Historische Vergleiche
Zwei gute Wochen können ein Verlustjahr verdecken
Inhaltlich überarbeitet: 28.10.2026

Eine Strategie kann für zwei ausgewählte Wochen ein Plus zeigen und über das ganze Jahr verlieren. Entscheidend ist, ob der Zeitraum vor dem Test feststand oder erst nach dem Blick auf die Ergebnisse ausgesucht wurde. Wir zeigen den Unterschied an einer vollständig offengelegten, bewusst konstruierten Folge. Danach ordnen wir einen echten britischen Werbefall ein. Die Modellzahlen gehören ausdrücklich nicht zu diesem Fall.
Ein kleines Beispiel ohne Vorwissen
Eine Einheit ist unser fester Rechenbetrag. Wir setzen jede Woche genau eine Einheit. Die Dezimalquote 2,00 bedeutet im Gewinnfall zwei Einheiten Auszahlung, einschließlich der eingesetzten Einheit. Übrig bleibt dann eine Einheit Gewinn. Bei einer verlorenen Wette gibt es keine Auszahlung; der Verlust beträgt eine Einheit.
- In Woche eins und zwei verlieren die beiden fiktiven Wetten. Zusammen sind das −1 −1 = −2 Einheiten.
- In Woche vier und fünf gewinnen beide. Zusammen sind das +1 +1 = +2 Einheiten.
- Wer nur Woche vier und fünf vorzeigt, kann für diesen Abschnitt wahrheitsgemäß ein Plus nennen.
- Über alle 52 Wochen stehen aber 24 Gewinne und 28 Verluste: 24 −28 = −4 Einheiten. Zwei gute Wochen machen daraus kein gutes Jahr.
Der entscheidende Befund: Nicht die einzelnen Zahlen müssen falsch sein. Schon das nachträgliche Weglassen der ungünstigen Zeiträume kann einen falschen Gesamteindruck erzeugen.
Alle Zwei-Wochen-Ausschnitte derselben Folge
Ein Zeitfenster bedeutet hier zwei direkt aufeinanderfolgende Wochen. Wir starten mit Woche eins und zwei, verschieben den Anfang um eine Woche auf zwei und drei und machen so bis Woche 51 und 52 weiter. Es entstehen 51 Fenster. Wir lassen keines aus.
Jedes Fenster kann −2, null oder +2 Einheiten ergeben. Beim vollständigen Durchzählen gibt es 15 Verlustfenster, 24 ausgeglichene und zwölf Gewinnfenster. Das sind Anzahlen in unserer festgelegten Folge, keine Wahrscheinlichkeiten für künftige Wetten.
Alle 51 überlappenden Zwei-Wochen-Fenster des fiktiven Modells
| Saldo des Fensters | Anzahl | Bedeutung |
|---|---|---|
| −2 Einheiten | 15 | Beide Wetten verloren |
| 0 Einheiten | 24 | Eine gewonnen, eine verloren |
| +2 Einheiten | 12 | Beide Wetten gewonnen |
Zwölf gute Ausschnitte in einem Verlustjahr
Anzahl der Zwei-Wochen-Fenster; zusammen 51
Die Balken zählen alle 51 überlappenden Ausschnitte derselben 52 Wetten. Zwölf Ausschnitte bringen +2, obwohl alle 52 Wochen zusammen −4 Einheiten ergeben. Die Grafik zeigt keine Gewinnwahrscheinlichkeit.
Bewusst konstruierte fiktive Folge. Eine Wette/Woche, Einsatz 1, Quote 2,00. Keine Gebühren/Steuern; Fensterüberschneidung ist berücksichtigt.
Warum das keine 51 unabhängigen Tests sind
Das Fenster der Wochen eins und zwei und das Fenster der Wochen zwei und drei enthalten beide Woche zwei. Der größte Teil der Wetten taucht in zwei Fenstern auf. Diese Überschneidung heißt: Wir haben 52 Wetten anders zusammengefasst, nicht 102 neue Wetten beobachtet. Die 51 Fenster sind keine 51 voneinander unabhängigen Jahresnachweise.
Unser Beispiel wählt eine besonders einfache Folge, damit du alles nachrechnen kannst. Es ist keine Zufallsziehung und schätzt weder die Häufigkeit irreführender Werbung noch die wahre Gewinnchance einer Strategie. Ein vorab festgelegter Testzeitraum bleibt auch dann nötig, wenn ein gezeigter Ausschnitt ein Plus hat.
