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MLB Automatic Runner: Ein Run mit RBI, aber ohne Earned Run

Inhaltlich überarbeitet: 21.09.2026

Baseballspieler rutscht in einer Staubwolke zur Base, während ein Feldspieler nach dem Ball greift.

Ein MLB-Boxscore kann auf den ersten Blick widersprüchlich wirken: Ein Run steht in der Teamwertung, der Schlagmann erhält dafür ein RBI, aber beim Pitcher taucht derselbe Lauf nicht als Earned Run auf. Der Grund ist der Automatic Runner in Extra Innings.

In der regulären MLB-Saison beginnt in jedem Halb-Inning nach dem neunten Inning ein Team mit einem Läufer auf der zweiten Base. Dieser Läufer hat die Base nicht durch einen Hit oder Walk erreicht. Er wird durch die Regel auf diese Position gesetzt. Genau das verändert die Lesart der Statistik.

Wer ist der Automatic Runner?

Der Automatic Runner ist der Spieler, der in der Batting Order direkt vor dem Leadoff-Hitter dieses Halb-Innings steht. Der Leadoff-Hitter ist der erste Schlagmann des Teams in diesem Abschnitt.

Ein Beispiel:

  • Der Spieler an Position sieben beginnt das Halb-Inning als Schlagmann.
  • Der Spieler an Position sechs wird automatisch auf die zweite Base gesetzt.
  • Für den Spieler an Position sechs kann ein zulässiger Ersatzläufer eingewechselt werden.

Ein Pinch-Runner ersetzt einen Spieler in der Aufstellung; der ausgewechselte Spieler darf nicht zurückkehren. Er ist also kein vorübergehender Laufhelfer. Steht unmittelbar vor dem ersten Schlagmann der Pitcher in der Schlagreihenfolge, darf stattdessen auch dessen Vorgänger als Automatic Runner eingesetzt werden. Die MLB beschreibt diese Zuordnung in ihrem offiziellen Regelglossar zum Automatic Runner.

Die Regel gilt nur für Spiele der regulären Saison. In der Postseason wird sie nicht angewendet. Eingeführt wurde sie zunächst 2020. Vor der Saison 2023 wurde sie dauerhaft in das MLB-Regelbuch aufgenommen.

Warum der Run für den Pitcher kein Earned Run ist

Für Earned Runs rekonstruiert der offizielle Statistiker den Abschnitt grundsätzlich ohne Feldspielfehler und vermeidbare Fangfehler des Catchers (Passed Balls). Es geht um eine festgelegte Wertung, nicht darum, ob der Punkt „verdient“ oder gültig war. Die Abkürzung lautet ER. Diese Zahl ist wichtig für die ERA, also den Durchschnitt der Earned Runs eines Pitchers pro neun Innings. Mehr zu solchen Statistikbegriffen findest du unter Zahlen verstehen.

Beim Automatic Runner liegt die Ausgangslage anders. Der Läufer steht schon auf der zweiten Base, bevor der Pitcher den ersten Ball dieses Halb-Innings wirft. Für die ER-Berechnung wird seine Platzierung wie das Erreichen der Base durch einen Feldspielfehler behandelt; tatsächlich wird dafür keinem Spieler ein Error eingetragen.

Kommt dieser Läufer später nach Hause, zählt der Run trotzdem vollständig:

  • Er zählt für den Spielstand.
  • Er erscheint beim Läufer als Run.
  • Beim Pitcher zählt er als zugelassener Run.
  • Beim Pitcher wird er aber nicht als Earned Run eingetragen.

Im Boxscore können deshalb beim Pitcher unterschiedliche Werte stehen. Die Spalte R zeigt alle zugerechneten Runs. ER enthält nur die Earned Runs. Bei einem Run des Automatic Runners kann also R steigen, während ER unverändert bleibt.

Warum trotzdem ein RBI entstehen kann

RBI steht für „Runs Batted In“. Die Statistik zeigt, wie viele Runs durch die Aktion des Schlagmanns erzielt wurden.

