Daten & Statistiken
IBIA meldet mehr Warnsignale im zweiten Quartal – der Vergleich mit Q1 hat Grenzen
Inhaltlich überarbeitet: 29.09.2026

Die International Betting Integrity Association (IBIA) meldete für das zweite Quartal 2026 insgesamt 76 verdächtige Wettwarnmeldungen. Im ersten Quartal waren es 70. Das entspricht einem Anstieg um sechs Meldungen oder rund 8,6 Prozent. Der Vergleich zeigt aber nicht, dass sechs weitere Wettbewerbe manipuliert wurden. Er zeigt auch nicht, warum sich die Meldungen verändert haben.
Eine Warnmeldung ist zunächst ein Hinweis an zuständige Behörden oder Integritätsstellen. Sie kann weitere Prüfungen oder Ermittlungen auslösen. Sie ist kein Beweis für eine Manipulation. Die IBIA weist in beiden Berichten außerdem darauf hin, dass sich die Zahlen nach dem Ausgang laufender Untersuchungen noch ändern können.
Was genau hat sich zwischen Q1 und Q2 2026 verändert?
Die einfache Rechnung lautet:
76 Warnmeldungen in Q2 − 70 Warnmeldungen in Q1 = 6 zusätzliche Meldungen
Für die relative Veränderung gilt:
6 ÷ 70 × 100 = rund 8,6 Prozent
Diese Rechnung beschreibt nur die Zahl der gemeldeten Warnsignale. Sie misst nicht die Zahl der manipulierten Spiele, Rennen, Matches oder Turniere. Auch die Schwere einzelner Fälle lässt sich daraus nicht ablesen.
Der wichtigste unveränderte Wert betrifft Fußball. In beiden Quartalen meldete die IBIA jeweils 25 Warnsignale. Der Fußballanteil an der Gesamtsumme sank dadurch rechnerisch von rund 36 Prozent in Q1 auf rund 33 Prozent in Q2. Das bedeutet nicht, dass Fußball im zweiten Quartal sicherer oder unsicherer war. Der Anteil verändert sich auch deshalb, weil andere Sportarten in Q2 stärker vertreten waren.
Besonders stark stieg Basketball. Die Zahl wuchs von einer Meldung in Q1 auf zehn in Q2. Das sind neun zusätzliche Warnsignale. Bei E-Sports stieg der Wert von 15 auf 16. Gleichzeitig sank Tennis von 16 auf neun Meldungen.
Welche Sportarten erklären den Unterschied?
Die Verteilung auf die Sportarten ist wichtiger als die Gesamtsumme allein. In Q1 verteilten sich die 70 Meldungen auf zehn Sportarten:
- Fußball: 25
- Tennis: 16
- E-Sports: 15
- Tischtennis: 7
- Volleyball: 2
- Basketball: 1
- Badminton: 1
- Handball: 1
- Cricket: 1
- MMA: 1
In Q2 entfielen die 76 Meldungen auf neun Sportarten:
- Fußball: 25
- E-Sports: 16
- Basketball: 10
- Tennis: 9
- Darts: 5
- Windhundrennen: 4
- Cricket: 3
- Tischtennis: 3
- Volleyball: 1
Damit ergibt sich folgende Veränderung:
- Fußball: unverändert bei 25
- E-Sports: plus 1
- Basketball: plus 9
- Cricket: plus 2
- Darts: neu mit 5
- Windhundrennen: neu mit 4
- Tennis: minus 7
- Tischtennis: minus 4
- Volleyball: minus 1
- Badminton, Handball und MMA: im Q2-Bericht nicht aufgeführt
Darts und Windhundrennen stehen in dieser Gegenüberstellung neu in der Q2-Liste und tragen zusammen neun Meldungen bei. Über alle Sportarten stehen Zuwächse von insgesamt 21 Meldungen Rückgängen von 15 gegenüber; daraus ergibt sich der Nettoanstieg um sechs. Badminton, Handball und MMA sind in der Q2-Aufstellung nicht enthalten. Daraus folgt aber nicht, dass dort keine Integritätsrisiken bestanden. Die Quartalsberichte bilden nur die Meldungen ab, die IBIA in diesem Zeitraum den zuständigen Stellen zugeordnet und berichtet hat.
Auch innerhalb einzelner Sportarten ist die Datenbasis nicht vollständig gleich. Im Q2-Bericht wird zum Beispiel erläutert, dass zwei der neun Tennis-Meldungen als Informationsberichte an die International Tennis Integrity Agency übermittelt wurden, weil sie keine Veranstaltungen der wichtigsten professionellen Touren betrafen. Bei Tischtennis bezogen sich alle drei Q2-Meldungen auf Veranstaltungen außerhalb der Wettbewerbe der International Table Tennis Federation. Solche Hinweise gab es bereits in Q1: Sechs Tennis-Meldungen betrafen Veranstaltungen außerhalb der wichtigsten professionellen Touren, alle sieben Tischtennis-Meldungen Veranstaltungen außerhalb der ITTF-Wettbewerbe.
Diese Hinweise zeigen: Die Zahl ist nicht nur eine einfache Zählung vergleichbarer Spiele. Auch die Einordnung der Veranstaltung und der Adressat der Meldung können eine Rolle spielen.
Was kann der Quartalsvergleich zeigen?
Der Vergleich kann drei Dinge sinnvoll sichtbar machen.
Erstens zeigt er, dass die Zahl der von IBIA gemeldeten Warnsignale von Q1 zu Q2 gestiegen ist. Das ist eine beschreibende Aussage über die Meldetätigkeit in den beiden Berichtszeiträumen.
