Tennis
Schritt für Schritt: Was Jódars Finale in Shanghai rechnerisch bringt

Rafael Jódar hat am Samstag, 17. Oktober, Daniil Medvedev im Halbfinale der Rolex Shanghai Masters mit 6:3, 6:4 besiegt und steht erstmals in einem ATP-Masters-1000-Finale. Im PIF ATP Live Race to Turin liegt der 20-jährige Spanier nun auf Rang neun. Seit dem Stand vor dem Viertelfinale hat er 450 Punkte hinzugewonnen und kommt auf 3.159. Ein Titel am Sonntag würde weitere 350 Punkte bringen: Jódar käme auf 3.509 und würde im Live Race auf Rang sechs vorrücken.
Die Rechnung im Race, Schritt für Schritt
Stand: nach den Halbfinals am 17. Oktober 2026, vor dem Finale.
| Schritt | Punkte | Stand |
|---|---|---|
| Stand vor dem Viertelfinale | — | 2.709 |
| Viertelfinalsieg: Einzug ins Halbfinale | +200 | 2.909 |
| Halbfinalsieg: Einzug ins Finale | +250 | 3.159 |
| Turniersieg am Sonntag | +350 | 3.509 |
Die ersten 200 Zusatzpunkte für den Einzug ins Halbfinale sind eine Nachrechnung aus den Angaben im ATP-Race-Update vom 16. Oktober: 2.880 + 29 − 2.709 = 200. Den möglichen Endstand von 3.509 Punkten zeigte das ATP Live Race vor dem Finale am 18. Oktober. Den Stand nach dem Halbfinale lässt sich aus einer weiteren ATP-Angabe nachrechnen: Jódar liegt 279 Punkte vor Alex de Minaur, der 2.880 Punkte hat. Also: 2.880 + 279 = 3.159.
Damit ergibt sich auch der Punktewert für den Finaleinzug: 3.159 − 2.909 = 250. Seit dem Stand vor dem Viertelfinale hat Jódar somit insgesamt 200 + 250 = 450 Punkte gesammelt. Der mögliche Titel würde anschließend 350 Punkte ergänzen.
Warum Rang neun der letzte Qualifikationsplatz ist
Das Live Race zählt die Punkte aus der laufenden Saison. Es ist nicht dasselbe wie die ATP-Weltrangliste, die Ergebnisse aus einem rollierenden Zeitraum von 52 Wochen berücksichtigt. Eine kurze Erklärung zu Tennisbegriffen und dem Unterschied zwischen Race und Weltrangliste hilft, die beiden Listen auseinanderzuhalten.
Die Nitto ATP Finals haben acht Startplätze. Jannik Sinner steht zwar auf Rang zwei des Live Race mit 7.950 Punkten, hat seine Saison 2026 aber wegen einer Knieverletzung beendet. Dadurch rücken die Plätze rechnerisch zusammen: Rang neun ist derzeit der letzte Platz unter den Spielern, die für das Saisonfinale infrage kommen. Das bedeutet nicht, dass es neun Startplätze gibt; vielmehr wäre Rang neun in der aktuellen Konstellation der achte verfügbare Spieler.
Der Beitrag vom 16. Oktober erläutert diese Grundlage anhand der Stände vor den Viertelfinals. Der vorliegende Rechencheck ergänzt nun, was sich nach den Halbfinals verändert hat.
Was die Halbfinalniederlagen von Medvedev und Zverev bedeuten
Daniil Medvedev hatte sich mit seinem Viertelfinalsieg über Tommy Paul auf 3.420 Race-Punkte verbessert: Aus 3.220 wurden durch den Einzug ins Halbfinale 3.420. Damit lag er 40 Punkte vor Frances Tiafoe mit 3.380; Arthur Fils stand bei 3.325.
Die Niederlage gegen Jódar brachte Medvedev keine weiteren Race-Punkte aus Shanghai. Damit ist auch das zuvor mögliche Szenario hinfällig, mit einem Titelrun bis auf Rang fünf vorzurücken. Medvedev hatte die ATP Finals von 2019 bis 2024 sechs Mal in Folge erreicht, 2025 aber verpasst. Das Turnier in Shanghai gewann er 2019.
