Basketball
Zwei Arten von technischem Foul entscheiden jetzt über den Rauswurf
Inhaltlich überarbeitet: 22.10.2026

Seit dem 1. Oktober 2026 unterscheidet das FIBA-Regelwerk zwei Kategorien technischer Fouls. Der entscheidende Unterschied: Nur Kategorie 1 zählt für den Spielausschluss. Kategorie 2 zählt nicht. Die alte Faustregel „zwei technische Fouls gleich Rauswurf“ gilt deshalb nicht mehr ohne Einschränkung.
Die neue Fassung der FIBA Official Basketball Rules 2026 ordnet technische Fouls nach Art und Schwere. Was das auf dem Spielbogen bedeutet und warum ein technisches Foul trotzdem als Teamfoul zählen kann, erfährst du hier.
Was die zwei Kategorien unterscheiden
Kategorie 1 umfasst vor allem schwerwiegenderes Verhalten. Dazu gehören respektloses Verhalten gegenüber Schiedsrichtern oder Gegnern, beleidigende oder aufhetzende Gesten, das Provozieren eines Gegners und ein vorgetäuschtes Foul.
Kategorie 2 betrifft unter anderem bestimmte Verzögerungen und administrative Verstöße. Beispiele sind das absichtliche Berühren des Balls nach einem Korb, das Verhindern eines schnellen Einwurfs oder das verspätete Betreten des Spielfelds zu Spielbeginn. Auch das Hängen am Ring mit dem eigenen Körpergewicht zählt dazu. Ausnahmen gelten beim kurzen Festhalten nach einem Dunk oder um eine Verletzung zu vermeiden.
| Kategorie 1 | Kategorie 2 |
|---|---|
| Respektloses Verhalten gegenüber Offiziellen oder Gegnern | Spielverzögerung nach einem Korb |
| Beleidigende oder aufhetzende Gesten | Einwurf oder Freiwurf absichtlich verzögern |
| Provozieren oder ein Foul vortäuschen | Verspätet aufs Feld kommen |
| Gegnerische Sicht behindern oder Ellenbogen übermäßig schwingen | Am Ring hängen oder Goaltending beim letzten Freiwurf |
Die Liste ist nicht abschließend. Beim Goaltending durch die Verteidigung während des letzten Freiwurfs erhält das angreifende Team zunächst einen Punkt. Danach folgt die Strafe für das technische Foul.
Wann ein Spieler wirklich raus ist
Ein Spieler wird für den Rest des Spiels disqualifiziert, wenn er zwei technische Fouls der Kategorie 1 erhält. Ein technisches Foul der Kategorie 2 löst diesen Ausschluss nicht aus. Auch zwei Flagrant Fouls – besonders schwere Fouls – führen zum Spielausschluss. Dasselbe gilt für die Kombination aus einem technischen Foul der Kategorie 1 und einem Flagrant Foul.
Wichtig ist dabei ein zweiter, unabhängiger Zähler: Nach Artikel 41.1 muss ein Spieler das Feld verlassen, sobald er fünf Fouls begangen hat. Ein technisches Foul der Kategorie 2 zählt zu diesen fünf Spielerfouls weiterhin dazu. Zwei technische Fouls der Kategorie 2 allein führen also nicht zum Spielausschluss. Kommen sie aber zu drei weiteren Spielerfouls hinzu, ist die Grenze von fünf erreicht, und der Spieler muss trotzdem raus – dann wegen der Fünffoul-Regel, nicht wegen der technischen Fouls.
Für den Cheftrainer gelten eigene Schwellen: Zwei technische Fouls der Kategorie 1 mit dem Eintrag „C“ wegen seines eigenen unsportlichen Verhaltens führen zum Ausschluss. Drei technische Fouls der Kategorie 1 wegen des Verhaltens von Personen auf der Bank führen ebenfalls dazu. Die Einträge sind dann alle „B“ oder „BD“, oder einer davon ist „C“.
Eine Ausnahme gilt für zwei besondere „BD“-Einträge: Verlässt ein begleitendes Delegationsmitglied bei einer Schlägerei den Bankbereich oder beteiligt es sich aktiv daran, wird das dem Cheftrainer als technisches Foul mit dem Zusatz „BD“ angelastet. Diese beiden Fälle zählen nach Anhang B, Abschnitt B.8.6.16 und B.8.6.17 ausdrücklich nicht zu den drei technischen Fouls, die beim Cheftrainer zum Spielausschluss führen. Bei diesen beiden Einträgen bleibt es also bei der Strafe für das technische Foul, ohne dass der Trainer dadurch der Drei-Foul-Grenze näher kommt.
