Daten & Statistiken
Weniger Fußball, mehr andere Sportarten: Wie sich verdächtige Matches 2025 verschoben haben

Die Gesamtzahl der von Sportradar als verdächtig eingestuften Matches blieb den veröffentlichten Zahlen nach fast gleich. Die Zusammensetzung änderte sich aber deutlich: Für Fußball weist der Vergleich 2025 mit 103 weniger Fällen aus als 2024. Für die übrigen Sportarten zusammen ergibt sich rechnerisch ein Plus von 111. Diese Verschiebung beschreibt die Verteilung der gemeldeten Verdachtsfälle – nicht, welche Personen oder Teams tatsächlich betroffen waren.
Wichtig ist ein Quellenwiderspruch: Die Sportradar-Meldung zu 2025 bezeichnet die Zahl als ein Prozent niedriger als 2024. Vergleicht man jedoch die dort genannten 1.116 Fälle mit den 1.108 Fällen aus Sportradars 2024-Meldung, ergibt sich ein Plus von acht Fällen. Die beiden Mitteilungen erklären diese Abweichung nicht. Deshalb sollte man weder einen exakten Rückgang noch eine exakt stabile Entwicklung behaupten.
Die Leserfrage dazu: Wenn die Gesamtzahl verdächtiger Matches fast gleich bleibt, wen trifft die Verschiebung dann?
Was sich in den Zahlen verschiebt
Sportradar berichtet für 2024 von 1.108 verdächtigen Matches. Davon entfielen 721 auf Fußball. Für 2025 nennt das Unternehmen insgesamt 1.116 verdächtige Matches, darunter 618 im Fußball. Die Meldungen betreffen jeweils von Sportradar überwachte Wettbewerbe und sind Unternehmensangaben.
Aus diesen Werten ergeben sich folgende eigene Rechnungen:
- Gesamtzahl: 1.116 minus 1.108 = acht Fälle mehr, ein Anstieg um rund 0,72 Prozent.
- Fußball: 618 minus 721 = 103 Fälle weniger, ein Rückgang um rund 14,3 Prozent.
- Andere Sportarten zusammen: 2024 waren es 1.108 minus 721, also 387 Fälle. 2025 waren es 1.116 minus 618, also 498. Das sind 111 Fälle mehr, rund 28,7 Prozent.
- Anteil Fußball: 721 von 1.108 Fällen entsprechen rund 65,1 Prozent. 618 von 1.116 entsprechen rund 55,4 Prozent.
Damit liegt die Veränderung weniger in der Gesamtzahl als in ihrer Aufteilung. Der Fußball blieb die Sportart mit den meisten Verdachtsfällen, machte aber einen kleineren Anteil aller gemeldeten Fälle aus. Der Anteil der übrigen Sportarten stieg entsprechend.
Diese Rechnung für die übrigen Sportarten ist eine Differenzrechnung: Von der Gesamtzahl wird jeweils die Fußballzahl abgezogen. Sie bedeutet nicht, dass die Jahresmeldung für jede einzelne andere Sportart einen direkten Vergleich bereitstellt. Sportradar nannte für 2024 keine vollständige Aufschlüsselung nach weiteren Sportarten. Einen Anstieg von 2024 auf 2025 für jede einzelne Disziplin lässt sich daraus deshalb nicht ableiten.
Basketball folgt auf Fußball
Für 2025 nennt Sportradar neben den 618 Fußballfällen 233 Fälle im Basketball. Es folgen Tennis mit 78, Tischtennis mit 65 und Cricket mit 59. Zusammen sind das 1.053 von 1.116 Fällen, also rund 94,4 Prozent. Die gemeldeten Verdachtsfälle konzentrierten sich demnach auf wenige Sportarten – auch wenn sich ihr Gewicht gegenüber dem Vorjahr verschob.
Sportradar ordnet Tennis, Tischtennis und Cricket in der Meldung den Sportarten mit auffälligen Zuwächsen zu. Für Basketball nennt das Unternehmen zwar die zweithöchste Fallzahl, doch aus den veröffentlichten Zahlen lässt sich kein genauer Vergleich mit 2024 berechnen. Wer aus der Gesamtdifferenz auf ein Plus in jeder einzelnen Sportart schließt, geht über die verfügbare Aufschlüsselung hinaus.
Die Zahlen zeigen also nicht, dass der Fußball als Bereich unbedeutend geworden wäre oder Verdachtsfälle gleichmäßig auf viele Disziplinen verteilt wären. Sie zeigen einen geringeren Fußballanteil und höhere Fallzahlen außerhalb des Fußballs, wenn man die jeweiligen Gesamt- und Fußballzahlen miteinander verrechnet.
