Sportwetten-News
Wie die CFTC Sportwetten von Event-Kontrakten abgrenzt
Inhaltlich überarbeitet: 13.10.2026

Die US-Derivateaufsicht CFTC hat am 9. Oktober 2026 zwei Regelungstexte vorgestellt. Eine beschlossene Interim Final Rule grenzt bestimmte Glücksspielprodukte vom US-Rechtsbegriff „Swap“ ab. Ein gesonderter Vorschlag soll Event-Kontrakte ausdrücklich in dieser Definition nennen, auch solche auf Sportereignisse. Entscheidend sind die Ausgestaltung des Produkts und die jeweiligen Voraussetzungen.
Ein Swap ist eine rechtlich definierte Art von Derivat. Die Begriffe „Swap“, „Terminkontrakt“ und „Finanzinstrument“ sind deshalb nicht beliebig austauschbar. Die beiden Texte betreffen den US-amerikanischen Commodity Exchange Act; sie treffen keine allgemeine Aussage darüber, wie Sportwetten überall auf der Welt einzuordnen sind.
Welche Bedingungen im Regelungstext stehen
Der veröffentlichte Text der Interim Final Rule enthält zwei zusammengehörige Voraussetzungen. Erstens muss der Anbieter nach dem Recht eines US-Bundesstaats oder eines bundesrechtlich anerkannten indigenen Stammes gemäß dem Indian Gaming Regulatory Act zum Glücksspiel beziehungsweise zur Annahme von Wetten berechtigt sein. Er muss innerhalb dieser Erlaubnis handeln; das konkrete Produkt muss dem betreffenden Glücksspielrecht unterliegen.
Zweitens darf das Produkt nicht an einer Börse, einer Swap-Handelsplattform oder einem anderen Markt gehandelt werden, auf dem Geschäfte multilateral abgeschlossen oder individuell ausgehandelt werden. Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, nennt der Text unter anderem Sportwetten bei lizenzierten Wettanbietern und Casinospiele als Beispiele für die Ausnahme vom Swap-Begriff.
In der Pressemitteilung sagt CFTC-Vorsitzender Michael S. Selig: „Casino-style gambling products are not derivatives.“ Das ist eine Aussage zur Abgrenzung dieser Produkte. Daraus folgt weder, dass jede Sportwette automatisch die Voraussetzungen der Ausnahme erfüllt, noch dass ein Produkt außerhalb der Ausnahme automatisch ein Swap ist. Auf Letzteres weist der vollständige Regelungstext ausdrücklich hin.
Was für Event-Kontrakte vorgeschlagen wird
Die zweite Veröffentlichung ist eine Notice of Proposed Rulemaking, also ein Regelungsvorschlag. Die CFTC möchte Event-Kontrakte ausdrücklich im Swap-Begriff nennen, darunter Kontrakte auf sportliche, politische, kulturelle und wetterbezogene Ereignisse. Sie beschreibt dies als Klarstellung ihrer Rechtsauffassung, nicht als Behauptung, solche Produkte seien bisher generell unreguliert gewesen.
Auch hier kommt es auf die Ausgestaltung an: Der Vorschlag unterscheidet von Event-Kontrakten, die beispielsweise als Futures gestaltet sind und unter andere gesetzliche Bestimmungen fallen. Die vorgeschlagene Ergänzung ist noch keine endgültig verabschiedete Regeländerung.
Welche Termine noch nicht bestätigt sind
Für die Interim Final Rule nennt die CFTC als Beginn der Wirksamkeit den Tag ihrer Veröffentlichung im Federal Register. Der 9. Oktober als Datum der Pressemitteilung reicht dafür nicht aus. Für beide Regelungstexte sollen schriftliche Stellungnahmen innerhalb von 30 Tagen ab ihrer jeweiligen Federal-Register-Veröffentlichung eingehen.
Zum Redaktionsstand am 13. Oktober 2026 hat die Prüfung keine passende Federal-Register-Veröffentlichung bestätigt. Auch die auf der CFTC-Seite bereitgestellten Fassungen enthalten hierfür noch Datumsplatzhalter. Deshalb werden hier weder ein bestätigter Tag des Inkrafttretens der Interim Final Rule noch konkrete Endtermine der beiden Kommentarfristen genannt. Der Vorschlag und die beschlossene Interim Final Rule haben weiterhin einen unterschiedlichen Verfahrensstand.
Warum die Unterscheidung zählt
Eine Wette beim zugelassenen Glücksspielanbieter und ein auf einem Markt gehandelter Event-Kontrakt können sich auf dasselbe Sportereignis beziehen. Daraus folgt noch nicht dieselbe rechtliche Einordnung. Ebenso wenig entscheidet eine CFTC-Mitteilung über die Zulässigkeit eines Angebots in Deutschland.
Für Leser sind deshalb drei Fragen entscheidend: Welches Produkt ist gemeint, welche Rechtsordnung wird beschrieben und handelt es sich um einen Vorschlag oder um eine bereits wirksame Regel? Mehr zu unserem Umgang mit Quellen steht in der Analysemethode; einen Einstieg bietet Neu hier.
Quellen & Datenstand: Redaktionsstand 13.10.2026. CFTC-Mitteilungen vom 9.10.2026: 9309-26 zur Interim Final Rule und 9310-26 zum Regelungsvorschlag. Vollständige von der CFTC bereitgestellte Texte: Further Definition of “Swap” to Exclude Casino-Style Gambling Products, RIN 3038-AF81, insbesondere Seiten 1, 25 und 40–41; Further Definition of “Swap” – Inclusions, RIN 3038-AF82, insbesondere Seiten 1, 12–13 und 40. Beide Fassungen stehen unter dem Vorbehalt technischer Korrekturen vor der Federal-Register-Veröffentlichung. Konkrete Wirksamkeits- und Fristdaten sind zum genannten Prüfstand nicht bestätigt.