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Bankroll-Management

Ein gleicher Schlussstand kann unterschiedliche Tiefstände verdecken

Inhaltlich überarbeitet: 22.10.2026

Notizbuch auf einem Schreibtisch mit einer handgezeichneten Kurve, die nach einem tiefen Einbruch wieder ansteigt, daneben ein Stift, eine Tasse und ein Buch

Was bedeutet ein Tiefstand deiner Wettbilanz – und was beweist er nicht? Der absolute laufende Tiefstand zeigt den niedrigsten bisher erreichten Guthabenstand. Wird diese Marke unterschritten, sinkt er. Erholt sich das Guthaben später, bleibt die einmal erreichte Marke bestehen. Sie beschreibt also einen Zwischenstand, nicht automatisch den aktuellen oder endgültigen Stand.

Wie sich ein Tiefstand im Verlauf verändert

Stell dir eine Reihe von Guthabenständen vor. Der Tiefstand ist jeweils der niedrigste Wert, der bis zu diesem Schritt erreicht wurde. Steigt das Guthaben wieder, wandert die Marke nicht nach oben. Fällt es später unter den bisherigen Tiefstand, wird sie nach unten angepasst.

Das lässt sich an einem ausdrücklich fiktiven Rechenbeispiel sehen. Der Startwert beträgt 100 Einheiten. Nach der ersten und zweiten Wette stehen nacheinander 92 und 98 Einheiten zu Buche. Die dritte Wette führt zu 89 Einheiten. Damit liegt der bisherige Tiefstand bei 89. Danach erholt sich das Guthaben auf 105 Einheiten. Der einmal erreichte Tiefstand bleibt trotzdem 89: Er misst den schlechtesten Zwischenstand, nicht den Schlussstand.

Die Marke aktualisiert sich nur nach unten

In der Tabelle ist der bisherige Tiefstand für jeden Schritt mitgeführt. Alle Werte sind fiktiv und dienen nur dazu, die Rechenlogik zu zeigen.

Fiktive Zwischenstände eines Beispielverlaufs
Schritt Guthaben in Einheiten Bisheriger Tiefstand
Start 100 100
Nach Wette 1 92 92
Nach Wette 2 98 92
Nach Wette 3 89 89
Nach Wette 4 97 89
Nach Wette 5 105 89

Von 100 auf 89 Einheiten entspricht einem Rückgang von 11 Prozent. Von 89 auf 105 Einheiten sind es rund 17,98 Prozent Zuwachs: 105 geteilt durch 89 ergibt etwa 1,1798. Die Prozentwerte beziehen sich auf unterschiedliche Ausgangsbeträge. Diese Asymmetrie ergänzt den Artikel „Ein Verlust von 50 Prozent verlangt einen Gewinn von 100 Prozent“; sie ersetzt ihn nicht.

Gleicher Schlussstand, anderer Tiefstand

Auch zwei Verläufe mit demselben Schlussstand können sehr unterschiedliche Tiefstände haben. In einem zweiten fiktiven Beispiel endet Verlauf A bei 100 Einheiten und sinkt zwischenzeitlich nie unter 96. Verlauf B endet ebenfalls bei 100, fällt davor aber bis auf 78. Der Schlussstand ist gleich, die zuvor erreichten Tiefstände unterscheiden sich deutlich.

Aus dem Endwert allein lässt sich der Tiefstand deshalb nicht ablesen. Dafür brauchst du den Verlauf zwischen Start und Ende. Das gilt auch, wenn du Zahlen aus einer Wettbilanz vergleichst: Erst wenn klar ist, welche Werte und welcher Zeitraum betrachtet werden, lässt sich die Zahl sinnvoll einordnen. Weitere Fragen zum Lesen von Kennzahlen findest du unter Zahlen verstehen.

