verlangen umfassende Werbebeschränkungen bis hin zu einem Verbot, einschließlich Social Media, Influencer-Marketing und datengetriebenem Targeting. Außerdem fordern sie ein Verbot des Sponsorings durch Wettanbieter. Das sind Forderungen der Verbände, keine durch den Aktionstag neu in Kraft tretenden Regeln.
Die gesundheitlichen Zahlen haben eine andere Grundlage
Der Glücksspiel-Survey 2025 von ISD und Universität Bremen basiert auf einer Befragung, nicht auf OASIS-Abfragen. Für die gewichteten Daten der 18- bis 70-Jährigen berichtet er 2,2 Prozent mit einer anhand der DSM-5-Kriterien erfassten Glücksspielstörung und 5,5 Prozent mit riskantem Spielverhalten. Eine Befragungsschätzung ist keine individuelle ärztliche Diagnose und keine direkte Zählung aller Betroffenen in Deutschland.
Wer sich wegen des eigenen Spielverhaltens oder eines Angehörigen Sorgen macht, findet auf Risiken und Hilfe Anlaufstellen und Informationen. Die Veranstaltung am 30. September ist dafür kein notwendiger Startpunkt.
Quellen und Datenstand
Geprüft am 27.09.2026. OASIS-Zahlen: Juli 2026, veröffentlicht von der Landesfachstelle NRW; Rechnungen oben eigenständig nachvollzogen. Befragungsdaten: Glücksspiel-Survey 2025. Stellungnahme: 18.02.2026. Aktionstag: 30.09.2026. Der Abrufzeitpunkt einer Webseite ist nicht automatisch ihr ursprüngliches Veröffentlichungsdatum.