Auch die regionale Verteilung verändert sich
Sportradar meldet für Europa 2024 insgesamt 439 verdächtige Matches. Für 2025 nennt die Mitteilung 66 Fälle weniger, aber keine absolute Europa-Zahl. Durch Rückrechnung ergibt sich: 439 minus 66 = 373 Fälle. Das entspricht rund 33,4 Prozent der 1.116 Fälle von 2025; 2024 waren es rund 39,6 Prozent der Gesamtsumme.
Beide Prozentwerte sind eigene Berechnungen. Die Zahl 373 ist ebenfalls rückgerechnet und keine direkt veröffentlichte absolute Angabe für Europa im Jahr 2025. Sportradar nennt außerdem 64 weniger Fälle in Südamerika. Für Asien, Afrika sowie Nord- und Zentralamerika berichtet das Unternehmen von leichten Zunahmen.
Diese Regionalwerte ergänzen den Blick auf die Sportarten, beantworten aber eine andere Frage. Die Summe für eine Region sagt für sich genommen nicht, welche Sportarten dort betroffen waren. Auch lässt sich aus den hier veröffentlichten Angaben keine Verbindung zwischen der regionalen und der sportlichen Verschiebung herstellen.
Was „verdächtig“ bedeutet – und was nicht
Ein „verdächtiges Match“ ist in diesem Zusammenhang ein Fall, den das Überwachungssystem von Sportradar als auffällig einstuft. Das ist kein Beweis für eine Manipulation. Die Zahlen sollten deshalb als Verdachts- oder Überwachungsfälle bezeichnet werden, nicht als bestätigte Fälle von Spielmanipulation.
Auch die Größe des überwachten Bereichs ist begrenzt: Sportradar gibt an, 2024 mehr als 850.000 und 2025 mehr als eine Million Matches beziehungsweise Sportereignisse in 70 Sportarten überwacht zu haben. Das ist nicht die Gesamtzahl aller weltweit ausgetragenen Spiele. Die Mitteilungen verwenden für das überwachte Volumen zudem unterschiedliche Bezeichnungen. Eine Rate pro 100.000 Spiele wäre auf dieser Basis nur eine grobe Orientierung und würde den Vergleich nicht zuverlässig machen.
Hinzu kommt eine Veränderung der Überwachung: Sportradar berichtet, dass die Zahl der mit seinem KI-System UFDS AI markierten Matches 2025 um 56 Prozent gestiegen sei. Das kann die Erkennung beeinflussen. Ein Teil einer Veränderung zwischen den Jahren könnte daher mit der Überwachungsmethode zusammenhängen; aus den veröffentlichten Angaben lässt sich nicht bestimmen, wie groß dieser Anteil wäre. Die Zahl der Markierungen ist deshalb nicht automatisch ein direktes Maß für die tatsächliche Häufigkeit von Manipulationen.
Sportradar ist zudem ein Unternehmen, das Dienstleistungen im Bereich Sportintegrität anbietet. Die Angaben stammen somit von einem interessierten Unternehmen, nicht von einer unabhängigen Gesamtbewertung aller Sportarten. Für den Umgang mit solchen Kennzahlen gilt: Zeitraum, Umfang und Quelle gehören zur Einordnung dazu. Mehr dazu steht in unserer Analyse-Methode. Wie ein Gesamtwert Unterschiede innerhalb seiner Gruppe verdecken kann, zeigt auch unsere Einordnung, dass der Wert von 44,1 Prozent Heimsiegen für die Liga gilt – nicht für ein einzelnes Team.
Was du aus dem Vergleich mitnehmen kannst
Die Verschiebung trifft in diesen Daten vor allem die statistische Verteilung: Fußball stellt einen kleineren Anteil der verdächtigen Matches, während sich für die übrigen Sportarten zusammen ein rechnerisches Plus ergibt. Die verfügbaren Angaben zeigen jedoch nicht, welche einzelne Sportart den größten Zuwachs gegenüber 2024 hatte, und sie belegen keine tatsächlichen Manipulationen.
Auch die Gesamtsumme ist nicht widerspruchsfrei veröffentlicht: Die aus den absoluten Angaben berechnete Veränderung beträgt plus acht Fälle, während Sportradar den Jahresvergleich in seiner Meldung als Rückgang um ein Prozent beschreibt. Bis diese Abweichung erklärt ist, ist die vorsichtige Aussage die belastbarste: Die berichteten Fallzahlen liegen nahe beieinander, und der Fußballanteil ist in den genannten Werten gesunken.
Quellen & Datenstand: Sportradar, Meldung vom 10.02.2026, „Sports Integrity Strengthens as Global Match-Fixing Declines in 2025“; Sportradar, Meldung vom 09.01.2025, „Sportradar Reports Notable Decline in Match-Fixing in 2024“. Prozentwerte, Differenzen und Anteile im Text sind eigene Berechnungen aus den jeweils genannten Unternehmensangaben. Die Abweichung zwischen den absoluten Zahlen und dem von Sportradar genannten Rückgang um ein Prozent bleibt in den Mitteilungen ungeklärt.