Alexander Zverev verlor sein Halbfinale gegen Alejandro Davidovich Fokina mit 7:5, 4:6, 3:6. An seiner Situation im Race ändert das nichts: Zverev war mit 9.150 Punkten bereits für Turin qualifiziert. Zum Matchverlauf berichtet tennisnet.
Das Finale am Sonntag
Jódar trifft am Sonntag, 18. Oktober, auf Alejandro Davidovich Fokina. Der Spanier besiegte Zverev nach verlorenem ersten Satz und hatte kürzlich den Titel in Chengdu gewonnen. Es ist das neunte rein spanische Masters-1000-Finale. Laut offiziellem Spielplan war das Endspiel in Shanghai für nicht vor 16:30 Uhr Ortszeit (10:30 Uhr MESZ) angesetzt.
Ein Sieg würde Jódar nicht nur im Live Race nach vorn bringen. Er würde damit auch erstmals die Top 10 der ATP-Weltrangliste erreichen. Aktuell steht er dort auf Rang 13; sein bisheriges Karrierehoch war Rang 11 im August. Zum Saisonstart lag er auf Rang 165. Vor einem Jahr spielte er noch College-Tennis an der University of Virginia und stand auf Rang 283.
Der Halbfinalsieg über Medvedev war auch sein 20. Masters-1000-Sieg in dieser Saison. Jódar ist der jüngste Finalist der Turniergeschichte von Shanghai und der erste Spieler des Jahrgangs 2006 oder jünger in einem Masters-1000-Finale. In einer Saison 20 Siege auf dieser Turnierstufe zu erreichen, gelang in jüngerem Alter nur Rafael Nadal: Er kam 2005 als 19-Jähriger auf 28 Siege. Mehr zu Jódars Lauf fasst die ATP in ihren fünf Fakten zum Finaleinzug zusammen.
Sein Durchbruch in dieser Saison umfasst außerdem den ersten ATP-Titel in Marrakesch, das Finale in Washington, Viertelfinals in Madrid, Rom und bei den French Open sowie ein Halbfinale in Montreal. Die Stationen beschreiben bisherige Ergebnisse, nicht den Ausgang des Finales. Wer Zahlen und ihre Grenzen besser einordnen möchte, findet dazu weitere Hinweise unter Zahlen verstehen und im Lernpfad für neue Leser.
Warum trotz des Vorsprungs nichts feststeht
Jódars Vorsprung vor De Minaur beträgt 279 Punkte. De Minaur kann in den verbleibenden Turnieren aber noch Punkte holen. Hinter ihm stehen Novak Djokovic mit 2.840 und Tommy Paul mit 2.585 Punkten. Nach Shanghai gibt es weitere Turniere vor den Nitto ATP Finals, die vom 15. bis 22. November 2026 in Turin stattfinden.
Das Live Race ist deshalb eine Momentaufnahme mit einem bestimmten Datenstand, keine endgültige Teilnehmerliste. Ein früheres Beispiel zeigt, wie sich ein Szenario ändern kann: Im ATP-Bericht vom 8. Oktober wurde Ben Shelton mit 4.440 Punkten geführt; demnach hätte ihm der Einzug in die vierte Runde (Achtelfinale) in Shanghai zur Qualifikation gereicht. Er schied jedoch in der dritten Runde aus. Die damalige ATP-Einordnung ist im Bericht zu den Qualifikationsszenarien nachzulesen.
Quellen & Datenstand
Datenstand: 18. Oktober 2026. Verwendet wurden der ATP-Matchbericht zu Jódar gegen Medvedev vom 17. Oktober, das ATP-Race-Update vom 16. Oktober, die ATP-Fakten zum Finale vom 17. Oktober sowie der genannte Bericht von tennisnet zum Halbfinale Zverev–Davidovich Fokina vom 17. Oktober. Die ATP-Angaben und die daraus abgeleiteten Rechenschritte sind im Text getrennt dargestellt.
Dieser Artikel enthält redaktionelle Berichterstattung und eine Nachrechnung. Er enthält keine Wettquoten und keine Wettempfehlung.