Ein dokumentierter Fall von ausgewählter Gewinnwerbung
Die britische Werbeaufsicht ASA entschied am 13. August 2014 über zwei Anzeigen von Isiris Racing Services. Eine Anzeige warb für einen ausgewählten Oktoberzeitraum mit fünf erfolgreichen Tipps und einem Gewinn von 2.800 Pfund. Die ASA hielt die Behauptung nicht für ausreichend belegt. Es fehlten belastbare Nachweise, dass Kunden die beworbenen Quoten lange genug nutzen konnten. Außerdem sah die ASA den ausgewählten Zeitraum als Übertreibung typischer kurzfristiger Gewinne und Verluste.
Auch eine längerfristige Gewinnbehauptung war Gegenstand des Verfahrens. Von 20 angeforderten Belegen wurden nur vier vorgelegt; die Entscheidung nennt technische Probleme bei einem Nachweisdienst. Für die langfristige Behauptung fehlten außerdem Angaben zu nötigen Einsätzen und Startbudget. Beide Beschwerden wurden als berechtigt beurteilt. Daraus folgt kein vollständiges Urteil über sämtliche Tipps oder sämtliche Kundenergebnisse; das Verfahren betraf die konkreten Werbeaussagen und ihre Nachweise.
Es handelt sich um eine historische britische Entscheidung, keine deutsche Rechtsauskunft und keinen aktuellen Betrugsnachweis. Die CAP-Hinweise zu Tippdiensten erläutern ergänzend die Erwartungen an unabhängige Vorab-Dokumentation, belegbare Quoten und verantwortliche Gewinnwerbung. Diese Hinweise sind nach eigener Einordnung keine Rechtsberatung.
Unsere vollständige Rechenbasis
Die Folge aus 13 Wochen lautet: −1, −1, −1, +1, +1, +1, −1, +1, −1, −1, +1, +1, −1. Dieser Block wird genau viermal wiederholt. Es gibt eine Wette pro Woche, immer eine Einheit Einsatz und Quote 2,00. Gebühren und Steuern werden in diesem vereinfachten Beispiel nicht angesetzt. Die Folge ist absichtlich konstruiert; wir behaupten keine echte Person, keinen tatsächlich eingesetzten Geldbetrag und keine empirische Erfolgsquote.
Die 24 gewonnenen Wetten zahlen zusammen 24 ×2 = 48 Einheiten aus. Insgesamt wurden 52 Einheiten eingesetzt. Der Nettosaldo beträgt deshalb 48 −52 = −4. Mit einem Startbudget von zehn Einheiten endet die Folge bei sechs; der niedrigste Zwischenstand beträgt vier. Damit ist jeder angenommene Einsatz im Beispiel finanzierbar.
Die Fensterrechnung addiert jeweils zwei benachbarte Nettosalden. Als Gegenprobe ergeben die Anzahlen 15 +24 +12 = 51. Ihre gewichtete Summe ist 15 ×(−2) +24 ×0 +12 ×2 = −6. Diese −6 sind ausdrücklich nicht der Jahressaldo, weil innere Wochen doppelt in den Fenstern stehen. Der erste und letzte Wochensaldo sind jeweils −1; daher ergibt auch 2 ×(−4) −(−1) −(−1) = −6.
Welche Frage du an einen Erfolgsbericht stellen kannst
Frage zuerst nach allen Ergebnissen im ursprünglich festgelegten Zeitraum, allen Einsätzen, tatsächlich verfügbaren Quoten und Kosten. Frage danach, wie viele andere Zeiträume betrachtet wurden und ob derselbe unveränderte Ansatz anschließend mit bisher unbenutzten Daten geprüft wurde. Ein günstiger Rückblick beantwortet diese Fragen nicht von allein.
Unser Contrarian-Test untersucht viele zusätzlich unabhängige Varianten. Hier bleiben Auswahlregel und Ergebnisfolge gleich; nur der gezeigte Zeitraum wird verschoben. Das ist ein anderer, konkret nachrechenbarer Auswahlfehler.
Quellen und Grenzen
Primärquellen, gelesen am 28.10.2026: ASA-Entscheidung zu Isiris Racing Services vom 13.08.2014 und CAP-Hinweise zu Tippdiensten vom 22.05.2025. Die Wochenfolge, die Fensterzählung und die Grafikdaten sind eigene fiktive Rechenbeispiele und kein Datensatz aus der ASA-Entscheidung. Alle Strategieprüfungen · Risiken und Hilfe
Vollständige Rechenbasis als CSV: 52 Wochen und einzelne Wetten · alle 51 Zwei-Wochen-Fenster.