Laufender Tiefstand ist nicht dasselbe wie ein Drawdown

Zwischen beiden Werten besteht ein klarer Unterschied. Der absolute laufende Tiefstand ist einfach der niedrigste Guthabenstand seit Start, hier ausgehend von 100 Einheiten. Ein Drawdown misst dagegen den Abstand zum jeweils vorherigen Höchststand. Beide Werte können stark auseinanderliegen.

Ein ausdrücklich fiktives Gegenbeispiel zeigt das: Start 100, Zwischenhöhe 120, dann Rückfall auf 100. Der laufende Tiefstand bleibt dabei bei 100 – er wurde nie unterschritten. Der Rückgang vom vorherigen Höchststand beträgt aber 20 von 120 Einheiten, also 16,67 Prozent. Nur aus dem laufenden Tiefstand ließe sich dieser Rückschlag nicht ablesen. Der Absatz ergänzt damit den Artikel „Ein Verlust von 50 Prozent verlangt einen Gewinn von 100 Prozent“, der die allgemeine Asymmetrie zwischen Verlust und nötigem Zuwachs rechnet; er ersetzt ihn nicht.

Diese Abgrenzung entspricht auch der gängigen Definition: In statistischen Paketen wird ein maximaler Drawdown als prozentualer Abstand vom jeweiligen Höchststand zum Tiefpunkt beschrieben, etwa in der Dokumentation der R-Funktion maxDrawdown.

Beide Kennzahlen sagen für sich genommen nichts über die Qualität deiner Analysen. Aus einem niedrigen laufenden Tiefstand oder einem hohen Drawdown folgt weder, dass du zu aggressiv noch, dass du zu zurückhaltend eingesetzt hast. Auch daraus folgt keine Empfehlung, weiterzuspielen oder Verluste auszugleichen; ein Tiefstand ist keine Aufforderung, irgendetwas zu tun. Er ist eine Beschreibung des Verlaufs, kein Handlungsmaßstab.

Was der Tiefstand nicht beweist

Ein Tiefstand ist für sich genommen weder ein Beleg für eine schlechte noch für eine gute Analyse. Einzelne Zwischenstände zeigen nicht, wie sorgfältig eine Einschätzung war oder ob sie auf passenden Informationen beruhte. Auch eine Trefferquote kann im Verlauf schwanken. Warum einzelne Ergebnisse nur begrenzte Aussagen erlauben, erklärt der Beitrag zur Schwankung einer Trefferquote bei 100 Wetten.

Ebenso wenig sagt ein Tiefstand allein etwas darüber aus, wie hoch ein künftiges Risiko ist. Dafür fehlen ohne weitere Informationen unter anderem der restliche Verlauf, die Höhe und Abfolge der Einsätze sowie die Grundlage der jeweiligen Analysen. Aus einer einzelnen Tiefstandsmarke folgt daher keine Aussage über eine „richtige“ Einsatzhöhe.

Quellen & Datenstand

Datenstand: 22.10.2026. Die Zahlenbeispiele sind fiktiv und rechnerisch nachvollziehbar; sie beruhen nicht auf realen Wett- oder Kontodaten.

Begriff und Grenzen des Beispiels

Investopedia beschreibt einen „Drawdown“ bei Anlagekonten als Rückgang von einem vorherigen Höchststand zu einem späteren Tiefpunkt. Die Verwendung im Zusammenhang mit einem Wettbudget ist hier eine analoge Begriffsnutzung, keine Gleichsetzung von Anlagekonto und Wettbilanz. Und solange weitere Wetten den Kontostand verändern können, kann auch ein neuer, niedrigerer Tiefstand entstehen.

Alle Zahlen in diesem Text sind fiktive Lernbeispiele. Die Rechnung nimmt an, dass sich das Guthaben ausschließlich durch Wett-Ergebnisse verändert. Gebühren, Einzahlungen, Auszahlungen, Boni und Teilabrechnungen bleiben außen vor. Solche Veränderungen können einen tatsächlichen Kontoverlauf anders aussehen lassen. Der Tiefstand ist daher nur so aussagekräftig wie die Daten und Abgrenzungen, auf denen er beruht.

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