Eishockey
Neue Eishockey-Regeln 2026/27: Was sich bei Strafen und hohem Stock ändert
Inhaltlich überarbeitet: 07.10.2026

Mit der Saison 2026/27 gelten im deutschen Eishockey mehrere Anpassungen des Regelwerks. Für die Einordnung eines Spiels sind vor allem drei Punkte wichtig: Eine angezeigte Strafe wird nur noch während des laufenden Spiels signalisiert, die Regel zum hohen Stock nennt die Schulterhöhe des Gegenspielers genauer und bei körperlicher Gewalt gegen Offizielle wurde in Regel 40 ein Begriff angepasst.
Die Änderungen bedeuten nicht, dass sich jedes Eishockeyspiel deutlich anders entwickelt. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) beschreibt mehrere Anpassungen ausdrücklich als sprachliche Präzisierungen. Für die Analyse eines Spiels lohnt es sich trotzdem, die neuen Bezugspunkte zu kennen.
Angezeigte Strafe: Das Signal gehört nur ins laufende Spiel
Eine angezeigte Strafe bedeutet: Der Schiedsrichter hat ein Vergehen erkannt, unterbricht das Spiel aber noch nicht sofort. Er hebt den Arm und lässt die Aktion weiterlaufen. Das ist möglich, wenn die Mannschaft, gegen die sich die Strafe richtet, nicht im Puckbesitz ist.
Der Vorteil für das nicht bestrafte Team: Es kann den Angriff zunächst fortsetzen. Sobald die fehlbare Mannschaft den Puck kontrolliert oder eine andere reguläre Unterbrechung eintritt, wird das Spiel gestoppt und die Strafentscheidung abgewickelt. Erzielt das nicht fehlbare Team während der Anzeige ein Tor, kann eine angezeigte Kleine Strafe entfallen; die Entscheidung hängt nach den Regeln 15.2 bis 15.4 auch von bereits laufenden Strafen ab.
Für die Saison 2026/27 wird dieses Signal genauer begrenzt. Der DEB stellt klar, dass eine angezeigte Strafe nur während des laufenden Spiels signalisiert werden soll. In einer bereits laufenden Spielunterbrechung soll der Schiedsrichter den Arm für eine angezeigte Strafe nicht zusätzlich heben.
Was bedeutet das für die Spielbeobachtung?
Die Änderung betrifft vor allem die Kommunikation auf dem Eis. Am Ablauf einer angezeigten Strafe ändert sich wenig. Entscheidend bleibt, ob der Schiedsrichter die Szene während des laufenden Spiels beobachtet und ob die zu bestrafende Mannschaft den Puck kontrolliert.
Für die Einordnung von Spielaufzeichnungen ist der Zeitpunkt des Signals wichtig:
- Wird der Arm während einer laufenden Aktion gehoben, kann danach noch ein Spielzug stattfinden.
- Wird das Spiel bereits durch einen Pfiff unterbrochen, wird die Strafe direkt abgewickelt.
- Ein sichtbares Signal während eines Unterbruchs ist künftig kein notwendiger Bestandteil der Anzeige.
Das hilft, Wiederholungen sauberer zu lesen. Ein späterer Pfiff bedeutet nicht automatisch, dass die Strafe erst in diesem Moment entstanden ist.
Hoher Stock: Die Schulter des Gegenspielers ist der wichtige Bezugspunkt
Die Regel zum hohen Stock wird für die Saison 2026/27 präzisiert. Nach Regel 60.1 setzt ein hoher Stock Kontakt oberhalb der Schultern des Gegenspielers voraus; dessen Schultern müssen sich dabei auf Hüfthöhe oder höher befinden. Spieler bleiben für die Kontrolle ihres Stocks verantwortlich. Ausgenommen ist zufälliger Kontakt beim normalen Ausholen oder Durchschwingen eines Schusses sowie mit einem beim Anspiel nach vorn gebeugten gegnerischen Center. Ein wilder Schwung nach einem aufspringenden Puck fällt nicht unter die Schussausnahme.
Damit wird genauer beschrieben, welche Körperposition bei der Beurteilung zählt. Maßgeblich ist die Schulterhöhe des getroffenen Gegenspielers. Es geht also nicht nur darum, ob der Stock auffällig hoch geführt wurde.
Das ist vor allem in schnellen, unübersichtlichen Situationen wichtig. Ein Spieler kann sich stark bücken, in die Knie gehen oder im Zweikampf das Gleichgewicht verlieren. Dadurch verändert sich die Höhe seiner Schulter im Verhältnis zum Stock.
Zwei Regeln, die du auseinanderhalten solltest
Beim Begriff „hoher Stock“ können zwei unterschiedliche Situationen gemeint sein:
- Ein Stock trifft einen Gegenspieler.
Hier geht es um Regel 60. Die Schulterhöhe des Gegenspielers spielt bei der Beurteilung der Strafe eine Rolle. - Ein Spieler spielt den Puck mit dem Stock zu hoch.
Hier geht es um Regel 80. Der Puck darf nicht mit einem Stock oberhalb der normalen Schulterhöhe gespielt werden. Auch die Frage, ob ein daraus entstehendes Tor anerkannt wird, wird gesondert bewertet.
Diese beiden Vorgänge sind nicht identisch. Ein hoher Stock gegen einen Gegenspieler kann eine persönliche Strafe auslösen. Das Spielen des Pucks mit hohem Stock führt dagegen zunächst zu einer Spielunterbrechung, wenn die fehlbare Mannschaft danach wieder Kontrolle über den Puck erlangt.
Was ändert sich praktisch?