Was die Buchstaben auf dem Spielbogen bedeuten
Bei einem Spieler wird ein technisches Foul der Kategorie 1 auf dem Spielbogen mit einem eingekreisten T markiert. Bei Kategorie 2 steht ein normales, nicht eingekreistes T. Der Kreis macht sichtbar, dass das Foul für die Spielausschluss-Regel zählt.
Bei Fouls des Trainerstabs stehen weitere Kürzel: „C“ bezeichnet ein technisches Foul des Cheftrainers wegen seines eigenen unsportlichen Verhaltens. „B“ steht für ein technisches Foul, das dem Cheftrainer wegen des Verhaltens einer anderen Person auf der Bank angelastet wird. Ein solches Foul zählt nicht als Teamfoul.
„GD“ steht für Spielausschluss. Nach Artikel 41.4 zeigt der Zeitnehmer die Disqualifikation an, indem er die GD-Anzeige hebt. Mehr zu Spielabschnitten und Verlängerung findest du in unserer Erklärung zu Vierteln, Punkten und Verlängerung.
Warum ein technisches Foul trotzdem als Teamfoul zählt
Für die Teamfoul-Zählung ist entscheidend, wer das technische Foul begeht. Ein technisches Foul eines Spielers zählt unabhängig von der Kategorie sowohl als Spielerfoul als auch als eines der Teamfouls. Kategorie 2 verhindert also den Ausschluss wegen technischer Fouls, aber nicht den Eintrag als Teamfoul.
Nach vier Teamfouls in einem Viertel ist die Mannschaft in der Teamfoul-Strafsituation. Danach werden persönliche Fouls an einem Spieler, der gerade nicht wirft, mit zwei Freiwürfen statt mit einem Einwurf bestraft. Teamfouls aus einer Verlängerung zählen zum vierten Viertel. Ein technisches Foul von einer Person auf der Bank wird dem Cheftrainer angelastet und zählt nicht als Teamfoul.
Für diese Strafsituation gibt es eine Ausnahme, die in der Praxis häufig übersehen wird. Begeht ein Spieler der Mannschaft, die den Ball kontrolliert oder Anspruch auf den Ball hat, ein persönliches Foul, bleibt es nach Artikel 42.2.2 bei einem Einwurf für den Gegner – auch dann, wenn die Mannschaft schon in der Strafsituation ist. Statt Bonus-Freiwürfen gibt es also Ballbesitz für den anderen. Das gilt für persönliche Fouls; bei technischen Fouls gelten die eigenen Regeln.
Für ein technisches Foul erhält der Gegner einen Freiwurf. Danach setzt grundsätzlich das Team das Spiel mit einem Einwurf fort, das beim Pfiff den Ball hatte oder Anspruch darauf hatte. Die Strafe für das technische Foul ist damit von der Teamfoul-Strafregel zu unterscheiden.
Wo die Grenzen dieser Regel liegen
Die FIBA erlaubt Schiedsrichtern, technische Fouls durch eine Ermahnung zu verhindern. Offensichtlich unbeabsichtigte, geringfügige Verstöße ohne direkte Spielwirkung können sie übergehen – außer derselbe Verstoß wiederholt sich nach einer Ermahnung.
Dieser Beitrag beschreibt den Text des FIBA-Regelwerks. Wettbewerbe, die danach spielen, wenden diesen Text an. Nationale Ligen können in ihren eigenen Ordnungen Ergänzungen oder Abweichungen festlegen. Für ein bestimmtes Spiel ist deshalb das Regelwerk des jeweiligen Wettbewerbs maßgeblich. Eine Statistik erklärt die Regel, sagt aber nichts über ihren Ausgang in einem konkreten Spiel aus. Weitere Hinweise zum Einordnen von Zahlen findest du unter Zahlen verstehen.
Quellen & Datenstand
Grundlage sind die FIBA Official Basketball Rules 2026, gültig ab 1. Oktober 2026, insbesondere Artikel 36 (Seiten 43 bis 45) sowie Artikel 41 und 42 (Seite 50) und Anhang B, Abschnitt B.8.6.16 und B.8.6.17 (Seite 75), sowie das FIBA-Dokument The FIBA Official Basketball Rules Changes, Version 1.1, Juli 2026. Datenstand: 22. Oktober 2026.