Die automatische Platzierung schließt ein RBI nicht aus. Ob es vergeben wird, hängt vom konkreten Spielzug und den Scoring-Regeln ab. Bei einem Groundball in ein Force Double Play – zwei Aus in diesem Spielzug – gibt es beispielsweise kein RBI. Bei Feldspielfehlern ist die genaue Situation entscheidend.

Schlägt der Batter beispielsweise einen Single – einen Hit für eine Base – und bringt damit den Automatic Runner ohne zusätzlichen Feldspielfehler nach Hause, erhält er ein RBI. Der Läufer wurde zwar durch die Regel auf die Base gesetzt. Der Single hat aber dafür gesorgt, dass er punkten konnte.

Das ist der Kern des scheinbaren Widerspruchs:

  • Der Läufer erzielt einen normalen Run.
  • Der Schlagmann kann dafür ein RBI bekommen.
  • Der Pitcher bekommt dafür keinen Earned Run angerechnet.

Ein RBI und ein Earned Run messen also nicht dasselbe. Das RBI beschreibt die Wirkung der Offensivaktion. Die ER-Wertung folgt dagegen den Regeln für die Pitcherstatistik.

Fiktives Rechenbeispiel: 3:3 nach neun Innings

Das folgende Beispiel ist frei erfunden. Es bezieht sich auf kein konkretes MLB-Spiel und enthält keine Live-Daten.

Nach neun Innings steht es 3:3. Im oberen Teil des zehnten Innings beginnt das angreifende Team mit einem Automatic Runner auf der zweiten Base.

Der nächste Batter schlägt einen Single. In diesem Beispiel kommt der Läufer ohne Feldspielfehler von der zweiten Base nach Hause; der Batter bleibt auf der ersten Base. Nicht jeder Single ermöglicht einem Läufer von der zweiten Base einen Run.

Die Rechnung lautet:

Ausgangsstand 3:3 + 1 Run = neuer Spielstand 4:3

Die Statistik dieses Spielzugs kann so gelesen werden:

  • Team des Automatic Runners: nun insgesamt 4 Runs
  • Gegner: 3 Runs
  • Automatic Runner: 1 Run
  • Batter mit dem Single: 1 RBI
  • Pitcher: 1 zusätzlicher Run zugelassen
  • Pitcher: 0 Earned Runs aus diesem Automatic-Runner-Lauf

Der Run zählt also für das Ergebnis. Er wird auch nicht aus der persönlichen Run-Statistik des Pitchers entfernt. Nur die Spalte ER bleibt von diesem Lauf unberührt. Das 4:3 ist hier ein Zwischenstand: Die Heimmannschaft erhält im unteren Teil des zehnten Innings noch ihre Angriffsphase.

Was du beim Lesen des Boxscores prüfen solltest

Trenne beim Prüfen drei Fragen:

  1. Spielstand: Welcher Läufer hat einen Run erzielt?
  2. Pitcherstatistik: War er der zu Beginn auf die zweite Base gesetzte Automatic Runner? Dann ist sein Run kein Earned Run.
  3. Schlagmann: Welcher Spielzug hat den Run ermöglicht, und wie wurde er gewertet? Erst daraus ergibt sich das RBI.

Die Platzierung auf der zweiten Base entscheidet somit nicht allein über ein RBI. Lies bei Unklarheiten die Spielzugfolge neben dem Boxscore. Für die Einordnung einer Baseballwette sind außerdem der betrachtete Spielabschnitt und die Abrechnungsregeln des Angebots maßgeblich; eine einzelne Statistikspalte beantwortet diese Frage nicht.

Wenn du Baseballbegriffe noch einmal im Zusammenhang mit Innings, Runs und Rollen nachlesen möchtest, findest du einen Einstieg in der Baseball-Einführung.

Quellen & Regelstand

Die Regelangaben wurden am 21.09.2026 geprüft. Die Angaben beziehen sich auf MLB-Spiele der regulären Saison. Als Regelgrundlage dienen das aktuell verlinkte MLB-Regelbuch (Ausgabe 2025) und das MLB-Regelglossar; die Meldung von 2023 ordnet die damalige Entscheidung ein.

Das Rechenbeispiel ist vollständig fiktiv. Es verwendet keine realen Spielstände, Quoten oder Saisonstatistiken.

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