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Markt- & Quotenanalyse

Eröffnungsquote und Schlussquote beantworten unterschiedliche Fragen

Inhaltlich überarbeitet: 09.10.2026

Zwei erwachsene Personen betrachten unterschiedliche Linienverläufe auf einem Tisch

KI-generiertes Symbolbild mit zwei Personen, die unterschiedliche Linienverläufe auf einem Tisch betrachten; keine Aufnahme des beschriebenen Marktes oder Ereignisses.

Die Quote am Tag der Veröffentlichung und die Quote kurz vor dem Anpfiff sind keine doppelten Angaben. Sie stammen aus unterschiedlichen Phasen der Marktbeobachtung. Die Eröffnungsquote zeigt, wie ein Markt ein Ereignis früh bewertet. Die Schlussquote zeigt, wie diese Bewertung nach weiterer Informationsaufnahme aussieht. Eine Veränderung ist deshalb zunächst ein Hinweis auf einen anderen Informationsstand – nicht automatisch auf eine „richtige“ Quote.

Warum zwei Quoten desselben Spiels nicht dieselbe Information enthalten

Eine frühe Quote entsteht oft, wenn noch viele Fragen offen sind. Dazu gehören neue Ergebnisse, Aufstellungen oder andere Erwartungen im Markt. Bei der Schlussquote sind mehr dieser Informationen verarbeitet. Im Lexikon erklären wir eine Quotenbewegung deshalb als Veränderung zwischen zwei Zeitpunkten.

Albertsen untersuchte historische Eröffnungs- und Schlussquoten von Pinnacle. Für die Saison 2016 wurden Marktdaten alle 10 Sekunden aufgezeichnet. Die Quoten wurden typischerweise rund 10 Tage vor dem Ereignis veröffentlicht. Der Vergleich misst damit nicht nur eine Preisänderung, sondern auch, wie ein Markt Informationen über mehrere Tage verarbeitet.

Was in den ersten Tagen nach Veröffentlichung mit dem Angebot passiert

In der frühen Phase war der angebotene Einsatzumfang deutlich kleiner. Albertsen bezeichnet ihn als „volume" und nennt für die ersten Angebote rund 1.000 Euro bei einer durchschnittlichen Marge von 2,81 Prozent. Beim Schluss nennt er rund 10.000 Euro und 2,03 Prozent. Diese Beträge beschreiben das angebotene Wettvolumen, nicht den nachgewiesenen Gesamtumsatz der Kunden.

Die hier verwendete implizite Marge ist die Summe der Kehrwerte aller Quoten eines vollständigen Marktes minus 1. Mehr dazu findest du unter Marge. Ein kleinerer Wert bedeutet aber nicht automatisch faire Preise oder einen Vorteil. Margen können Kosten und Steuern enthalten und beschreiben nicht allein die Qualität einer Wahrscheinlichkeit.

Beobachtete Merkmale der ersten und der letzten Quote vor Anpfiff, Angaben aus Albertsen (2017), Datensatz und Zeitraum der Studie
Merkmal Eröffnungsphase Schlussphase
Zeitpunkt der Veröffentlichung rund 10 Tage vor dem Ereignis unmittelbar vor Anpfiff
Angebotener Einsatzumfang laut Studie rund 1.000 Euro rund 10.000 Euro
Durchschnittliche Marge 2,81 Prozent 2,03 Prozent
Anteil der Quotenbewegungen am Spieltag — mehr als 60 Prozent
Anteil innerhalb der letzten zwei Stunden — 25 Prozent

Wo die Bewegung tatsächlich entsteht

Die Daten zeigen, dass sich der Markt nicht gleichmäßig bewegt. Mehr als 60 Prozent der beobachteten Quotenbewegungen fanden am Spieltag statt. 25 Prozent lagen innerhalb der letzten zwei Stunden vor dem Anpfiff. Für eine historische Analyse ist die Uhrzeit daher entscheidend.

