Motorsport
Verbot von Übungsstarts an der Boxenausfahrt: Was die MotoGP-Kommission beschlossen hat
Inhaltlich überarbeitet: 28.09.2026

Die FIM hat am 23. September 2026 mehrere Beschlüsse der Grand-Prix-Kommission zur Motorrad-Weltmeisterschaft veröffentlicht.
Im Mittelpunkt steht das Verbot von Übungsstarts an der Boxenausfahrt. Außerdem gelten für die Moto2 ab 2027 neue Regeln bei Konzessionen, Fahrwerks-Updates und Aerodynamik. Die Eintragung des Drehzahllimits in das MotoGP-Reglement wird zusätzlich präzisiert. Der Umstieg auf Kraftstoffe aus 100 Prozent nicht-fossilem Ursprung in Moto2 und Moto3 kommt dagegen erst 2028.
Für Fans verändert sich vor allem, wo Übungsstarts zu sehen sind. Bei Vergleichen mit Vorjahren muss berücksichtigt werden, welche Regel zu welchem Zeitpunkt gilt.
Was steht in der Mitteilung vom 23. September?
Die Grand-Prix-Kommission ist das gemeinsame Entscheidungsgremium von FIM, IRTA, MSMA und MotoGP. Die FIM ist der internationale Motorradverband. IRTA vertritt die Teams, MSMA die Hersteller. Die Beschlüsse stammen deshalb nicht von einem einzelnen Fahrer oder Team.
Die offizielle Mitteilung wurde am 23. September 2026 in Mies veröffentlicht. Sie nennt vier Regelbereiche:
- Übungsstarts an der Boxenausfahrt
- Moto2-Konzessionen und technische Entwicklungsbauteile
- das Drehzahllimit in der MotoGP-ECU
- nicht-fossile Kraftstoffe in Moto2 und Moto3
Die vollständige Primärquelle ist die offizielle FIM-Mitteilung zu den Beschlüssen der Grand-Prix-Kommission vom 23. September 2026. Eine redaktionelle Zusammenfassung ist außerdem bei MotoGP.com abrufbar.
Übungsstarts: Die Boxenausfahrt fällt als Ort weg
Bisher waren Übungsstarts aus der Boxengasse an etwas mehr als 30 Prozent der Strecken des Kalenders erlaubt. Das geht aus der Mitteilung der Grand-Prix-Kommission hervor. Eine konkrete Zahl der betroffenen Grands Prix lässt sich daraus nicht ableiten: Das Dokument nennt keine Streckenliste und auch keine vollständige Zahl des Kalenders.
Die Kommission begründet die Änderung mit zwei Entwicklungen. Erstens gibt es inzwischen auf allen Strecken eigene Zonen für Übungsstarts. Zweitens findet bei jedem Grand Prix eine eigene Übungsstart-Session für die MotoGP statt. Ein Startversuch beim Herausfahren aus der Boxengasse ist damit aus Sicht der Kommission nicht mehr erforderlich.
Bei der zeitlichen Einordnung muss man zwei Angaben des Dokuments getrennt betrachten. Die Überschrift ordnet die Änderung der Saison 2027 zu. Im erläuternden Text steht zugleich, dass Übungsstarts aus der Boxengasse an allen Strecken mit sofortiger Wirkung verboten sind. Die Mitteilung enthält also sowohl den Bezug zur Saison 2027 als auch die Formulierung zur unmittelbaren Gültigkeit. Beides wird hier bewusst nicht zu einer einzigen Zeitangabe zusammengezogen.
Was merken Fans davon?
Der sichtbare Unterschied betrifft den Ablauf vor Sessions und Rennen. Ein Fahrer kann nicht mehr an der Boxenausfahrt anhalten und dort einen Übungsstart durchführen, wenn dieser Vorgang an einer Strecke bisher erlaubt war. Stattdessen findet die Übung in der dafür vorgesehenen Zone oder während der vorgesehenen Session statt.
Das ist keine Änderung der Rennwertung und keine neue Punkte-Regel. Es geht um den Ort und den Ablauf von Startübungen. Für Zuschauer kann das bedeuten, dass eine bekannte Handlung an der Boxenausfahrt nicht mehr zu sehen ist. Die Übungsstarts verschwinden jedoch nicht vollständig. Sie werden an einen anderen, einheitlicheren Ort verlagert.