Die Präzisierung soll Entscheidungen einheitlicher machen. Sie bedeutet nicht, dass jeder Stockkontakt im Bereich des Oberkörpers nun anders bewertet wird. Weiterhin kommt es auf Bewegung, Kontakt und Folgen an.
Verursacht der Stockkontakt an Hals, Gesicht oder Kopf oberhalb der Hüfthöhe des Gegners eine Verletzung, sieht Regel 60.3 eine doppelte Kleine Strafe von vier Minuten vor. Eine Blutung ist dafür nicht erforderlich. Bei rücksichtsloser Gefährdung kann der Schiedsrichter nach Regel 60.4 eine Große Strafe von fünf Minuten und eine automatische Spieldauerdisziplinarstrafe verhängen. Diese Bewertung berücksichtigt unter anderem die Schwere des Kontakts und den Grad der Gewalt.
Du solltest deshalb nicht allein aus dem sichtbaren Kontakt auf die Strafe schließen. Wichtig sind mindestens diese Fragen:
- Wo befand sich die Schulter des Gegenspielers?
- Wurde der Stock aktiv in Richtung des Gegenspielers bewegt?
- Entstand eine Verletzung?
- War der Kontakt Teil eines normalen Zweikampfs oder eine gefährliche Aktion?
- Wurde zusätzlich eine andere Regel verletzt?
Gewalt gegen Offizielle: Begriff geändert, Wirkung bleibt klar
Bei den Regelungen zu körperlicher Gewalt gegen Offizielle in Regel 40 wurde der Begriff „absichtlich“ durch „vorsätzlich“ ersetzt. Der DEB beschreibt dies als Anpassung der Formulierung im Regelwerk.
Daraus sollte keine automatische Verschärfung oder Abschwächung abgeleitet werden. Die Änderung betrifft zunächst die Wortwahl. Sie ist kein Beleg dafür, dass nun häufiger oder seltener eine Spieldauerdisziplinarstrafe ausgesprochen wird.
Die Wirkung einer solchen Strafe bleibt wichtig: Ein Spieler wird für den Rest des Spiels ausgeschlossen. Nach Regel 23 des IIHF-Regelbuchs darf ein Ersatzspieler den ausgeschlossenen Spieler auf dem Eis ersetzen. Die Mannschaft spielt deshalb nicht allein wegen der Spieldauerdisziplinarstrafe automatisch in Unterzahl. Im Spielbericht werden dem Spieler 20 Strafminuten zugeordnet.
Das unterscheidet die Spieldauerdisziplinarstrafe von einer Kleinen oder Großen Strafe:
- Eine Kleine Strafe umfasst grundsätzlich zwei Minuten Strafzeit. Bei einem Gegentor in entsprechender Unterzahl kann sie vorzeitig enden; zusammenfallende Strafen können die Spielerzahl unverändert lassen.
- Eine Große Strafe umfasst fünf Minuten Strafzeit und endet nicht durch ein Gegentor. Auch hier sind zusammenfallende Strafen für die Spielerzahl zu beachten.
- Eine Spieldauerdisziplinarstrafe beendet die persönliche Teilnahme am Spiel, verändert aber für sich allein nicht die Zahl der Spieler auf dem Eis.
In der Praxis können mehrere Strafen zusammenkommen. Erhält ein Spieler beispielsweise eine Große Strafe und zusätzlich eine automatische Spieldauerdisziplinarstrafe, muss die Mannschaft die Zeitstrafe absitzen. Der Spieler selbst bleibt für den Rest des Spiels ausgeschlossen. Bei einer reinen Spieldauerdisziplinarstrafe ohne zusätzliche Zeitstrafe darf ein Mitspieler ihn sofort ersetzen.
Welche Regeländerungen beeinflussen den Spielausgang besonders?
Die drei behandelten Punkte haben unterschiedliche Bedeutung.
Die Einschränkung des Signals für angezeigte Strafen betrifft die Kommunikation während des Ablaufs. Sie hilft, Szenen in Livebildern und Wiederholungen genauer zeitlich einzuordnen. Aus der Signalbegrenzung allein lässt sich keine Änderung des Strafmaßes oder des Spielergebnisses ableiten.
Die Präzisierung beim hohen Stock kann in einzelnen Situationen relevanter sein. Wird ein Kontakt wegen der Schulterhöhe anders bewertet, kann das zu einer Strafe, einer Spielunterbrechung oder einer anderen Spielfortsetzung führen. Ob daraus ein Tor oder ein spielentscheidender Vorteil entsteht, hängt vom weiteren Verlauf ab.
Die Anpassung von „absichtlich“ zu „vorsätzlich“ ist vor allem sprachlicher Natur. Sie soll das Regelwerk verständlicher und einheitlicher machen. Eine neue automatische Wirkung auf den Spielausgang lässt sich daraus nicht ableiten.
Für die Analyse eines Eishockeyspiels gilt deshalb: Regeländerungen sind ein wichtiger Kontext, aber keine eigenständige Erklärung für ein Ergebnis. Entscheidend bleibt, wie eine konkrete Szene bewertet und welche Strafe tatsächlich ausgesprochen wird.
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Quellen & Datenstand
Grundlage dieses Artikels ist die offizielle DEB-Meldung vom 16.09.2026: Das ändert sich im Regelwerk zur Saison 2026/2027.
Ergänzend wurde das dort verlinkte IIHF Offizielle Regelbuch 2026/27, Version 1.3, Stand September 2026 geprüft: IIHF Rulebook 2026/27 als PDF.
Datenstand der Einordnung: 07.10.2026.