Wettstrategien im Test
Bergstroms Millionenverlust löschte frühere Gewinne nicht vollständig aus
Inhaltlich überarbeitet: 05.11.2026

Eine dokumentierte Wettbilanz erzählt, was bei bestimmten Wetten geschah. Sie sagt nicht, wie wahrscheinlich ein einzelner Ausgang war, und beweist nicht, dass eine Serie künftig weitergeht. Der Fall von William Lee Bergstrom zeigt den Unterschied: Er gewann erst sehr hohe Beträge im Casino Binion’s Horseshoe in Las Vegas. Später verlor er eine Million Dollar mit einer einzigen Wette.
Was bei Bergstrom dokumentiert ist
Am 16. November 1984 setzte Bergstrom eine Million Dollar auf „Don’t Pass“ beim Würfelspiel Craps. Die zeitgenössische Meldung der Nachrichtenagentur UPI berichtet, beim ersten Wurf sei eine Sieben gefallen. Damit war diese Wette verloren. Die Modellregeln erklären wir unten getrennt vom historischen Bericht.
Derselbe UPI-Bericht vom 27. November nannte zwei frühere große Gewinne: 777.000 Dollar im Jahr 1980 und 538.000 Dollar früher im selben Jahr 1984. Laut Ted Binion, der damals für das Casino sprach, lag der Spieler trotz des Millionenverlusts noch mehr als 300.000 Dollar vorn. Ein späterer UPI-Bericht identifizierte den zuvor nur als „Tom“ bezeichneten Spieler als William Lee Bergstrom.
Die Auswahl umfasst nur drei große Wetten. Eine vollständige Karrierebilanz lässt sich daraus nicht ableiten.
| Datum | Einsatz in Dollar | Ergebnis | Saldo-Beitrag |
|---|---|---|---|
| 24.09.1980 | 777.000 | Gewinn | +777.000 |
| 1984, vor dem 16. November | 538.000 | Gewinn | +538.000 |
| 16.11.1984 | 1.000.000 | Verlust | −1.000.000 |
So liest du die Tabelle
Die Tabelle fasst die drei dokumentierten Beträge zusammen. Die eigene Addition lautet: 777.000 plus 538.000 minus 1.000.000 ergibt 315.000 Dollar im Plus. UPI zitierte Ted Binion mit der Aussage, Bergstrom sei nach dem Verlust mehr als 300.000 Dollar vorn gewesen. Beide Werte sind kompatibel: Die Summe aus den drei dokumentierten Wetten erklären die Aussage Binions; sie sind jedoch eine Auswahl von drei Wetten, keine vollständige Karrierebilanz mit Einzelbeleg jeder Wette.
Der Millionenverlust verkleinert das ausgewählte Plus
Aufaddierter Nettosaldo dieser drei berichteten Wetten in US-Dollar.
Jeder Balken zeigt die Summe bis zur jeweiligen Zeile: 777.000 Dollar, danach 1.315.000 Dollar, nach dem Verlust noch 315.000 Dollar. Gleiche Skala und Nullpunkt erlauben den Vergleich. Die letzte Wette kostete eine Million Dollar; das war kein Verlust der gesamten vorher ausgewählten Gewinne.
Eigene Addition von drei Beträgen im UPI-Bericht vom 27. November 1984. Keine vollständige Kontohistorie oder Lebensbilanz, kein Wahrscheinlichkeits- oder Gewinnversprechen. Weitere Wetten, Kosten und private Geldflüsse sind nicht erfasst. Die drei Rechenzeilen als CSV.
Das Beispiel macht einen wichtigen Unterschied sichtbar: Eine Bilanz beschreibt aufaddierte Ergebnisse. Sie verrät nicht automatisch, wie viele Wetten dahinterstanden, wie Einsätze aufgeteilt waren oder ob alle Einzelposten gleich gut dokumentiert sind. Mehr dazu findest du unter Zahlen verstehen.