Für historische Vergleiche ist diese Änderung trotzdem relevant. Ein Bericht oder eine Videoanalyse aus einer früheren Saison kann Übungsstarts an der Boxenausfahrt zeigen, während derselbe Ablauf nach Inkrafttreten des Verbots anders organisiert wird. Das ist ein Unterschied im Rennwochenende, aber kein Leistungswert eines Fahrers.
Moto2: Neustart bei den Konzessionen
In der Moto2 kommt 2027 eine neue Motorspezifikation des offiziellen Motorenlieferanten Triumph. Dadurch werden neue Fahrwerke nötig. Ein Chassis ist das grundlegende Fahrwerk eines Motorrads. Die Schwinge führt das Hinterrad und ermöglicht dessen Bewegung gegenüber dem Rahmen.
Wegen dieser technischen Umstellung beginnen alle Moto2-Teams die Saison 2027 ohne Konzessionen. Konzessionen sind im Reglement vorgesehene Einstufungen, die Teams oder Herstellern unter bestimmten Bedingungen zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten geben können. Die Einstufung wird laut Beschluss erst zur Saisonmitte neu bewertet.
Das bedeutet nicht, dass alle Teams sportlich gleich stark sind. Es bedeutet zunächst nur, dass die bisherige Konzessionsbewertung nicht unverändert in die neue Motorspezifikation übernommen wird. Für die Ergebnisse der ersten Saisonhälfte ist deshalb wichtig, dass die Ausgangslage formal neu gesetzt wird.
Nur ein Update für Chassis oder Schwinge
Die Chassishersteller dürfen im Saisonverlauf höchstens ein Update machen. Dieses Update kann entweder das Chassis oder die Schwinge betreffen. Beide Bereiche dürfen also nicht unabhängig voneinander jeweils einmal aktualisiert werden.
Die Kommission nennt die begrenzten Vorsaisontests mit dem neuen Motor und dem neuen Fahrwerk als Grund für diese Begrenzung. Die Regel soll den Entwicklungsrahmen an die verfügbare Testzeit anpassen. Sie verhindert zugleich, dass die technische Entwicklung während der Saison ohne klare Grenze ausgeweitet wird.
Für statistische Auswertungen entsteht dadurch ein zusätzlicher Zeitpunkt: der Saisonstart mit dem neuen Reglement, das mögliche Update im Saisonverlauf und die Neubewertung der Konzessionen zur Saisonmitte. Ein einfacher Vergleich der Ergebnisse vor und nach der Saisonmitte kann deshalb mehrere Ursachen haben. Die Technikregel allein erklärt kein bestimmtes Ergebnis.
Moto2: Aerodynamik wird auf dem Stand von 2026 eingefroren
Auch bei den Aero-Anbauteilen der Moto2 gibt es ab 2027 eine Begrenzung. Die aerodynamischen Bauteile werden auf dem Stand der 2026er-Designs eingefroren. Zusätzlich wird die Zahl früherer Designs begrenzt, die noch verwendet werden dürfen.
Aerodynamische Bauteile beeinflussen, wie die Luft um das Motorrad geführt wird. Für Leser ohne technisches Vorwissen ist vor allem der Zweck der Regel entscheidend: Die Teams sollen nicht unbegrenzt neue Formen entwickeln und einsetzen können. Die Kommission nennt die Kostenkontrolle als Begründung.
Die Einfrierung ist außerdem wichtig, um die neue Motorspezifikation nicht mit einer vollständig offenen Aero-Entwicklung zu verbinden. In der Saison 2027 ändern sich damit zwar Motor und Fahrwerk, aber die Entwicklung bestimmter Aero-Teile wird bewusst eingeschränkt.
MotoGP-ECU: 20.000 Umdrehungen pro Minute werden ausdrücklich ins Reglement geschrieben
Das Drehzahllimit von 20.000 Umdrehungen pro Minute war bereits in der Software der MotoGP-ECU hinterlegt. Die ECU ist die elektronische Steuereinheit des Motorrads. Nun wird dieses Limit zusätzlich ausdrücklich in das MotoGP-Reglement aufgenommen.