Zweitens zeigt er, dass sich die Zusammensetzung verändert hat. Fußball blieb bei 25 Meldungen stabil. Basketball nahm deutlich zu. Tennis ging zurück. Darts und Windhundrennen tauchten in Q2 neu in der Aufstellung auf.
Drittens zeigt der Vergleich, wie stark eine Gesamtsumme von einzelnen Sportarten beeinflusst werden kann. Der Anstieg um sechs Meldungen wirkt auf den ersten Blick moderat. Dahinter steht aber eine Verschiebung: neun zusätzliche Basketball-Meldungen stehen einem Rückgang um sieben Tennis-Meldungen gegenüber. Die Gesamtsumme allein würde diese Bewegung verdecken.
Für die Einordnung von Zahlen ist es hilfreich, zwischen einem Messwert und seiner Bedeutung zu unterscheiden. Auf unserer Seite Zahlen verstehen findest du weitere Erklärungen dazu, warum ein einzelner Wert immer zusammen mit Zeitraum, Datenbasis und Definition betrachtet werden sollte.
Was kann die Zahl nicht zeigen?
Aus den 76 Warnmeldungen lässt sich nicht ableiten, dass 76 Wettbewerbe manipuliert wurden. Eine Meldung kann sich auf unterschiedliche Sachverhalte beziehen. Außerdem kann eine Untersuchung später zu einem anderen Ergebnis kommen. Genau deshalb formuliert IBIA vorsichtig und weist auf mögliche spätere Änderungen hin.
Auch eine Ursache ist aus dem Vergleich nicht erkennbar. Der Anstieg bei Basketball kann verschiedene Gründe haben. Möglich wären zum Beispiel eine andere Verteilung der überwachten Veranstaltungen, veränderte Meldewege, neue Hinweise aus dem Markt oder eine unterschiedliche Bearbeitung im jeweiligen Quartal. Die vorliegenden Summen entscheiden nicht zwischen diesen Erklärungen.
Umgekehrt beweist der Rückgang bei Tennis nicht, dass dort die Integritätslage besser geworden ist. Weniger Meldungen können auch mit einer anderen Anzahl relevanter Veranstaltungen oder einem anderen Ermittlungsstand zusammenhängen.
Der Quartalsvergleich enthält außerdem keine vollständige, einheitliche Beschreibung jedes einzelnen Marktes und Ereignisses. Ohne solche Informationen lässt sich nicht bewerten, ob sich bestimmte Wettbewerbe, Regionen, Wettmärkte oder Zeitpunkte besonders verändert haben. Auch ein direkter Zusammenhang zwischen den Warnmeldungen und Bewegungen von Quoten wäre damit nicht belegt. Quoten sind eine eigene Marktgröße und müssen mit einem klaren Markt, einem Zeitpunkt und einer nachvollziehbaren Datenquelle untersucht werden. Grundlagen zur Einordnung von Quoten findest du im Sportwetten-Lexikon.
Warum die Warnmeldung nicht mit einem Beweis verwechselt werden darf
Der Begriff „verdächtig“ beschreibt einen Prüfhinweis. Er sagt, dass bestimmte Wettaktivitäten oder Muster aus Sicht der meldenden Stelle eine Weitergabe an zuständige Behörden rechtfertigen. Erst eine anschließende Untersuchung kann klären, ob tatsächlich ein Regelverstoß oder eine Manipulation vorlag.
Für Leserinnen und Leser ist diese Unterscheidung besonders wichtig. Eine steigende Zahl von Warnmeldungen kann bedeuten, dass mehr Auffälligkeiten erkannt oder weitergeleitet wurden. Sie kann aber auch durch Veränderungen bei Überwachung, Meldewegen und Untersuchungen beeinflusst sein. Die Zahl ist deshalb ein Signal für die Arbeit der Integritätsüberwachung, nicht automatisch ein direktes Maß für Manipulation im Sport.
Fazit: Mehr Meldungen, aber kein einfacher Trend
IBIA meldete im zweiten Quartal 2026 sechs Warnsignale mehr als im ersten Quartal. Der Anstieg von 70 auf 76 Meldungen entspricht rund 8,6 Prozent. Fußball blieb mit 25 Meldungen stabil. Der auffälligste Zuwachs entfiel auf Basketball, während Tennis deutlich zurückging. Darts und Windhundrennen wurden in Q2 erstmals in dieser Gegenüberstellung aufgeführt.
Die Zahlen zeigen damit eine veränderte Verteilung der Warnmeldungen. Sie zeigen aber keine Zahl bestätigter Manipulationen und liefern keine belastbare Erklärung für die Ursachen. Unterschiedliche Sportarten, Meldewege, Ermittlungsstände und fehlende Detailinformationen begrenzen den Vergleich.
Die sachlichste Aussage lautet daher: Im Q2-Bericht stehen mehr IBIA-Warnmeldungen als im Q1-Bericht. Ob daraus ein nachhaltiger Trend für die Integritätslage im Sport entsteht, lässt sich aus diesen beiden Quartalen allein nicht ableiten.
Quellen & Datenstand
Datenstand: 29.09.2026. Verglichen wurden die von IBIA veröffentlichten Berichte für Q1 und Q2 2026:
Die Berechnungen im Text beruhen auf den in diesen beiden Berichten aufgeführten Gesamtzahlen und Sportarten. Die Berichte bezeichnen die Meldungen als verdächtige Wettwarnsignale an zuständige Behörden und weisen auf mögliche spätere Revisionen infolge laufender Untersuchungen hin.