Was die Wahrscheinlichkeit einer einzelnen Wette aussagt
Für eine zusätzliche Einordnung lässt sich ein fiktives Craps-Modell rechnen. Es ist keine Rekonstruktion der damaligen Regeln in Binion’s Horseshoe: Die konkreten Casinoregeln von 1980 konnten nicht verifiziert werden. Das Modell beschreibt eine einzelne standardisierte „Don’t Pass“-Wette nach den hier angenommenen Craps-Regeln.
Beim ersten Wurf gewinnt „Don’t Pass“ sofort bei einer Zwei oder Drei. Eine Zwölf ist ein Unentschieden, also ein Push: Der Einsatz wird zurückgegeben. Bei einer Sieben oder Elf verliert die Wette. Fällt eine andere Zahl, wird diese zur sogenannten Punktzahl. Danach gewinnt „Don’t Pass“, wenn vor dieser Punktzahl eine Sieben fällt. Fällt die Punktzahl zuerst erneut, verliert die Wette.
Aus den möglichen Würfelergebnissen ergibt sich für dieses Modell:
- Gewinn: 949 von 1.980 Fällen, also rund 47,93 Prozent
- Verlust: 244 von 495 Fällen, also rund 49,29 Prozent
- Push: 1 von 36 Fällen, also rund 2,78 Prozent
Die Anteile ergeben zusammen 100 Prozent. Ein Push zählt hier weder als Gewinn noch als Verlust.
Bei einem Einsatz von einer Einheit bedeutet ein Gewinn im Modell einen Nettogewinn von einer Einheit; ein Verlust kostet eine Einheit. Der Erwartungswert lautet deshalb:
47,93 Prozent Gewinnchance minus 49,29 Prozent Verlustchance = rund −1,36 Prozent je Einheit.
Der Erwartungswert ist ein rechnerischer Durchschnitt über sehr viele Wiederholungen nach denselben Modellannahmen. Er sagt nicht voraus, was bei einer einzelnen Wette passiert. Eine einzelne Wette kann gewinnen, verlieren oder unentschieden enden. Auch ein positiver Ausgang ändert nicht rückwirkend die Wahrscheinlichkeit, mit der die Wette begonnen hat.
Eine Wette kann mehrere Würfe umfassen. Der Washington-Post-Bericht beschreibt 1980 drei Würfe derselben Wette: sechs, neun, sieben. Die Millionenwette 1984 ging laut UPI dagegen bereits beim ersten Wurf verloren. Das Modell berechnet die Wahrscheinlichkeit für den Abschluss einer Wette, gegebenenfalls nach mehreren Würfen. Es rekonstruiert keine historischen Casinoregeln.
Eine Bilanz ist keine Vorhersage
Bergstroms dokumentierte Gewinne und Verluste bilden eine ungewöhnliche historische Serie. Sie liefern aber keine Grundlage, um aus einem gewonnenen Einsatz auf eine sichere Fortsetzung oder aus dem Millionenverlust auf eine allgemeine Verlustwahrscheinlichkeit zu schließen. Dafür müsste man die Bedingungen jeder Wette kennen und von der historischen Bilanz getrennt betrachten, welche Regeln und Wahrscheinlichkeiten gelten.
Der Fall betrifft eine Casinowette aus dem Jahr 1984 und ist keine Anleitung für Sportwetten. Wenn Glücksspiel für dich oder einen nahestehenden Menschen belastend wird, findest du sachliche Informationen und Hilfsangebote unter Risiken und Hilfe. Weitere redaktionelle Einordnungen zu Rechenmodellen stehen im Bereich Wettstrategien.
Quellen & Datenstand
Historische Angaben: UPI, 27.11.1984 und UPI, 05.02.1985. Zum ersten Gewinn außerdem Andrew Beyer, The Washington Post, 26.09.1980. Wahrscheinlichkeiten beziehen sich ausschließlich auf das ausdrücklich fiktive Modell. Datenstand: 05.11.2026.
Die CSV mit den drei berichteten Beträgen legt die Addition offen. Sie erfasst ausschließlich diese drei ausgewählten Wetten und ist weder eine vollständige Karrierebilanz noch eine Prognose.