Die Grand-Prix-Kommission verwendet dabei dieselbe Formulierung wie im Moto3-Reglement. Es handelt sich nach der Mitteilung um eine zusätzliche Klarstellung der Regel. Der Beschluss gilt mit sofortiger Wirkung.
Für Zuschauer ändert sich dadurch wahrscheinlich wenig am sichtbaren Rennablauf. Für technische Kontrollen und die Auslegung des Reglements ist die schriftliche Aufnahme jedoch bedeutsam. Ein Wert, der bisher in der Software festgelegt war, steht damit zusätzlich klar im Regeltext.
Nicht-fossile Kraftstoffe erst ab 2028
Die Einführung von Kraftstoffen aus 100 Prozent nicht-fossilem Ursprung in Moto2 und Moto3 wird auf die Saison 2028 verschoben.
Die Kommission begründet das mit der technischen Kontinuität. In der Moto2 kommt 2027 die neue Motorspezifikation von Triumph. In der Moto3 werden 2028 neue Maschinen eingeführt. Die Verschiebung soll diese technischen Änderungen zeitlich besser aufeinander abstimmen.
Für Fans bedeutet das: Die Kraftstoffregel wird nicht gleichzeitig mit der neuen Moto2-Motorspezifikation 2027 vollständig umgesetzt. Für Vergleiche über mehrere Saisons muss deshalb zwischen Motor, Fahrwerk und Kraftstoffregel unterschieden werden. Nicht jede Veränderung im Ergebnis lässt sich einem einzelnen Beschluss zuordnen.
Was bedeutet das für Sportdaten und Wettmarktbeobachtung?
Die Beschlüsse verändern keine veröffentlichte Rennwertung und liefern keine neue Gewinn- oder Wettstrategie. Sie schaffen aber neue Rahmenbedingungen, die bei einer neutralen Analyse berücksichtigt werden sollten.
Bei MotoGP-Daten muss für Vergleiche der Übungsstarts das jeweils gültige Verfahren geprüft werden; die oben beschriebene widersprüchliche Datierung bleibt dabei zu beachten. Bei Moto2 kommen der neue Triumph-Motor, der Neustart ohne Konzessionen, das begrenzte Fahrwerks-Update und die eingefrorene Aerodynamik zusammen. Diese Faktoren müssen zeitlich getrennt betrachtet werden.
Eine Statistik bleibt deshalb eine Beschreibung beobachteter Ergebnisse. Sie ist keine sichere Vorhersage für ein Rennen. Wer die Sportart und ihre Wettbewerbe besser einordnen möchte, findet weitere redaktionelle Hintergründe auf der Seite Motorsport. Für grundlegende Orientierung zum Angebot und zur Nutzung der Inhalte gibt es außerdem den Bereich Neu hier?.
Fazit: Einheitlicherer Ablauf, aber neue Brüche in den Zeitreihen
Der wichtigste sichtbare Beschluss ist das Ende von Übungsstarts an der Boxenausfahrt. Die Kommission verweist auf eigene Startzonen und eine eigene MotoGP-Session. Dabei nennt das offizielle Dokument sowohl die Einordnung ab der Saison 2027 als auch eine sofortige Wirkung an allen Strecken.
In der Moto2 wird 2027 technisch neu begonnen. Alle Teams starten ohne Konzessionen, die Neubewertung erfolgt zur Saisonmitte. Chassis- oder Schwingen-Updates sind begrenzt, die Aero-Designs von 2026 werden eingefroren. Das Drehzahllimit von 20.000 Umdrehungen pro Minute wird im MotoGP-Reglement ausdrücklich festgeschrieben. Die Umstellung auf 100 Prozent nicht-fossile Kraftstoffe in Moto2 und Moto3 folgt erst 2028.
Datenstand: 28.09.2026. Die Angaben beruhen auf der offiziellen Mitteilung der FIM Grand Prix Commission vom 23.09.2026 und der ergänzenden redaktionellen Veröffentlichung von MotoGP.com.