Albertsen maß außerdem den mittleren Abstand zwischen der höchsten und niedrigsten beobachteten Marktwahrscheinlichkeit. Bei Heimsiegen betrug er 5,97 Prozentpunkte, bei Auswärtssiegen 5,37 Prozentpunkte und beim Remis 2,33 Prozentpunkte. Diese Werte beschreiben die Schwankung innerhalb der untersuchten Daten, keine allgemeine Regel für jedes Spiel.

Was die Marge mit der Quote macht und warum Anbieter sich unterscheiden dürfen

Ein Vergleich verschiedener Anbieter muss die jeweilige Marge berücksichtigen. Gross und Rebeggiani untersuchten Schlussquoten von 14 Online-Anbietern in vier Wettbewerben. Der Datensatz umfasste rund 15.400 Spiele von der zweiten Hälfte der Saison 2006/07 bis Februar 2017.

Im Mittel der 14 Anbieter lagen die durchschnittlichen impliziten Margen bei 7,94 Prozent. Der höchste Anbieter-Durchschnitt betrug 18,50 Prozent, der niedrigste 2,46 Prozent; das sind keine Extremwerte einzelner Spiele. Die Studie beschreibt außerdem sinkende Margen über den Beobachtungszeitraum. In der historischen, auf Bundesliga- und Zweitligaspielen beruhenden Monatsreihe sank die Marge des anonymisierten Anbieters „German 1" im Jahr 2014 von rund 21 Prozent auf unter 15 Prozent. Die Autoren ordnen den untersuchten Markt trotz Steuern, Wechselkosten und begrenztem Wettbewerb erstaunlich nahe an der Effizienzbenchmark ein.

Eine Schlussquote ist damit kein reines Abbild einer Wahrscheinlichkeit. Sie ist ein Marktpreis mit Kostenbestandteilen. Unter impliziter Wahrscheinlichkeit findest du die rechnerische Einordnung.

Was aus der Beobachtung nicht folgt

Albertsens Pearson-Tests ergaben für alle drei Ausgänge einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Änderung der margenkorrigierten Wahrscheinlichkeiten vom Eröffnungs- zum Schlusszeitpunkt und dem Ergebnis. Die Arbeit deutet dies als Hinweis darauf, dass Schlussquoten in dieser Stichprobe besser informiert waren. Die Zahl von 1.266 Spielen gehört zu einer anderen Auswertung: Bei diesen Partien fand nach Veröffentlichung der Quote noch ein weiteres Spiel mindestens einer der beiden Mannschaften statt. Untersucht wurde dort, wie die Quote auf die neuen Ergebnisse reagierte.

Das beweist keine Kausalität. Eine Quote ist nicht automatisch die richtige Wahrscheinlichkeit. Die Studien nutzen unterschiedliche Datensätze, Anbieter, Länder und Zeiträume bis 2017. Sie erlauben daher keine Aussage über den deutschen Markt im Jahr 2026 und keine Übertragung auf einzelne kommende Partien.

Auch Ausreißer können Ergebnisse stark prägen. Eine von Albertsen beschriebene Auswertung zu Auswärtssiegen wurde wesentlich durch zwei extreme Außenseiterquoten von 20,75 und 24,9 beeinflusst. Die Arbeit ordnet diesen Ausschlag selbst als Ausreißer ein. Das zeigt, warum Stichprobe, Datenerhebung und Auswahlregeln offengelegt werden müssen. Weitere Hinweise zu Datenquellen und Grenzen stehen in unserer Analysemethode.

Quellen & Datenstand: Gelesen am 09.10.2026. Ketil Albertsen, „Efficiency of the Football Betting Market“, Masterarbeit, Copenhagen Business School, 2017. Johannes Gross und Luca Rebeggiani, „Chance or Ability? The Efficiency of the Football Betting Market Revisited“, MPRA Paper No. 87230, Juni 2018. Alle Angaben sind historische Beobachtungen, keine Prognose und kein Wettvorteil.

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